Die Krebspest

Krebspest (Théo Duperray)

Krebspest (Théo Duperray)

Die Krebspest (Aphanomyces astaci) ist eine Pilzart innerhalb der Ordnung der Eipilze.[1][2] Aphanomyces astaci befällt Flusskrebse und wird als eine der besonders invasiven Arten betrachtet (auf der Liste der 100 of the World’s Worst Invasive Alien Species). Aphanomyces astaci greift Wirbeltiere nicht an und ist nicht humanpathogen.
Gleichzeitig wird mit Krebspest die in der Regel tödlich verlaufende Pilz-Krankheit der Krebse bezeichnet. Der Erreger wurde durch das Einbringen amerikanischer Flusskrebsarten in Europa eingeschleppt. Der invasive Pilz ist dabei, die einheimischen Krebse, insbesondere den Edelkrebs, in ihrem angestammten Lebensraum weitgehend auszurotten, da sich die Pilzerkrankung, die vom Menschen durch die Einbürgerung der viel resistenteren Vertreter, insbesondere der Cambaridae-Gruppe, als gebietsfremde Arten (Neozoon) verschleppt wurde, bei Flusskrebsarten nicht-amerikanischen Ursprungs leicht ausbreiten kann. Die Krebspest stellt als Tierseuche ein generelles Gefährdungspotenzial für die Krebse vor allem außerhalb von Amerika dar, sowohl bei der Aquarienhaltung als auch in öffentlichen Gewässern.

Zeitliche Abfolge des Auftretens der Krebspest in Europa
~ 1860: erstes Auftreten in Europa im Bereich des Flusses Po in Italien
1875 Frankreich
1880 Mitteleuropa (z. B. Österreich: 1879)
1890 Russland
1893 Finnland
1900 Bulgarien
1907 Schweden
1978 Spanien
1981 Britische Inseln
1982 Griechenland
1985 Türkei
1987 Norwegen

Krankheitsbeschreibung
Infektion
Die Infektion erfolgt über Zoosporen des Fadenpilzes, die sich mit Hilfe zweier Geißeln vom Überträger zum Wirt bewegen können. Nachdem die Zoospore ein Krebstier erreichte, wirft sie die beiden Geißeln ab und bildet auf der Oberfläche des Wirtes eine Zyste. Dies ist eine Zwischenstation, um von dort aus die Barriere des Exoskeletts zu überwinden und in den Körper des Wirtes einzudringen. Darin ist weniger die Matrix aus Chitin und Calciumcarbonat hemmend als vielmehr die nicht-chitinigen Proteolipide (Komplexe aus Proteinen und Lipiden) der Epicuticula, die eine hydrophobe Umhüllung darstellt. Falls das Eindringen missglückt, beträgt die Lebenserwartung einer Zoospore ohne Nahrungsaufnahme aus dem Wirt etwa fünf Tage und der Vorgang des Geißelabwurfes ist durch Neubildung bis zu dreimal möglich. Das Eindringen gelingt leichter an vorgeschädigten Bereichen (Mikrorisse).
Unterschiedliche Empfänglichkeit verschiedener Krebse
Westamerikanische Krebse sind insgesamt resistenter gegen die Krankheitserscheinungen der Krebspest.
An westamerikanischen Krebsen ist ein Eindringen durch die Cuticula ihres Exoskeletts sehr selten erfolgreich, selbst bei einer Konzentration von 1000 virulenten Sporen pro Milliliter im Wasser. Nach Vorschädigung ihrer Epicuticula wurden westamerikanische Krebse jedoch genauso häufig wie europäische Flusskrebse Opfer der Krebspest.
Beim Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus), ein nordamerikanischer Flusskrebs der Familie Astacidae, der als Neozoon auch in Europa vorkommt, scheint eine große Zahl zirkulierender Blutkörperchen ebenfalls gegen infektiöse Pilze schützen zu können.
Auch körpereigene Enzyme können eine Ausbreitung der Erkrankung bei amerikanischen Krebsen verhindern.
Mindestens drei der invasiven nordamerikanischen Arten können die Krebspest als benignen Parasiten beherbergen: Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus Dana), Kamberkrebs (Orconectes limosus Raff) und Roter Amerikanischer Sumpfkrebs (Procambarus clarkii Girard).
Häufig lethal befallen werden neben dem Edelkrebs (Astacus astacus) in Mitteleuropa auch der Steinkrebs (Austropotamobius torrentium), der Dohlenkrebs (Austropotamobius pallipes), aber auch schon früher eingesetzte Arten wie der Galizierkrebs (Astacus leptodactylus). Neben den europäischen Arten konnte die Infektiösität auch für australische und ostasiatische Flusskrebse nachgewiesen werden.
Übertragung
Die Verbreitung der Krebspest findet nach Verlassen eines (verendeten) Wirtes im Gewässer durch Anhaftungen der selbstbeweglichen Zoosporen statt. Eine Übertragung zwischen Gewässern bedarf Vektoren.
In Europa gelten nordamerikanische Krebse als Hauptreservoir. Mit der Häutung oder dem Tod eines befallenen Krebses gelangt der Pilz in das Wasser und beginnt mit der Produktion der Sporen. Beispielsweise war der Rote Amerikanische Sumpfkrebs als Vektor in Louisiana beschrieben worden, der Aphanomyces astaci Schikora in seiner Cuticula als benignen Parasiten tragen kann und ihn nach seinem Tod im Wasser freisetzt.[7] Mindestens drei der invasiven Arten können die Krenbspest als benignen Parasiten beherbergen und weiter verbreiten. Als Vektoren können Krebse aus infizierten Aquarien in saubere Aquarien und Aussetzen infizierter Krebse in Gewässer fungieren.
Auch Plankton- bzw. Bachflohkrebse müssen als Überträger gelten, zumal Aphanomyces irregularis an allen der untersuchten Kleinkrebsarten gefunden werden konnte. Aphanomyces astaci wurde an der Wasserassel (Asellus aquaticus), am Bachflohkrebs (Gammarus fossarum) und Pallasiola quadrispinosa anhaftend bestimmt, es fehlte allerdings an Gewöhnlichem Flohkrebs (Gammarus pulex) und Gammarus lacustris.
Als passive Überträger anhaftender Zoosporen kommen in Frage:
Gehäuse von Weichtieren und Gefieder von Wasservögeln
Fische, Amphibien und Insekten
Angler und Sportler sowie deren Gerätschaften
Boote, Treibgut und sonstiges
Symptome, Krankheitsverlauf
Nach Infizierung eines nicht-amerikanischen Flusskrebses setzt der Fluchtreflex aus. Verstärkt kratzt er sich mit den Schreitbeinen an Augen, Abdomenunterseite und den Gliedmaßen. Er zeigt verstärkte Tagaktivität und zunehmende Lähmungserscheinung. Die Gliedmaße fallen ab, der Krebs kippt seitlich um und verendet im weiteren Verlauf. Das Verenden der infizierten Krebse ist mit Ausbrechen der Eipilze als weißer Belag an Augen und Scherengelenken absehbar.
Die Krebspest ist nach Ausbruch der Krankheitssymptome in der Regel unheilbar und endet mit dem Tod der erkrankten Krebse.
Die Ausprägung der Krankheit ist abhängig von verschiedenen Kriterien:
Wassertemperatur
Bestandsdichte und -zusammensetzung
Pflanzenbewuchs
Wasserbewegung
Gewässerchemie
Behandlung
Eine Therapie infizierter Krebse ist unbekannt.
Natürliche oder künstliche Gewässer oder Aquarien müssen sinnvollerweise vor Wiederbesetzung sterilisiert werden oder es muss eine Karenzzeit eingehalten werden, die insbesondere abhängig ist von Gewässergröße und Dichte der Wirtspopulation. Bei einem Verbleib lebender Wirte wird eine Wiederbesetzung mit europäischen Krebsarten in der Regel enttäuschend.
Nachweis der Krankheit
Tote Krebse in einem sonst intakten Gewässer sind ein erster Hinweis auf eine mögliche Infizierung mit Krebspest. Für den Nachweis werden heutzutage verschiedenste PCR-Techniken verwendet. Ein zusätzlicher Kulturversuch wird in der Regel auch versucht, gelingt aber nicht immer. Die Isolierung von A. astaci aus den amerikanischen Krebsarten ist dabei besonders schwierig. Ein kulturell positives Ergebnis sollte zusätzlich noch durch genetische Identifizierung des Isolates bestätigt werden. Für Krankheiten der Crustacea gibt es ein EU Referenzlabor (European Community Reference Laboratory for Crustacean Diseases). In einigen europäischen Ländern gibt es Nationale Referenzlaboratorien, die im Falle von Flusskrebssterben die Untersuchungen der Proben durchführen sollten.

Weitere Informationen zur Krebspest gibt es hier.

Der Erreger der Krebspest ist weder ein Tier, noch ist die Krankheit eine Zoonose. Ich halte keine Krebse, habe also auch im Rahmen eines eventuellen ABENTEUER AQUARIUM keine Berührung mit der Krankheit.
Ich habe mir diesen Beitrag trotzdem erlaubt, da ich des Öfteren im Rahmen meiner Aquarienlektüre (über Flusskrebse) auf diese Krankheit gestoßen bin und ich die Auswirkungen invasiver Arten interessant finde.

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