Fabelwesen in der Systema Naturæ

Die „Hamburger Hydra“ in Albert Sebas Thesaurus von 1734 (Band 1, Tafel 102), die von Linné als Fälschung erkannt wurde

Die „Hamburger Hydra“ in Albert Sebas Thesaurus von 1734 (Band 1, Tafel 102), die von Linné als Fälschung erkannt wurde

Bis einschließlich der fünften Auflage von Systema Naturæ enthielt Carl von Linnés Darstellung des Tierreiches einen „Paradoxa“ („Paradoxien“) betitelten Abschnitt, in dem er Fabelwesen, wie sie beispielsweise in mittelalterlichen Bestiarien dargestellt wurden, aufführte. Er verwies sie aufgrund ihres mythischen Charakters in den Bereich des Aberglaubens und war bemüht, eine natürliche Erklärung zu geben. So gelang es Linné während seines kurzen Aufenthaltes in Hamburg, die sogenannte „Hamburger Hydra“ als Fälschung zu entlarven. In der ersten Auflage führte er zehn Fabelwesen auf: die Hydra, den Froschfisch (ein Frosch, der sich in einen Fisch verwandelt), das Einhorn (das er als Berichte über den Narwal deutete), den Pelikan (der sein Blut auf seine Nachkommen überträgt), den Satyr, das Skythische Lamm, den Phönix, den Bernikel-Baum (ein Baum, der weiße Muscheln trägt, aus denen Gänse schlüpfen), den Drachen und die Totenuhr. In der zweiten Auflage ergänzte er diese Liste um den Mantikor, die Antilope, die Lamia und die Sirene.

Gescheckter Nagekäfer (Ottův slovník naučný, vol. 6, p. 658)

Gescheckter Nagekäfer (Ottův slovník naučný, vol. 6, p. 658)

Die Totenuhr ist im Volksglauben ein Zeichen des nahenden Todes, der sich durch das Ticken seiner Uhr ankündigt. Dieses ist als Klopfen aus der Wand zu hören.
Der Name Totenuhr entstand aus dem Glauben, dass es sich bei dem Klopfen um die Geräusche der Uhr des vorbeikommenden Todes handelt. Derjenige, der die Totenuhr hört oder ein anderer Bewohner des Hauses waren entsprechend dem Tod geweiht. Alternativ entstand auch der Begriff des Totenhammers, der das Klopfen auf das Werk von Hausgeistern zurückführt.
Warum die Totenuhr als Fabelwesen betrachtet wird ist mir ein Rätsel, denn die eigentlichen Ursachen für die Klopfgeräusche sind real existierende Tiere:
Die Totenuhr (Trogium pulsatorium) ist ein Vertreter der Staubläuse. Dieses kleine Insekt erzeugt ein Klopfen durch das Aufschlagen des Hinterleibes auf den Boden.
Der Gescheckte Nagekäfer ist ein Vertreter der Klopfkäfer. Die männlichen Käfer trommeln mit dem Kopf auf das Holz, um Geschlechtspartner anzulocken.
Manchmal wird auch der Gemeine Nagekäfer als Totenuhr bezeichnet. Allerdings erzeugt dieser keine Klopfgeräusche.

Darstellung aus dem Buch The Vegetable Lamb of Tartary

Darstellung aus dem Buch The Vegetable Lamb of Tartary

Das Skythische Lamm (auch Pflanzliches Lamm oder Baumlamm genannt) ist ein mythologisches Fabelwesen, das sowohl tierische als auch pflanzliche Eigenschaften besitzt.
Das Skythische Lamm wächst/lebt im Land der Skythen und Tataren.
Der Baumstamm, an dem das Lamm angewachsen ist, ist sehr biegsam, damit das Lamm hin und her pendeln kann, um an die umliegenden Gräser zu kommen. Ist die Umgebung um den Baumstamm kahl gefressen, muss das Lamm verhungern. Neben dem Hungertod hat das Skythische Lamm wegen seines zarten Fleisches den Wolf zum natürlichen Feind. Auch hat es den Menschen zu fürchten, da dieser sein prachtvolles goldenes Fell sowie sein magisches Blut (Paleae Cibotii) begehrt.
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Es gibt eine Pflanze, die an das Baumlamm erinnert: Der Baumfarn Cibotium barometz (Vegetabilisches Lamm) aus der Familie der Cyatheaceen auf den Sundainseln, in Südchina und Indien, besitzt einen niederliegenden Stamm, der mit goldbraunen Haaren dicht besetzt ist. Im Mittelalter wurden über Stammstücke dieses Farns, welche zufällig die Gestalt eines vierbeinigen Tiers hatten und Skythisches Lamm (Agnus scythicus) genannt wurden, allerlei Fabeln erzählt.
Die Haare ähnlicher südasiatischer Cyatheaceen finden als Paku Kidang bisweilen offizielle Verwendung.

Das Wort „Antilope“ (über lat. antalopus von gr. ἀνθόλοψ ) wird erst seit der frühen Neuzeit in seinem heutigen Sinne gebraucht, in antiken und mittelalterlichen Bestiarien bezeichnete es ein wildes Fabelwesen, das an den Ufern des Euphrat lebt. Es sei so flink, dass kein Jäger es stellen kann, seine Hörner seien scharf wie Sägen und das Tier in der Lage, damit Bäume zu fällen. Jedoch verfängt es sich manchmal mit den Hörnern im Gestrüpp, nur dann kann es erlegt werden.
Diese fabelhafte Antilope fand im Mittelalter in die Heraldik Eingang. Als Wappentier zierte sie etwa das Siegel der englischen Könige Heinrich IV., V. und VI.

Die Lamien (griechisch λάμιες) sollen nach einem Ungeheuer der griechischen Mythologie namens Lamia benannt worden sein. Sie sind im griechischen Volksglauben (bis heute) selbst auch dämonische, vampirähnliche Bestien. Weitere Namen für sie sind Empusen, Mormolycien oder Striges. In die moderne Vampirliteratur ist das Lamien-Thema ebenfalls eingegangen.
Sie sollen ständig begierig nach jungem menschlichen Blut sein. Bevorzugt sind dabei zumeist hübsche junge Männer, welche sie mit ihrer betörenden Schönheit blenden. Genauso können es aber auch hübsche junge Männer sein, die zu den unsterblichen Lamien gehören.
Inwiefern die Figur der Lamien zur Entstehung des neuzeitlichen Vampirglaubens in Griechenland beigetragen hat, ist umstritten, da es sich bei ihnen um Dämonen, also nichtmenschliche Wesen handelte, während der Wrukolakas, der Vampir, ein Mensch war und in seinem Grab in einem Zwischendasein zwischen Leben und Tod verharrt.
Etymologisch soll das Wort Lamie vom griechischen Wort λαιμός (lämós) für Rachen, Kehle abstammen. Es wird aber auch eine Herkunft aus dem Arabischen lahama für zerfleischen, zerreißen vermutet.

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