Wissenswertes über Gifttiere

Wachtel (Tierpark Fauna, Solingen)

Wachtel (Tierpark Fauna, Solingen)

Innerhalb der Tiere finden sich jeweils mehrere giftige Tiere unter den Taxa der Schwämme (Porifera), Blumentiere (Anthozoa), Hydrozoen, Schirmquallen (Scyphozoa), Vielborster (Polychaeta), Schnecken (Gastropoda), Kopffüßer (Cephalopoda), Insekten (Insektengift), Spinnentiere (Arachnida), Fische, Amphibien und Reptilien.
Weniger bekannt ist, dass es auch unter den Säugetieren und Vögeln giftige Vertreter gibt.
Mehr über giftige Tiere findet man u. a. hier:
Wissenswertes über Giftschlangen
Wissenswertes über giftige Vögel
Wissenswertes über giftige Säugetiere
Wissenswertes über Tiergifte
Wissenswertes über Tiergifte 2
Das Antidot bildet ein (stoffliches) Gegenmittel zu Toxinen oder anderen Substanzen, die auf einen Organismus Einfluss nehmen.
Unbehandelte akute Gewebevergiftungen durch potente Tiergifte (etwa durch Giftfische, Skorpionstich oder Schlangenbiss) können bleibende Schäden hinterlassen und lebensbedrohlich verlaufen. Zur wirksamen Behandlung wird möglichst ein spezifisches Antiserum eingesetzt. Dabei handelt es sich um eine passive Impfung mit einem Immunserum, welches Antikörper gegen die Toxine enthält. Diese Toxine werden von dazu gezüchteten Gifttieren (z. B. in Schlangenfarmen) gewonnen. Das erhaltene Gift wird für bessere Lagerfähigkeit meist tiefgefroren und gefriergetrocknet. Hoch verdünnt aufgelöst werden damit Haustiere – häufig Pferde, Schafe oder Kaninchen – geimpft. Aufgereinigte Teile ihres Blutserums ergeben das Antiserum. Dieses wird für maximale Haltbarkeit gefriergetrocknet und portioniert in Brech-Glasampullen eingeschmolzen. Wird das Antiserum bald nach dem Gifteintritt verabreicht und ist das Antiserum spezifisch wirksam, ist die Prognose in aller Regel gut.
Bei gleicher Giftdosis zeigt sich manchmal eine unterschiedliche Wirkung auf verschiedene Menschen. Dies kann oft auf unterschiedlich starke Allergisierungen zurückgeführt werden und wird als Allergie bezeichnet. Gerade nach Stichen durch Honigbienen (Apis mellifera), Wespen (insbesondere Vespula vulgaris, Vespula germanica), seltener auch Hornissen (Vespa crabro) und Hummeln (Bombus spp.) können Insektengiftallergien vermehrt auftreten, die Reaktionsbreite kann sich zwischen ‚harmlos‘ bis zum anaphylaktischen Schock erstrecken. Im Notfall können intravenös Elektrolytlösungen verabreicht oder in besonders schweren Fällen Adrenalin injiziert werden.
Zur Therapie von Giftallergien besonders gegen Hautflügler können die auslösenden Insektengifte niedrig dosiert verabreicht werden, dies wird als Hyposensibilisierung bezeichnet.

Kreuzotter (Vipera berus) mit aufgerichteten Giftzähnen (Walter Heubach)

Kreuzotter (Vipera berus) mit aufgerichteten Giftzähnen (Walter Heubach)

Giftzähne
Giftzähne sind spezielle hohle Fangzähne, mit denen Giftschlangen ihrer Beute Gift einspritzen. Auch zur Verteidigung setzen sie den Giftbiss ein. Im Zahn ist ein Kanal ähnlich einer Injektionsnadel. An der Zahnbasis mündet der Ausgang der Giftdrüse, in der Nähe der Zahnspitze tritt ihr giftiges Sekret aus.
Während Seeschlangen und Giftnattern relativ kurze, im Kiefer feststehende Giftzähne haben, sind die Fänge der Vipern sehr lang und liegen bei geschlossenem Maul in Hauttaschen im Gaumen. Sie werden erst beim Öffnen des Mundes blitzschnell zum Biss „herausgeklappt“.
Da Schlangen typischerweise mit großer Schnelligkeit zustoßen, kann es leicht vorkommen, dass ein Giftzahn beim Biss ausgerissen wird. Ausgefallene oder stumpf gewordene Giftzähne werden daher regelmäßig durch neue ersetzt, die als „Ersatzzähne“ bereits in der Schleimhaut vorgebildet werden.
Außer den Giftschlangen gibt es nur zwei weitere giftige Reptiliengattungen, die Krustenechsen und der Komodowaran. Während Giftdrüse und Giftzahn bei den Schlangen beidseitig im Oberkiefer sitzen, befinden sie sich bei den Krustenechsen und Komodos im Unterkiefer. Auch sind ihre Zähne nicht hohl, so dass das Giftsekret durch sie injiziert werden kann, es fließt durch Furchen in den Zähnen in die Wunde. Um das zu erreichen, lässt die Krustenechse ihr Opfer nicht, wie die meisten Giftschlangen, schnell wieder los, sondern verbeißt sich darin, unter Umständen stundenlang. Der Komodowaran löst sein Gift im eigenen Speichel. Dieser tritt bei einem Biss in die Wunde des Beutetiers ein.
Einige Spitzmausarten, wie die heimische Wasserspitzmaus, und der spitzmausartige Schlitzrüssler haben giftigen Speichel, der beim Biss in die Wunde gelangt. Spezielle Giftzähne haben sie jedoch nicht, im Gegensatz zu der ausgestorbenen Spezies Bisonalveus browni, deren fossile Überreste in Nordamerika gefunden wurden. Die Eckzähne dieses kleinen Raubtiers wiesen eine tiefe Rinne von der Wurzel bis zur Spitze auf, ähnlich denen der afrikanischen Boomslang, weshalb man annimmt, dass durch sie ebenfalls ein Giftsekret floss.
Der Biss der Muräne galt früher als giftig, sie hat jedoch keine Giftzähne. Komplikationen bei Muränenbissen erklären sich durch bakterielle Infektion.
Sehr giftig ist hingegen der Biss der blaugeringelten Kraken, die an den Küsten Australiens, Indonesiens und Neuguineas vorkommen und mit ihren schnabelartigen Beißwerkzeugen ein Nervengift abgeben, das an Wirksamkeit alle Schlangengifte übertrifft.
Die Kieferklauen der Spinnentiere sind keine Zähne, sondern umgebildete Extremitäten, in ihrer Funktion entsprechen sie den Giftzähnen der Schlangen.

Giftstachel
Ein Giftstachel ist ein spitz zulaufender Stechapparat, mit dem Tiere ein giftiges Sekret in andere Tiere hineinspritzen können. Er wird vor allem zur Abwehr von Feinden und zur Lähmung von Beutetieren eingesetzt.
Einen Giftstachel haben beispielsweise bestimmte Ameisenunterfamilien, Bienen und Wespen. Der Giftstachel der aculeaten Hautflügler wie Bienen und Wespen ist evolutionsgeschichtlich aus einem ursprünglichen Legebohrer (Ovipositor) entstanden. Daher besitzen nur weibliche Wespen und Bienen dieses Merkmal und können damit stechen. Den männlichen Drohnen fehlt der Stachel.
Der südamerikanische Käfer Onychocerus albitarsis verfügt an den Enden seiner Antennen Giftstachel, die in ihrem Aufbau stark denen des Gelben Mittelmeerskorpions ähneln. Bei Bedrohungen sticht er seinen Gegner zielgerichtet mit den sehr beweglichen ASntennen. Andere Vertreter der Gattung Onychocerus zeigen weder ein solches Verhalten, noch haben sie einen Giftstachel entwickelt.
Die Giftstachel der Skorpione sind ein Merkmal, dass die Ordnung Skorpione von allen anderen rezenten Spinnentieren unterscheidet.
Giftige Fische haben ebenfalls Giftstacheln, wie z. B. Stachelrochen, Steinfische und Skorpionfische.
Die Männchen der Schnabeltiere besitzen einen Giftsporn am Hinterfuß und sind daher die einzigen Säugetiere mit einem Giftstachel.
Die spitzen Cheliceren der Webspinnen sind keine Giftstacheln.

Giftdrüsen
Als Giftdrüse wird in der Zoologie eine Drüse bezeichnet, die der Erzeugung (Synthese) und Speicherung von Toxinen, also für Lebewesen giftige Substanzen, dient. Solche spezialisierten Organe kommen bei verschiedenen taxonomischen Gruppen vor, sie sind also durch konvergente Evolution entstanden.
Giftdrüsen finden sich sowohl bei Wirbellosen als auch bei Wirbeltieren. So besitzen innerhalb der Spinnentiere die Skorpione Giftdrüsen im letzten Segment ihres Hinterleibs, die mit einem Giftstachel verbunden sind. Bei den ebenfalls zu den Spinnentieren gehörenden Webspinnen sind die Giftdrüsen mit den Cheliceren, also den Mundwerkzeugen, verbunden. Hundertfüßer besitzen Giftdrüsen an der Basis der Beine der ersten Rumpfsegmente. Unter den Insekten können Giftdrüsen entweder im Bereich der Mundwerkzeuge oder, bei den Hautflüglern, an der Basis des umgewandelten Ovipositors (Legeapparates der Weibchen) vorkommen. Weichtiere und vor allem Schlangen können über spezialisierte Speicheldrüsen verfügen, in denen Gifte produziert werden; bei den Giftschlangen stehen diese mit den Giftzähnen in Verbindung. Bei den Krustenechsen sind Giftdrüsen im Unterkiefer schon lange bekannt, erst in jüngerer Zeit weiß man auch von der Giftigkeit des Komodowarans und es wird angenommen, dass alle Angehörigen der Toxicofera Giftdrüsengewebe besitzen. Bei Fischen wie den Stechrochen oder den Feuerfischen stehen Giftdrüsen häufig mit Flossen- oder Kiemenstacheln in Verbindung. Einige Amphibien, wie etwa die Pfeilgiftfrösche, produzieren ihre Gifte in umgewandelten Hautdrüsen. Innerhalb der Säugetiere finden sich Giftdrüsen nur im Hinterleib des männlichen Schnabeltiers, welches das Gift mit Hinterbeinspornen injizieren kann sowie bei manchen Plumploris, Spitzmäusen und Schlitzrüsslern.

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