Wissenswertes über Chimären

Callorhinchus callorynchus (Iconographia Zoologica)

Callorhinchus callorynchus (Iconographia Zoologica)

Chimären sind Mischwesen. Natürlich liegt die Verbindung zur griechischen Mythologie nahe, aber der Begriff der Chimäre hat auch in die moderne Forschung Einzug gehalten, so dass es inzwischen Chimären in mehreren Bereichen gibt und einige davon sind sehr real.
Auch die Knorpelfischordnung der Seekatzen wird als Chimären bezeichnet. Diese Chimären entstehen durch normale Fortpflanzung, während alle anderen Chimären auf künstliche Art entstehen.
Seekatzen sind die einzigen rezenten Vertreter der Unterklasse Holocephali. Man unterscheidet insgesamt etwa 50 Arten, die drei Familien zugeordnet werden.

Zwergziege (Zoo Salzburg)

Zwergziege (Zoo Salzburg)

Die Chimaira (griechisch Χίμαιρα Chímaira, lateinisch Chimaera), eingedeutscht Chimära oder Chimäre, ist ein Mischwesen der griechischen Mythologie. Der griechische Name bedeutet eigentlich „Ziege“. Der Begriff Chimäre wurde später verallgemeinert und auf andere Mischwesen ausgedehnt.
Die Chimaira war laut Hesiod eine Tochter der Ungeheuer Echidna und Typhon, ihre Geschwister waren die Hydra, der Kerberos, die Sphinx und Orthos. Sie lebte an dem Platz Chimaira bei Olympos in Lykien, wo sie Mensch und Tier bedrohte; dort treten seit Urzeiten als seltenes Naturphänomen Gase aus dem steinigen Boden aus, die sich entzündet haben.
Homer beschreibt die Chimaira in der Ilias als feuerspeiendes Mischwesen, das vorne wie ein Löwe, in der Mitte wie eine Ziege und hinten wie eine Schlange oder ein Drache gebildet sei. Nach Hesiod hatte sie hingegen die drei Köpfe der genannten Tiere.
König Iobates gab Bellerophon, einem Enkel des Sisyphos, den Auftrag, die Chimaira zu töten. Hierzu stellte ihm Poseidon ein anderes Mischwesen zur Verfügung: das geflügelte Pferd Pegasos. Aus der Luft konnte Bellerophon seinen Kampf gegen die Chimaira erfolgreich führen. Mit Hilfe eines Bleiklumpens auf der Spitze seines Speeres erlegte er das Ungeheuer.
Die Mythologie (nicht nur die der Griechen) ist reich an Mischwesen der unterschiedlichsten Art. Meist werden diese aber nicht als Chimären sondern eher als Monster (oder Götter) bezeichnet.

In der Medizin/Biologie sind Chimären Organismen, die aus genetisch unterschiedlichen Zellen bzw. Geweben aufgebaut sind und dennoch ein einheitliches Individuum darstellt. Die unterschiedlichen Zellen eines solchen chimären Organismus stammen aus verschiedenen befruchteten Eizellen. Ob die unterschiedlichen Zellen von Individuen der gleichen Art oder von verschiedenen Arten stammen, ist für die Definition unerheblich. Die Chimäre muss abgegrenzt werden vom Mosaik, in dem zwar ebenfalls genetisch verschiedene Zellen vorkommen, die aber alle aus derselben befruchteten Eizelle stammen, und vom Arthybriden, der normalerweise aus einer einzigen befruchteten Eizelle stammt, aber Elternteile aus verschiedenen Arten hat, wie z. B. beim Maultier.
Beim Menschen und anderen Säugetieren sind Blutchimären bekannt, die bei Rindern als Freemartins bezeichnet werden. Sie können bei Schwangerschaften mit mehreiigen Mehrlingen entstehen, wenn sich in der Plazenta Anastomosen bilden. Das Blut der Embryonen vermischt sich untereinander und geht damit auf unterschiedliche Blutstammzellen zurück, neben eigenen auch auf Blutstammzellen der Mehrlingsgeschwister. Grundsätzlich sind in diesen Fällen auch unterschiedliche Blutgruppen möglich. Auch Allo- oder Xenotransplantationen machen den Organempfänger zur Chimäre.
Auch Versuchstiere, in deren Körper zu Versuchszwecken menschliche Gene, Chromosomen, Zellen oder ganze Organe verbaut worden sind, werden als Mischwesen bezeichnet. Ziel ist es, ein Tiermodell für eine menschliche Krankheit zu entwickeln und somit die Krankheit besser zu erforschen. Um menschliche embryonale Stammzellen zu gewinnen, kann auch der gesamte Zellkern von einer menschlichen Zelle in die Eizelle eines Tieres eingesetzt werden.

Acinonyx kurteni (© N. Tamura)

Acinonyx kurteni (© N. Tamura)

Als Chimäre werden in der modernen Paläontologie verfälschte archäologische Tier-Fossilien bezeichnet, die ein prähistorisches Tier vorspiegeln, das es in dieser Form, mit diesem Aussehen nicht oder überhaupt nicht gegeben hat. Es handelt sich dabei um falsch zusammengesetzte fossile Körperteile oder Fragmente, sowie um teils oder komplett künstlich hergestellte vermeintliche Fossilien.
Zweifelhafte Funde stammen oft aus der Volksrepublik China. Die Machart chinesischer Duplikate ist oft von so hoher Qualität, dass oft nur aufwendige Laboranalysen Aufschluss bringen können, ob es sich um echte Funde oder Reproduktionen handelt. In China herrscht ein reger Markt mit Kompositfossilien. Viele lokale Museen trumpfen immer wieder mit vermeintlichen Neuentdeckungen auf, deren Echtheit oft nicht klar nachgewiesen werden kann. Der vom Science Magazin zitierte chinesische Wirbeltier-Paläontologe Li Chun schätzt, dass 80 Prozent aller Meeressaurier, die in chinesischen Museen derzeit ausgestellt sind, manipuliert oder gar konstruiert wurden. Durch diese Tatsache ringen auch westliche, angesehene, wissenschaftliche Institutionen vermehrt um ihre eigene Glaubwürdigkeit, da immer wieder einzelne nicht gesicherte Objekte ihren Weg in deren Sammlungen finden.
Das bekannteste Beispiel ist der 1999 entdeckte Archaeoraptor aus der Provinz Liaoning in Nordostchina, der als Bindeglied zwischen Vögeln und Dinosauriern angesehen wurde. Der National Geographic machte den vermeintlichen Sensationsfund publik. Es stellte sich jedoch heraus, dass jemand den Körper des fischfressenden Yanornis martini mit den Schwanzfedern eines Microraptor zhaoianus-Dinosauriers verbunden hatte.
Eine wissenschaftliche Kontroverse entspann sich um die bis heute nicht eindeutig verifizierte Echtheit eines Schädels des sogenannten „Urgeparden“ (Acinonyx kurteni), der aus dem Linxia-Becken in der Provinz Gansu, China, stammen soll. Hier ist nicht geklärt, ob einige Knochenteile nachträglich angebracht wurden, und ob der Schädel zeitgenössisch ist.

Im archäologischen Sprachgebrauch werden abweichend vom allgemeinen Sprachgebrauch als Chimären (oder einfach nur „Monster“) Mischwesen mit Tierkörpern und Tierköpfen (z. B. Greif, Mantikor oder Drachen) bezeichnet, zumeist aber Tierkörper mit menschlichen Köpfen wie die oder der Sphinx (Menschenkopf und Löwenkörper), Zentauren (Menschenoberkörper und Pferdeleib) oder Meerjungfrauen (Frauenoberkörper und Fischunterleib).
Den Gegensatz bildet der Begriff „Dämon“, der ein theriokephales (tierköpfiges) Mischwesen mit mindestens menschlichen Beinen bezeichnet.
Schon bei den ältesten Skulpturen, Zeichnungen und Felsritzungen der Menschheit kamen nicht nur Darstellungen von Tieren und Menschen, sondern auch von anthropozoomorphen Mischwesen aus Kombinationen von Mensch und Tier vor. Diese Darstellungsform hält bis in die ägyptische Hochkultur an, in der die Götter als Humanoide mit Tierköpfen dargestellt wurden.

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