Neues aus Wissenschaft und Naturschutz

18.12.2017, Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)
DBU: Ihr Vögelein, kommet: Weihnachtsbaumkulturen für gefährdete Arten wertvoll
Weihnachtsbaumkulturen in einer intensiv genutzten Landschaft haben einen hohen Wert als Lebensraum für gefährdete Brutvogelarten. Im Vergleich zu konkurrierenden Landnutzungstypen weisen Weihnachtsbaumkulturen sogar mit Windwurfflächen die größte Vielfalt und die höchsten Dichten gefährdeter Brutvogelarten auf. – Das ist das Ergebnis einer umfassenden Analyse, die die Abteilung für Biodiversität und Landschaftsökologie der Universität Osnabrück mit der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen im mit 18.000 Hektar wichtigsten Produktionsgebiet von Weihnachtsbäumen in Europa, dem Sauerland, erstmals erstellt hat. Danach konnten in den Kulturen für die Rote-Liste-Arten Baumpieper, Bluthänfling, Fitis, Goldammer und Heidelerche hohe Dichten nachgewiesen werden. Dem Vorkommen der Heidelerche wurde sogar eine landesweite Bedeutung beigemessen. Fachlich und finanziell mit rund 198.000 Euro wurde die Untersuchung von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert.
Milchquotenregelung „Geburtshelfer“ für systematischen Anbau
Die Einführung der Milchquoten in den 80er-Jahren in der damaligen Europäischen Gemeinschaft war „Geburtshelfer“ für den systematischen Anbau von Weihnachtsbäumen, erinnert Prof. Dr. Thomas Fartmann von der Universität Osnabrück. Weil Grünland nicht mehr als Weideland benötigt worden sei, sei es für das Anlegen von Weihnachtsbaumkulturen (WBK) umgewandelt worden, die allerdings Intensivkulturen seien: mit dem Einsatz von Dünger, Herbiziden (gegen Wildkräuter), Fungiziden (gegen Pilze) und teilweise Insektiziden (gegen Insekten). Herbizide würden in aller Regel bei der Flächenvorbereitung und mindestens in den ersten drei bis vier Standjahren ausgebracht. Obwohl die Anbaufläche für WBK ständig wächst, seien ökologische Untersuchungen zu dieser Nutzungsform sehr selten, zur biologischen Vielfalt auf solchen Flächen kaum etwas bekannt, so Fartmann.
Sauerland: Ruhrgebiet-Nähe und günstige Umweltbedingungen
Die Entwicklung des Sauerlandes zum bedeutendsten Produktionsgebiet von Weihnachtsbäumen in Europa hätten zwei Faktoren begünstigt: die räumliche Nähe zum Absatzmarkt Ruhrgebiet und die günstigen Umweltbedingungen für die Produktion von Weihnachtsbäumen. Die durchweg relativ nährstoffarmen Böden, das kühle Mittelgebirgsklima und eine kurze Vegetationsperiode verhinderten ein zu starkes Höhenwachstum und begünstigten den von den Käufern gewünschten stufigen Aufbau der Bäume.
Naturschutzfachliche Relevanz des Vorhabens ausgesprochen hoch
Für die vorherrschenden Landnutzungstypen im Sauerland seien jeweils sechs Untersuchungsflächen ausgewählt, Bodenproben entnommen und Vögel, Laufkäfer und Spinnen als Indikatorgruppen erfasst worden. Darüber hinaus seien floristisch-vegetationsökologische Untersuchungen durchgeführt, die Biotoptypen und die Landschaftsstruktur vergleichend untersucht worden. DBU-Referent Dr. Reinhard Stock: „Die Aktualität und die naturschutzfachliche Relevanz des Vorhabens sind ebenso wie die Praxis- und Anwendungsrelevanz ausgesprochen hoch. Die Ergebnisse und Empfehlungen werden zusammen mit den Kooperationspartnern, den Weihnachtsbaumproduzenten und Fachbehörden zielgruppenspezifisch kommuniziert.“

18.12.2017, Forschungsverbund Berlin e.V.
Das Erfolgsgeheimnis der Berliner Wildschweine: Ein Leben ohne Angst
Wildschweine sind bekannt für ihr ausgezeichnetes Lernverhalten und ihre hohe Flexibilität – zu Recht, denn die urbanen Vierbeiner nehmen die Stadt ganz anders wahr als ihre Artgenossen vom Land. Während das Stadtschwein mitten in menschlichen Siedlungen lebt und menschliche Nähe bis auf wenige Meter toleriert, vermeiden die Landschweine sowohl den Menschen selbst als auch menschlich geprägte Landschaftsstrukturen. Das ist das Ergebnis einer Studie des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Kooperation mit Berliner und Brandenburger Forsten. Die Ergebnisse sind jetzt in der wissenschaftlichen Zeitschrift „Frontiers in Ecology and Evolution“ veröffentlicht.
Immer mehr Wildtiere leben in Städten. Berlin gilt als die „Hauptstadt der Wildschweine“. Dort leben Wildschweine nicht nur in den riesigen Stadtwäldern, die 20 Prozent der Fläche Berlins bedecken. Sie werden auch regelmäßig in innerstädtischen Parks oder Wohnsiedlungen gesichtet.
Bisher war nicht klar, wie es den Wildschweinen gelingt, sich in der Stadt fortzubewegen und welche Strukturen sie als Lebensraum nutzen. Die WissenschafterInnen fragten sich auch, wie es die Wildscheine schaffen, zwischen Nahrungsaufnahme und dem Vermeiden von Störungen abzuwägen. Ist eine erhöhte Toleranz gegenüber menschlichen Störungen hilfreich? Diese Fragen testete das Leibniz-IZW mit einer Studie zur urbanen Wildtierökologie. Zwischen 2013 und 2015 untersuchten die ForscherInnen gemeinsam mit Förstern aus Berlin und Brandenburg das Verhalten von Stadt- und Landwildschweinen.
Für die Erforschung der Lebensraumnutzung wurden 13 Wildschweine mit GPS-Halsbändern ausgestattet. Die Tiere trugen diese Halsbänder über mehrere Monate. Alle 30 Minuten zeichneten sie die Aufenthaltsorte der Wildschweine auf. „Überraschenderweise haben die urbanen Wildschweine oft in unmittelbarer Nähe zu Straßen, stark besuchten Badestellen oder in Gärten mitten in Siedlungsgebieten ihre Verstecke gehabt und sind nachts um die Häuser gezogen“, berichtet die Leibniz-IZW-Wissenschaftlerin Milena Stillfried, die die Studie im Rahmen ihrer Doktorarbeit durchführte. Ihre Studienergebnisse zeigen, dass das Störungspotenzial durch den Menschen und städtische Strukturen von urbanen Wildschweinen ganz anders wahrgenommen und toleriert wird als von Landschweinen. Während Stadtschweine den Menschen beispielsweise bis auf 30 Meter oder oft noch viel näher an sich heranlassen, fliehen die meisten Landschweine schon ab einer Distanz von 90 Metern oder werden oft gar nicht erst gesichtet, da sie sehr scheu sind. Das liegt daran, dass Stadtschweine gelernt haben, dass von Menschen und von städtischen Strukturen wie Straßen und Häusern üblicherweise keine Gefahr ausgeht.
Durch Momentaufnahmen und Einzelbeobachtungen ist bereits bekannt, dass Wildschweine die Stadt als Lebensraum nutzen. Die jetzt gewonnenen Ortungsdaten liefern ein umfassendes Bild über natürliches und ungestörtes Verhalten der Wildschweine über mehrere Monate hinweg. „So ist es auch möglich, Vorhersagekarten zu erstellen, die mögliche „Wildschwein-Hotspots“ zeigen und für Behörden von großem Interesse sein können“, so die Leibniz-IZW-Initiatorinnen des neuen Forschungsschwerpunktes „Urbane Wildtierökologie“ Stephanie Kramer-Schadt und Sylvia Ortmann, die diese Initiative 2012 ins Leben riefen. Die Erforschung der Stadtökologie ist besonders spannend, da in Städten neue Verhaltensweisen beobachtet werden. So beschreibt das Konzept der „Landscape of fear“ (= Landschaft der Gefahr), dass Wildtiere in der Regel ein gutes Verständnis darüber erwerben, welche Flächen innerhalb ihres Lebensraums ein erhöhtes Risiko für eine Störung haben. Aus der Perspektive vieler Wildtiere geht vom Menschen eine größere Gefahr, also Störung, aus als von natürlichen Prädatoren.
Die Vorhersagekarten, die für urbane und rurale Wildschweine getrennt erstellt wurden, zeigen, dass aus der Perspektive der Stadtschweine eine größere Fläche innerhalb Berlins als geeigneter Lebensraum fungieren kann als für ihre ländlichen Artgenossen. Die Ergebnisse zeigen darüber hinaus die enorme Flexibilität und Anpassungsfähigkeit von Wildschweinen. Besonders bemerkenswert ist, dass innerhalb der gleichen Art benachbarte Populationen den gleichen potenziellen Lebensraum auf völlig unterschiedliche Art und Weise wahrnehmen und nutzen können.
Um Konflikte zwischen Menschen und Wildschweinen langfristig zu vermeiden, sollte sich die städtische Bevölkerung an gewisse Regeln halten. Wildschweine in urbanen Gebieten sind bekannt für die Schäden an privaten und öffentlichen Grünanlagen, die sie bei der Nahrungssuche verursachen. Viele BürgerInnen haben Angst vor den eigentlich friedlichen Wildschweinen. Die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Lebensraumnutzung der Wildschweine in Berlin und Brandenburg tragen zum Verständnis von Prozessen ihrer „Verstädterung“ bei. Für Behörden ist die aktuelle Studie eine wichtige Datengrundlage für einen verbesserten Umgang mit Mensch und Wildtier.
Die Studie wurde von der Stiftung Naturschutz Berlin und National Geographic finanziell unterstützt.
Publikation:
Stillfried M, Gras P, Boerner K, Göritz F, Painer J, Roellig K, Wenzler M, Hofer H, Ortmann S, Kramer-Schadt S (2017): Secrets of success in a landscape of fear: Urban wild boar adjust risk perception and tolerate disturbance, Frontiers in Ecology and Evolution. doi.org/10.3389/fevo.2017.00157

19.12.2017, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Würmer machen beliebt
Stichlinge mit Würmern sind bei ihren Artgenossen beliebter. Das zeigt eine Studie an der Universität Bonn. Fische, die mit den Larven eines parasitären Wurms infiziert waren, wurden demnach häufiger als Schwarm-Partner gewählt als gesunde Tiere. Die Biologen haben auch eine Hypothese, die ihren unerwarteten Befund erklären könnte. Die Arbeit ist nun im Biological Journal of the Linnean Society erschienen.
Bei Tieren ist es wie bei Menschen – Gesunde gehen Kranken eher aus dem Weg. In der Stichlings-Studie war aber das genaue Gegenteil der Fall. „Dieser Befund hat uns selbst überrascht“, erklärt Anna Rahn, die die Experimente am Institut für Evolutionsbiologie und Zooökologie der Universität Bonn geleitet hat.
Rahn hatte Stichlinge mit dem Parasiten Diplostomum infiziert, einem Wurm, der die Augenlinse von Fischen befällt. Dann hatte sie gesunde Tiere zwischen zwei Schwärmen wählen lassen – einem aus gesunden Fischen und einem, in dem die Hälfte der Tiere befallen war. Die Testfische entschieden sich signifikant häufiger für den kranken Schwarm.
Allerdings bestand für die Fische keine Ansteckungsgefahr: Diplostomum kann nicht direkt von einem kranken auf ein gesundes Tier übergehen. Dennoch ist dieses Ergebnis bemerkenswert.
Kranke Fische bedeutet schwächere Konkurrenz
Wenn sich Fische zu einem Schwarm zusammen finden, profitiert jeder von ihnen davon in mehrfacher Hinsicht: Da er nun nur einer unter vielen ist, sinkt sein individuelles Risiko, gefressen zu werden. Nach dem Motto „viele Augen sehen mehr als zwei“ wird er zudem früher vor drohenden Gefahren gewarnt. Aus demselben Grund bieten Schwärme Vorteile bei der Nahrungssuche – eine lohnende Mahlzeit entgeht ihnen nicht so leicht.
Zu diesen Vorteilen gesellen sich jedoch auch Nachteile: Um jede knappe Ressource, ob um Nahrung oder um Geschlechtspartner, buhlen zahlreiche Konkurrenten. Das ist möglicherweise auch der Grund, warum wurmbefallene Stichlinge bei ihren Artgenossen so beliebt sind: „Parasitenbefall geht meist zu Lasten der körperlichen Leistungsfähigkeit“, betont Rahn. „Infizierte Fische können sich daher eventuell im Kampf um Ressourcen seltener durchsetzen. Entsprechend mehr bliebe dann für die gesunden Schwarm-Partner.“
Ob diese Hypothese zutrifft, lässt sich anhand der Experimente allerdings nicht belegen. Testtiere mit Würmern zeigten darin zum Beispiel keine Gewichtseinbußen, obwohl sie etwa bei der Nahrungssuche aufgrund des getrübten Augenlichts eigentlich schlechtere Karten hatten.
Dass sich die Sehschwäche nicht spürbar auswirkte, kann aber auch an dem Nahrungsangebot gelegen haben: Die Biologen fütterten ihre Tiere mit roten Mückenlarven. Und die sind selbst für Fische mit schlechten Augen gut zu erkennen.
Publikation: Anna Rahn, Simon Vitt, Lisa Drolshagen, Jörn Scharsack, Ingolf Rick und Theo Bakker: Parasitic infection of the eye lens affects shoaling preferences in three-spined stickleback; Biological Journal of the Linnean Society; DOI: 10.1093/biolinnean/blx155

20.12.2017, Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
100 Beine, 1000 Funktionen – Diversität und Variabilität der Hundertfüßerbeine
Die Beine der Hundertfüßer (Chilopoda) dienen mit wenigen Ausnahmen sämtlich der Fortbewegung. Das letzte Beinpaar jedoch entwickelte im Laufe der Evolution bei den mehr als 3.000 verschiedenen Spezies eine ganze Reihe unterschiedlichster Funktionen. Das ist das Ergebnis einer wissenschaftlichen Analyse von Wissenschaftlern der Universität Greifswald, die jetzt im wissenschaftlichen Onlinejournal PeerJ (Open Access) veröffentlicht wurde.
Die drei Wissenschaftler des Zoologischen Instituts und Museums der Universität Greifswald haben Beschreibungen, Illustrationen, Ideen und Beobachtungen aus über 160 Jahren Forschung zur Tiergruppe der Hundertfüßer zusammengefasst und diese Daten zur Vielgestaltigkeit der sogenannten Terminalbeine der Hundertfüßer in einem Review dargestellt und neu interpretiert.
Hundertfüßer sind zwischen wenigen Millimetern bis zu 30 cm groß und besitzen neben den typischen Giftklauen 15 bis fast 200 recht ähnlich gestaltete Laufbeinpaare. Ganz unabhängig von der Beinanzahl unterscheidet sich jedoch stets das letzte Beinpaar deutlich von den übrigen Laufbeinen in seiner Gestalt als auch der Funktion.
Für die Erforschung dieser Diversität wurden klassische wie digitale Literaturarchive, wissenschaftliche Sammlungen und Archive für Foto- und Videoaufnahmen durchforstet.
Terminalbeine sind ein Musterbeispiel evolutionärer Transformationen innerhalb einer relativ kleinen Tiergruppe. Sie sind oft die längsten Beine und werden selten oder nie zur Fortbewegung genutzt. In vielen Spezies sind sie deutlich verlängert und zusätzlich untergliedert. In der Gestalt als auch der ihnen zugeschrieben Funktion gleichen sie einer Antenne am Hinterende des Tieres. Bei anderen Vertretern dienen sie der Verteidigung; sie sind beispielsweise als Dornen oder Drüsen für Wehrsekrete ausgeprägt oder können Geräusche produzieren. Aber auch eine aktive Rolle im Beutefang wird ihnen zugesprochen. Darüber hinaus können diese Beine zwischen den Geschlechtern einer Spezies unterschiedlich ausgeprägt sein. Zusammen mit den wenigen detaillierten verhaltensbiologischen Beschreibungen deutet dies auf eine zentrale, aber bislang unbekannte Rolle in der innerartlichen Kommunikation und dem Balzverhalten hin.
Was diese morphologische und verhaltensbiologische Vielfalt darüber hinaus derart bemerkenswert macht, ist das enge Verwandtschaftsgefüge in dem diese auftritt. In einem evolutionsphilosophischen Rahmen beleuchtet dieser Fall den komplexen Themenkreis von Form versus Funktion in der Entwicklungsgeschichte.

20.12.2017, Forschungsverbund Berlin e.V.
Geparde sind stark gefährdet – die Warnstufe auf der Roten Liste muss aktualisiert werden
Eine Neubewertung der Gepardenpopulationen im südlichen Afrika enthüllt die kritische Lage dieser Großkatze. Internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zeigen, dass die derzeitige Populationsschätzung von Geparden im südlichen Afrika veraltet ist. Nach aktueller Datenlage musste der Bestand drastisch nach unten korrigiert werden. Die Expertengruppe empfiehlt den Schutzstatus des Geparden auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) sofort auf „stark gefährdet“ hochzusetzen. Die Studie ist in der wissenschaftlichen Zeitschrift „PeerJ“ veröffentlicht.
Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) kartierte mehr als zwei Millionen Positionen von mit Radiosendern versehenen Geparden und wertete weitere 20.000 Sichtmeldungen aus der Wissenschaftsgemeinschaft und der Öffentlichkeit aus.
„Das Ergebnis der Studie zeigt, dass auf einer Fläche von knapp 800.000 Quadratkilometern nur 3.577 ausgewachsene Geparden leben. Das Gebiet ist mehr als doppelt so groß wie Deutschland und umfasst Namibia, Botswana, Südafrika und Zimbabwe. Der überwiegende Teil der Gesamtpopulation (55 Prozent) verteilt sich nur auf zwei Lebensräume. Diese aktuelle Schätzung ist 11 Prozent niedriger als die bestehenden Annahmen der IUCN. Daher muss der Schutzstatus des Geparden schnellstmöglich von ‚gefährdet‘ auf ‚stark gefährdet‘ angehoben werden “, sagt Florian Weise, Initiator der Studie und Forscher an der Community Living Among Wildlife Sustainability Conservancy (CLAWS) in den USA.
„Die Studie umfasst Daten von 2010 bis 2016. Die geringe Gesamtpopulation der Geparde im südlichen Afrika ist sehr besorgniserregend. Die Schutzanstrengungen sind für diese Tierart von größter Bedeutung“, sagt Bettina Wachter, Wissenschaftlerin am Leibniz-IZW.
Das Wissenschaftlerteam entwickelte einen innovativen und kostengünstigen Ansatz, bei dem durch die Beteiligung der (interessierten) Öffentlichkeit (Citizen Science) auch Fotos und Videos von Geparden ausgewertet werden konnten, die von Touristen aufgenommen wurden.
Eine große Herausforderung für den Schutz dieser Art ergibt sich aus ihrem Verbreitungsgebiet. Nur 18 Prozent der Population im südlichen Afrika lebt innerhalb international anerkannter Schutzgebiete. Die überwiegende Mehrheit der Geparde lebt in direkter Nachbarschaft zu Menschen. Da sind Konflikte vorprogrammiert. Fünfzig Prozent der befragten Farmer sehen Geparde als Bedrohung an. Fast 30 Prozent der Farmer gehen aktiv gegen diese Art vor – z. B. durch direkte Tötung oder Fallenstellung.
Das Leibniz-IZW erforscht in einer Langzeitstudie Geparde in Namibia. Dort leben die meisten Geparde auf Flächen, die für Viehzucht und Produktion von Wildbret genutzt werden. „Glücklicherweise ist die Kooperation zwischen Forschern, Landwirten und dem Umwelt- und Tourismusministerium in Namibia exzellent. Hier ist Namibia bei der Lösung eines Mensch-Tierkonfliktes vorbildlich“, erklärte Jörg Melzheimer, Doktorand am Leibniz-IZW.
Das Ergebnis der wissenschaftlichen Studie unterstützt nachdrücklich die Erhöhung des Gefährdungsstatus des Geparden bei der Roten Liste der IUCN von „gefährdet“ auf „stark gefährdet“ – wie auch jüngst von dem „Range Wide Conservation Program for Cheetah and African Wild Dogs“ gefordert. Dieser Schritt würde helfen, das öffentliche Bewusstsein für die prekäre Lage der Geparde zu schärfen und neue Möglichkeiten für den Schutz dieser seltenen Tierart eröffnen.
Die Studie wurde unter anderen von der National Geographic Society’s Big Cat Initative, USA, und der Messerli-Stiftung, Schweiz, unterstützt.
Publikation
Weise FJ, Vijay V, Jacobson AP, Schoonover RF, Groom RJ, Horgan J, Keeping D, Klein R, Marnewick K, Maude G, Melzheimer J, Mills G, van der Merwe V, van der Meer E, van Vuuren RJ, Wachter B, Pimm SL (2017): The distribution and numbers of cheetah (Acinonyx jubatus) in southern Africa. PeerJ 5:e4096; DOI 10.7717/peerj.4096.
https://peerj.com/articles/4096.pdf

21.12.2017, GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
Tintenfische: Unterschätzte Akteure im Ozean
Kalmare sind Meeresbewohner mit faszinierenden biologischen Eigenschaften. Einige Arten produzieren Licht, andere sind sehr schnelle Schwimmer, sie haben ein außergewöhnliches Sehvermögen und leben überall – von flachen Riffen bis in die Tiefsee. Doch das Wissen über die Lebensweise vieler Arten und ihre Rolle im System Ozean ist noch äußerst lückenhaft. Zwei neue Studien von Forschenden des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel und des Kieler Exzellenzclusters „Ozean der Zukunft“ zeigen die Bedeutung von Tintenfischen als Räuber und Kohlenstofftransporteure.
In vergangenen Jahrhunderten fürchteten Seefahrer sie als Meeresungeheuer, heute ist die Wissenschaft fasziniert von ihrer Intelligenz und ihren körperlichen Fähigkeiten – Kalmare und Kraken haben seit jeher die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich gezogen. Trotzdem weiß man erstaunlich wenig über die meisten Tintenfisch-Arten und ihre Lebensweisen, speziell bei Arten, die im offenen Ozean leben.
Forschende des GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und des Kieler Exzellenzclusters „Ozean der Zukunft“ haben jetzt zwei Studien veröffentlicht, die neue Details zur Rolle von Tintenfischen in verschiedenen Teilen des Systems Ozean zutage gebracht haben. In einem Beitrag in der Fachzeitschrift PLOS ONE untersuchen die Biologinnen und Biologen erstmals detailliert die Nahrungsgewohnheiten des ozeanischen Kalmars Sthenoteuthis pteropus im tropischen Atlantik. Die zweite, in den Proceedings of the Royal Society B erschienene Studie beschäftigt sich mit der Funktion pazifischer Tintenfischer als Transporteure von Kohlenstoff zum Tiefseeboden.
„Beide Studien geben deutliche Hinweise darauf, dass Kalmare in verschiedenen Phasen ihres Lebens wichtige Rollen im ozeanischen Ökosystem einnehmen“, sagt Dr. Henk-Jan Hoving vom GEOMAR, der an beiden Arbeiten beteiligt war.
Um mehr über die Funktion von Sthenotheutis pteropus im Nahrungsnetz des tropischen Atlantiks herauszufinden, hatten die Forschenden während drei Expeditionen mit den deutschen Forschungsschiffen METEOR und MARIA S. MERIAN im Jahr 2015 insgesamt 129 Exemplare dieser Art gefangen. Anschließend haben sie die Inhalte der Mägen untersucht sowie stabile Isotopenverhältnisse im Muskelgewebe und im Gladius, einer Rückgrat-ähnlichen Struktur der Tintenfische, analysiert. Letztere lässt Rückschlüsse auf den Ort und die Gewohnheiten bei der Nahrungsaufnahme zu. „Spezielle Isotopenverhältnisse im Muskelgewebe geben außerdem Aufschluss über die Stellung eines Tiers im Nahrungsnetz“, erklärt die Biologin Veronique Merten vom GEOMAR, Erstautorin der PLOS ONE-Studie.
Im Ergebnis konnte das Team zeigen, dass die Tiere nicht nur ein sehr flexibles Beutespektrum von Schalentieren über Fische bis hin zum Kannibalismus zeigen. Sie unternehmen im Verlauf eines Lebens auch sehr lange Wanderungen. „Die Art ist mit einer geschätzten Biomasse von mehreren Millionen Tonnen vor der Küste Westafrikas sehr häufig, trotzdem war über ihr Leben bisher nur wenig bekannt“, sagt Veronique Merten. Vor dem Hintergrund der neuen Erkenntnisse sollte Sthenotheutis pteropus als wichtiger Räuber im Nahrungsnetz des tropischen Atlantiks berücksichtigt werden.
Die zweite Studie beruht auf 80 Tauchgängen mit dem Unterwasserroboter Doc Ricketts des Monterey Bay Aquarium Research Institutes (MBARI) im Golf von Kalifornien. Während elf dieser Tauchgänge haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erstmals wahre Tintenfischfriedhöfe am Meeresboden entdeckt. „In den abgestorbenen und absinkenden Tintenfischkörpern ist natürlich viel Kohlenstoff enthalten, der so den oberen Wasserschichten entzogen und den Tiefsee-Gemeinschaften zugeführt wird“, erklärt Dr. Hoving, der an den Expeditionen beteiligt war.
Bei Berechnungen zur Effektivität der biologischen Kohlenstoffpumpe wurden früher vor allem abgestorbene Planktonorganismen, organische Partikel und Walkörper betrachtet. In jüngerer Zeit kamen dann auch andere Organismen wie Quallen hinzu, die nach ihrem Tod in die Tiefe sinken. „Tintenfische fehlten bisher in entsprechenden Modellrechnungen, obwohl Populationen vieler Arten eine große Biomasse produzieren. Sie wachsen oft sehr schnell, pflanzen sich fort und sterben unmittelbar danach. Der Meeresboden könnte also in einzelnen Regionen regelmäßig mit großen Mengen toter Kalmare bedeckt sein. Welchen Beitrag das genau zur Versorgung der benthischen Gemeinschaften mit Kohlenstoff beiträgt, muss aber noch weiter untersucht werden.“, so Dr. Hoving.
Die Bedeutung der Tintenfische könnte in Zukunft noch steigen. „In einigen Regionen nimmt die Zahl ihrer Hauptkonkurrenten, zum Beispiel räuberisch lebender Fische, aufgrund der starken Fischerei immer weiter ab. Das hat dazu geführt, dass regional die Bestände opportunistisch lebender und schnell wachsender Tintenfische zugenommen haben. Wir sollten uns also noch intensiver mit den Lebenszyklen und der Biologie der Tintenfischen, vor allem in der Tiefsee, beschäftigen, um ihre Bedeutung für das System Ozean besser einschätzen zu können“, fasst Dr. Hoving zusammen.
Originalarbeiten:
Merten, V., B. Christiansen, J. Javidpour, U. Piatkowski, O. Puebla, R. Gasca, H. J. T. Hoving (2017): Diet and stable isotope analyses reveal the feeding ecology of the orangeback squid Sthenoteuthis pteropus (Steenstrup 1855) (Mollusca, Ommastrephidae) in the eastern tropical Atlantic. PLOS ONE, https://doi.org/10.1371/journal.pone.0189691
Hoving, H. J. T., S. L. Bush, S. H. D. Haddock and B. H. Robison (2017): Bathyal feasting: post-spawning squid as a source of carbon for deep-sea benthic communities. Proc. R. Soc. B 20172096, https://doi.org/10.1098/rspb.2017.2096

21.12.2017, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau
Illegale Jagd auf Elefanten in Ostafrika
Internationales Forscherteam hat Muster von Wilderei in Tansania aufgedeckt
Eine internationale Forschergruppe hat Luftaufnahmen eines Naturreservats in Ostafrika analysiert und dabei Muster der illegalen Jagd auf Elefanten aufgedeckt. Die Analyse zeigt, dass sich auf dem Höhepunkt der Wilderei-Krise in Tansania von 2013 bis 2015 eine Häufung von Elefantenkadavern in der Nähe von drei Rangerstationen befand. Das lege an manchen Orten in der Region Ruaha-Rungwa eine Verbindung zwischen den Wilderern und Parkaufsehern nahe. „Es gibt schon seit längerer Zeit die Vermutung, dass sich manche Wilderer mit manchen Rangern abgesprochen haben könnten. Unsere Studie untermauert diese Bedenken und bringt sie mit der extrem aktiven Wilderei zu der Zeit in Zusammenhang“, sagt Severin Hauenstein von der Abteilung für Biometrie und Umweltsystemanalyse der Universität Freiburg. Die Studienergebnisse haben Hauenstein und seine Kollegen von der University of York/England und dem Tansania Wildlife Research Institute (TAWIRI) in der Fachzeitschrift „Biological Conservation“ veröffentlicht.
Tansania hatte 2009 die drittgrößte Anzahl von Elefanten in Afrika; in Ruaha-Rungwa lebten zu dem Zeitpunkt zehn Prozent aller Elefanten weltweit. Die Elefantenwilderei – von der Nachfrage für Elfenbeinprodukte getrieben – hat in jüngster Zeit zu einem drastischen Rückgang der Tiere geführt. Zwischen 2009 und 2013 reduzierte sich die Anzahl der Elefanten in Ruaha-Rungwa von 34.500 auf 20.000; bis zum Jahr 2015 schrumpfte sie weiter auf 15.800 Elefanten. Hauenstein und seine Kollegen werteten Luftbilder aus, die in drei aufeinanderfolgenden Jahren – von 2013 bis 2015 – lebendige sowie tote Elefanten im gesamten Gebiet erfasst haben.
Die Forscher kombinierten die Daten mit unterschiedlichen Umweltfaktoren, zum Beispiel mit der Verfügbarkeit von Nahrung und Wasser während der Trocken- und der Regenzeit, prüften die räumliche Zugänglichkeit des Naturschutzgebiets für potenzielle Wilderer und vermaßen die Distanz zum nächst gelegenen Rangerposten. Die Daten zeigen, dass sich eine Häufung von Elefantenkadavern in der Nähe von drei der insgesamt 13 entlegenen Außenstationen befand. Neben der infrastrukturell gut vernetzten und sichtbaren Parkzentrale hingegen seien deutlich weniger Überreste gefunden worden. „Diese Art von Präsenz scheint einen abschreckenden Effekt auf die Wilderer gehabt zu haben“, sagt Hauenstein. „Zudem haben wir beobachtet, dass die Wilderer die Regenzeit bevorzugten, in der die überquellenden Flüsse den Straßenverkehr erschwerten und den Tourismus stark reduzierten.“ Obwohl die Studienergebnisse besorgniserregend seien, dürfe man nicht von einer flächendeckenden Komplizenschaft ausgehen, betont der Forscher: „Es handelt sich hierbei vermutlich um eine Handvoll Menschen, die sich auf geheime Absprachen eingelassen haben. Seit der Wilderei-Krise hat die tansanische Regierung gute Aufklärungsarbeit geleistet.“
Originalveröffentlichung
Colin M. Beale, Severin Hauenstein, Simon Mduma, Howard Frederick, Trevor Jones, Claire Bracebridge, Honori Maliti, Hamza Kija, Edward M. Kohi: “Spatial analysis of aerial survey data reveals correlates of elephant carcasses within a heavily poached ecosystem”. In: Biological Conservation. https://doi.org/10.1016/j.biocon.2017.11.016

21.12.2017, Philipps-Universität Marburg
Was den Rotmilan bewegt
Wie wirkt sich die Landnutzung auf einen heimischen Greifvogel aus? Dieser Frage geht ein neues Forschungsprojekt nach, das Lebensräume und Flugbewegungen der Gabelweihe studiert. Für das mehrjährige Vorhaben erhält die Biologiedoktorandin Theresa Spatz finanzielle Unterstützung durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU).
Sein gegabelter Schwanz ist unverkennbar: Der Rotmilan, den man auch unter dem Namen Gabelweihe kennt, ist ein typischer Greifvogel in offenen, strukturreichen Landschaften. Mehr als die Hälfte des weltweiten Bestandes brütet in Deutschland – Fachleute gehen von bis zu 18.000 Brutpaaren hierzulande aus. „Auch Hessen steht mit mehr als tausend Brutpaaren besonders in der Verantwortung, für den Schutz dieser bedrohten Art zu sorgen“, erklärt der Biologe Sascha Rösner, der an dem Forschungsprojekt in der Arbeitsgruppe Naturschutz von Professorin Dr. Nina Farwig mitarbeitet.
Vogelkundliche Studien belegen seit vielen Jahren, dass die Bestände in vielen Teilpopulationen schwinden: Sowohl die Anzahl der Brutpaare als auch der Bruterfolg sind rückläufig, unter anderem aufgrund veränderter Landnutzung, aber auch durch den Bau von Windrädern.
„Bewegungen bilden für die Vögel die Grundlage, um geeignete Bruthabitate zu erreichen und Nahrung zu finden“, erläutert Arbeitsgruppenleiterin Nina Farwig. Wenn man verstehe, wie sich die Gabelweihe bewegt, könne man besser als bisher einschätzen, wie sich verschiedene Landnutzungsformen und auch der Bau von Windrädern auf den Rotmilan auswirken. „Daraus lassen sich beispielsweise naturschutzfachliche Empfehlungen für geeignete Anlagenstandorte ableiten oder Maßnahmen, die Rotmilane aus dem Gefahrenbereich der Windenergieanlagen fernhalten, evaluieren und weiterentwickeln.“
In dem laufenden Projekt zur Bewegungsökologie der Gabelweihe untersuchen die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, wie sich die Beschaffenheit der Lebensräume – etwa die Wald-, Feld- und Wiesenanteile, aber auch der Abstand zu Windrädern – auf die Territoriengröße, den Bruterfolg und die Bewegungsräume der Tiere auswirken. Hierzu stattete das Team 20 Altvögel aus ganz Hessen mit Satellitensendern im Miniaturformat aus, die über Jahre hinweg Daten sammeln: zum Beispiel Informationen darüber, wo sich die Vögel aufhalten, wie hoch und wie schnell sie fliegen.
Welche lokalen Strukturen nutzt der Rotmilan vorrangig? Ändert sich deren Nutzung durch den Einfluss von Windenergieanlagen? Wie beeinflussen Landnutzungsformen und Landschaftsstrukturen die Bewegungsentscheidungen von Rotmilanen? Solchen und verwandten Fragestellungen geht Projektmitarbeiterin Theresa Spatz nach, deren Promotion von der DBU durch ein Stipendium und zusätzliche Sachmittel gefördert wird. Das Kernteam wird durch die Biologin Dr. Dana Schabo komplettiert. Zudem fertigen derzeit fünf Bachelor- und Masterstudierende ihre Qualifikationsschriften mit den erhobenen Daten an.
„Mittlerweile sind alle Vögel in ihren Winterquartieren angekommen“, berichtet Theresa Spatz. „Die meisten unserer Tiere überwintern in Spanien. Nur einzelne verbringen den Winter in Portugal oder Frankreich.“ Wer den Vogelzug nachverfolgen möchte, kann dies auf der Homepage tun, die den Projektverlauf dokumentiert: http://www.rotmilane.de

31.12.2017, Deutsche Wildtier Stiftung
Das ist der Silvester-Knaller: Gefährdete Wildbienen fliegen auf Hamburg
Experten der Deutschen Wildtier Stiftung finden bei ihrer Inventur im Norden Deutschlands Rote-Liste-Wildbienenarten
Die Wildbienen-Bilanz der Deutschen Wildtier Stiftung schließt zum Jahreswechsel mit einem höchst erfreulichen Ergebnis ab. Besonders bemerkenswert: Der Fund von sechs seltenen und gefährdeten Wildbienenarten, die von den Biologen bei ihrer Kartierung 2017 im Norden Deutschlands entdeckt wurden. Einige dieser Arten stehen auf der Roten Liste Deutschlands. Die erst seit kurzem beschriebene Furchenbienenart Lasioglossum monstrificum wurde im Hamburger Westen gefunden. Die Holz-Blattschneiderbiene Megachile ligniseca gilt als bundesweit stark gefährdet. Auch vier sehr seltene Heidekraut-Bienen gingen den Biologen auf ihrer Suche „ins Netz“.
Sechs auf einen Streich – für die Forscher ist das eine kleine Sensation. „Die Lasioglossum monstrificum wurde erst vor wenigen Jahren überhaupt beschrieben. Sie gilt in Deutschland als sehr selten und konnte jetzt an insgesamt fünf Standorten im Hamburger Stadtgebiet nachgewiesen werden“, beschreibt Manuel Pützstück, Umweltwissenschaftler bei der Deutschen Wildtier Stiftung, die Furchenbienenart. Sie lebt auf sandigen Böden. Auch Megachile ligniseca, die bundesweit kaum zu finden ist, war bislang im Norden äußerst selten nachweisbar! „Diese Art ist vor allem in lichten Wäldern sowie an Waldrändern verbreitet und benötigt stehendes Totholz mit Käferbohrlöchern zur Nestanlage.“
Die Heidekraut-Sandbiene Andrena fuscipes, die Seidenbiene Colletes succinctus sowie die parasitisch lebende Heide-Filzbiene Epeolus cruciger und die Heide-Wespenbiene Nomada rufipes sind ausschließlich in den immer rarer werdenden Sandgebieten mit ausreichend großen Heidekrautbeständen zu finden. „Insgesamt haben wir bei unseren Erfassungen bis jetzt 119 Wildbienenarten in Hamburg und Umgebung nachgewiesen“, zieht Manuel Pützstück Bilanz. Davon sind sieben Arten auf der Roten Liste Deutschlands, 27 Arten auf der Roten Liste Schleswig-Holsteins und 26 Arten auf der Roten Liste Niedersachsens gelistet.
Die Kartierung der Deutschen Wildtier Stiftung ist eine wichtige Grundlage, um Lebensräume für Wildbienen zu verbessern. Für das in Hamburg 2016 gestartete Projekt ist ein Zeitraum von vier Jahren vorgesehen. 2020 können die Daten dann ausgewertet und die Rote Liste für Hamburg erstellt werden. Die wissenschaftliche Leitung des Projektes hat Deutschlands „Wildbienenpapst“ Dr. Christian Schmid-Egger von der Deutschen Wildtier Stiftung. Bei der Erstellung der ersten Roten Liste für Hamburg wertet Schmid-Egger bereits vorhandene Altdaten aus. Eine wesentliche Quelle für diese Daten ist das Zoologische Museum der Universität Hamburg – insbesondere die Sammlung von Friedrich Wilhelm Kettner (1896-1988). Mitarbeiter des zoologischen Institutes unterstützen das Projekt, das von der Deutschen Wildtier Stiftung finanziert wird.

03.01.2018, Bundesamt für Naturschutz
BfN-Hilfe für heimische Amphibien vor „Salamanderfresser-Pilz“
Ruth Schedlbauer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
● Bsal: eine neue Bedrohung für heimische Salamander und Molche
● Projekt erforscht Ausbreitung und erarbeitet Maßnahmen zur Eindämmung
Die Ausbreitung des „Salamanderfresser-Pilzes“ Bsal in Deutschland wird jetzt in einem Verbundprojekt erforscht. Zugleich werden im Projekt auch Maßnahmen zur Eindämmung seiner Ausbreitung erarbeitet. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) fördert das gemeinsame Vorhaben der Universitäten Trier und Braunschweig und der Biologischen Stationen der Städteregion Aachen und des Kreises Düren.
Nach Massensterben bei Feuersalamandern in den Niederlanden und Belgien wurde Bsal mittlerweile auch bei Feuersalamandern und Molchen in Nordrhein-Westfalen nachgewiesen. Die Abkürzung „Bsal“ steht dabei für den wissenschaftlichen Namen des Erregers Batrachochytrium salamandrivorans. Dieser als „Salamanderfresser“ bekannte Hautpilz wurde erst vor wenigen Jahren an Feuersalamandern in der niederländischen Region Zuid Limburg, nahe der deutschen Grenze entdeckt. Diese Art ist besonders anfällig für Bsal und die Infektion führt binnen weniger Tage zum Tod der befallenen Tiere. „Das neue Projekt ist aus mehrfacher Hinsicht ein besonders wichtiges“, erklärt BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel. „Denn der Feuersalamander ist eine Art, für die wir in Deutschland eine besondere nationale Verantwortung haben. Außerdem gefährdet ein Ausbreiten des Pilzes in Deutschland nicht nur den Feuersalamander, sondern der Pilz infiziert auch andere Salamander- und Molcharten. Solche Arten spielen eine wichtige Rolle in unseren Ökosystemen. Somit könnte durch Bsal die grundlegende Funktionsfähigkeit ganzer Ökosysteme beeinträchtigt werden.“
Daher fördert das BfN zur Erforschung der Ausbreitung und der langfristigen Folgen von Bsal ein Verbundprojekt der Universitäten Trier und Braunschweig, gemeinsam mit den Biologischen Stationen der Städteregion Aachen und des Kreises Düren. Ziel des Projektes ist es, zu bestimmen wie, wo und wie schnell sich Bsal bei Salamandern im Freiland ausbreitet, um seine Auswirkungen abzuschätzen. Zudem sollen Maßnahmen erarbeitet werden, um eine weitere Verbreitung des Erregers in wildlebenden Beständen von Amphibien zu verhindern.
In dem Vorhaben werden Larven und ausgewachsene Tiere von bereits mit Bsal infizierten wie auch bisher Bsal-freien Salamandern und Molchen detailliert überwacht und deren Bestandsentwicklung beobachtet. Im Vordergrund steht dabei der Feuersalamander. Mittels molekularbiologischen Methoden werden die Tiere gezielt auf Bsal untersucht, um konkrete und detaillierte Informationen über das derzeitige Vorkommen des Pilzes zu erhalten. Weiterhin werden potentielle Funde und Meldungen von infizierten Salamandern umgehend überprüft. Die Erkenntnisse sollen ein bundesweites Management im Umgang mit Bsal und seine Eindämmung ermöglichen. Dies schließt eine enge Kooperation mit den Kreis- und Landesbehörden ein und soll konkrete Handlungsempfehlungen für Behörden, Institutionen und Verbände, die mit dem Artenschutz befasst sind, entwickeln.
Hintergrund:
Für den Feuersalamander (Salamandra salamandra) hat Deutschland eine hohe nationale Verantwortlichkeit, da Deutschland im Zentrum seines Verbreitungsgebietes liegt und einen nennenswerten Anteil der weltweiten Verbreitung beherbergt. Bisher galten die Bestände als weitestgehend gesichert.
Der Salamanderpilz Batrachochytrium salamandrivorans wurde erstmalig 2013 in Populationen des Feuersalamanders in den Niederlanden und Belgien beschrieben. Hier wird er für ein fast vollständiges Erlöschen der Bestände verantwortlich gemacht. Nach derzeitigen Erkenntnissen wurde der Pilz vermutlich mit infizierten Salamandern oder Molchen über den Tierhandel aus Asien eingeschleppt, und könnte sich nun in wildlebenden Salamanderpopulationen weiter ausbreiten. Damit stellt Bsal eine zunehmende akute Bedrohung für die Salamanderbestände in Deutschland dar.
Das Forschungs- und Entwicklungs-Vorhaben „Monitoring und Entwicklung von Vorsorgemaßnamen zum Schutz vor der Ausbreitung des Chytridpilzes Batrachochytrium salamandrivorans („Bsal“) im Freiland“ ist zum 1. Januar 2018 gestartet und läuft bis zum Jahr 2020.
Informationen des BfN zum Feuersalamander als Art nationaler Verantwortlichkeit:
https://www.bfn.de/infothek/daten-fakten/zustand-der-natur/tiere-pflanzen-und-pi…
Europaweite Meldeplattform für Bsal: https://bsalinfoeurope.wixsite.com/eubsalmitigation2017

04.01.2018, Universität Ulm
Warum infizierte Affen kein AIDS entwickeln: Unterschied zum Immunsystem des Menschen entdeckt
Einige Affenarten entwickeln niemals eine Immunschwäche, obwohl sie mit einem engen Verwandten des AIDS-Erregers infiziert sind. Eine internationale Forschergruppe hat nun molekulare Unterschiede zum menschlichen Immunsystem identifiziert, die das „friedliche Zusammenleben“ der Affen mit dem Virus erklären könnten. Diese Erkenntnisse haben die Virologen, darunter Prof. Frank Kirchhoff und Juniorprofessor Daniel Sauter aus Ulm, in der hochrenommierten Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht. Sie könnten auf längere Sicht dazu beitragen, die HIV-Therapie beim Menschen zu verbessern.
Einige Affenarten können eine AIDS-Erkrankung dauerhaft verhindern, obwohl sie mit nahen Verwandten des HI-Virus infiziert sind. Die möglicherweise entscheidenden molekularen Unterschiede zum menschlichen Immunsystem hat nun eine internationale Forschergruppe bei einer Genomanalyse identifiziert: Anders als bei HIV-infizierten Menschen kommt es dadurch bei einigen Primatenarten zu keiner chronischen und damit schädlichen Immunreaktion. Ihre Studie haben die Wissenschaftler, darunter die Ulmer Virologen Professor Frank Kirchhoff und Juniorprofessor Daniel Sauter, in der hochrenommierten Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht. Die neuen Erkenntnisse tragen zu einem besseren Verständnis des Infektionsverlaufs bei und ermöglichen auf längere Sicht womöglich die Verbesserung von HIV-Therapien.
Der AIDS-Erreger des Menschen (HIV) hat seinen Ursprung in Immundefizienzviren (SIV) verschiedener afrikanischer Affenarten. Wahrscheinlich im frühen 20. Jahrhundert sind Varianten von SIV, wohl durch die Jagd auf Affen und den Umgang mit kontaminiertem Fleisch der Tiere, auf den Menschen übergesprungen. Doch im Gegensatz zum Menschen zeigen manche der ursprünglichen, natürlichen Affen-Wirte – wie beispielsweise die in Westafrika beheimatete Rußmangabe – auch viele Jahre nach einer SIV-Infektion und trotz hoher Viruslast keine Immunschwäche. Um herauszufinden, wie diese Primaten eine AIDS-Erkrankung verhindern, haben die Forscher um Professor Guido Silvestri von der Emory University (USA) das Erbgut der Rußmangabe vollständig entschlüsselt und mit dem Genom des Menschen sowie anderer Primatenarten verglichen. „Wir haben große Unterschiede in einigen Proteinen des Immunsystems entdeckt, die den gutartigen Infektionsverlauf von SIV in Rußmangaben erklären könnten“, berichtet Erstautor Dr. David Palesch, der nach seiner Promotion in Ulm an der Emory University forscht. Besonders auffällig ist eine Veränderung im so genannten TLR4-Rezeptor der Affenart. Dieses zelluläre Eiweiß spielt eine wichtige Rolle bei der Aktivierung des Immunsystems durch Bakterien. Bei HIV-infizierten Menschen trägt die chronische Aktivierung des Immunsystems – beispielsweise durch Bakterien, die nach einer infektionsbedingten Darmschädigung ins Blut gelangen – entscheidend zum Ausbruch von AIDS bei. „Mittels verschiedener Methoden konnten wir nachweisen, dass der TLR4-Rezeptor der Rußmangabe nur eine geringe Aktivität aufweist. Dies könnte der Grund sein, weshalb diese Affen nicht mit einer unkontrollierten Abwehrreaktion auf eine SIV-Infektion reagieren und keine Immunschwäche entwickeln“, erläutert Daniel Sauter, Juniorprofessor am Ulmer Institut für Molekulare Virologie. Auf diese Weise kann die Rußmangabe offenbar eine gesunde Anzahl von Immunzellen aufrechterhalten und den Erreger lebenslang tolerieren.
Auch bei weiteren natürlichen SIV-Wirten, wie der Grünen Meerkatze oder dem Angola-Stummelaffen, hat die Forschergruppe die Veränderung im TLR4-Rezeptor entdeckt. Bei nicht-natürlichen Wirten wie dem Menschen oder Rhesusaffen, die beide eine chronische Immunreaktion zeigen und an AIDS erkranken, ist sie hingegen nicht vorhanden.
„Wir vermuten, dass die natürlichen Wirte von SIV im Laufe ihrer Evolution Veränderungen im TLR4-Gen entwickelt haben, die eine friedliche Koexistenz mit Immundefizienzviren ermöglichen – ganz ohne eine Immunschwäche zu entwickeln“, erklärt Professor Frank Kirchhoff, Direktor des Ulmer Instituts für Molekulare Virologie.
Mit dem globalen Ansatz der Genomanalyse haben die Forscher neue Erkenntnisse gewonnen, wie die Entwicklung von AIDS verhindert werden könnte. Das Genom der Rußmangabe liefert dabei wichtige neue Ansatzpunkte für weiterführende Untersuchungen. Die Forscher hoffen, dass dadurch neue Wege gefunden werden, die schädliche chronische Aktivierung des Immunsystems durch HIV zu verhindern. Denn diese unkontrollierte Abwehrreaktion ist selbst bei optimaler Therapie zu beobachten und kann unter anderem zu einer vorzeitigen Alterung von HIV-Patienten führen.
Für die aktuelle Studie haben die Ulmer Virologen mit Wissenschaftlern US-amerikanischer Einrichtungen zusammengearbeitet, vor allem vom Yerkes National Primate Research Center der Emory University in Atlanta, Georgia, und vom Human Genome Sequencing Center des Baylor College of Medicine in Houston, Texas. Juniorprofessor Daniel Sauter wurde durch das DFG Priority Program „Innate Sensing and Restriction of Retroviruses“ (SPP 1923) unterstützt und Professor Frank Kirchhoff durch den Sonderforschungsbereich 1279 sowie den ERC Advanced Grant „AntiVirome“.
Weitere Informationen:
David Palesch, Steven E. Bosinger, Gregory K. Tharp, Thomas H. Vanderford, Mirko Paiardini, Ann Chahroudi, Zachary P. Johnson, Frank Kirchhoff, Beatrice H. Hahn, Robert B. Norgren Jr, Nirav B. Patel, Donald L. Sodora, Reem A. Dawoud, Caro-Beth Stewart, Sara M. Seepo, R. Alan Harris, Yue Liu, Muthuswamy Raveendran, Yi Han,
Adam English, Gregg W. C. Thomas, Matthew W. Hahn, Lenore Pipes, Christopher E. Mason, Donna M. Muzny, Richard A. Gibbs, Daniel Sauter, Kim Worley, Jeffrey Rogers & Guido Silvestri. Sooty mangabey genome sequence provides insight into AIDS resistance in a natural SIV host. Nature. doi:10.1038/nature25140

05.01.2018, Universität Trier
Trierer Biogeographen erforschen „Salamanderfresser-Pilz“
Der „Salamanderfresser-Pilz“ Bsal gilt als Ursache von Massensterben bei Feuersalamandern und Molchen. Gemeinsam mit Kollegen der Technischen Universität Braunschweig sowie den Biologischen Stationen der Städteregion Aachen und des Kreises Düren erforschen Biogeographen der Universität Trier den gefährlichen Pilz und arbeiten an Maßnahmen zur Eindämmung. Das Verbundprojekt wird für drei Jahre vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) gefördert.
„Das neue Projekt ist aus mehrfacher Hinsicht ein besonders wichtiges“, erklärt BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel. „Der Feuersalamander ist eine Art, für die wir in Deutschland eine besondere nationale Verantwortung haben. Außerdem gefährdet ein Ausbreiten des Pilzes in Deutschland nicht nur den Feuersalamander, sondern der Pilz infiziert auch andere Salamander- und Molcharten. Solche Arten spielen eine wichtige Rolle in unseren Ökosystemen. Somit könnte durch Bsal die grundlegende Funktionsfähigkeit ganzer Ökosysteme beeinträchtigt werden.“
Nach dem Massensterben von Feuersalamandern in den Niederlanden und Belgien wurde Bsal mittlerweile auch bei Feuersalamandern und Molchen in der Eifel nachgewiesen. Die Abkürzung „Bsal“ steht für den wissenschaftlichen Namen des Erregers Batrachochytrium salamandrivorans. Dieser als „Salamanderfresser“ bekannte Hautpilz wurde erst vor wenigen Jahren an Feuersalamandern in den Niederlanden entdeckt.
An der Universität Trier sind Prof. Dr. Stefan Lötters, Prof. Dr. Michael Veith und Dr. Norman Wagner an dem Projekt beteiligt. Ein Hauptbestandteil ihrer Arbeit ist deskriptives Monitoring (über die Probenahme von Hautabstrichen an Salamandern und Molchen und über ein Monitoring der Feuersalamanderlarven zur Überprüfung der Bestände), um Grundlagendaten darüber zu gewinnen, wo der Pilz verbreitet ist und mit welcher Geschwindigkeit er sich ausbreitet. Gerade in Rheinland-Pfalz mit einer 20 Jahre alten Roten Liste der Amphibien und Reptilien fehlen Basisdaten zur Verbreitung der Wirtsarten und damit auch zum Erlöschen von Populationen.
Die bei den Tieren im Freiland genommenen Hautabstriche werden im Labor der Trierer Biogeographie analysiert, einem der wenigen weltweit für Bsal-Untersuchungen zertifizierten Laboratorien. Hier wurde Bsal erstmals an Feuersalamandern, Berg- und Teichmolchen aus der Eifel nachgewiesen sowie weltweit erstmals auch an freilebenden Fadenmolchen und Kammmolchen.
Die Trierer Wissenschaftler beschäftigen sich mit Bsal, seit die Problematik 2013 erstmals erkannt wurde. Schon im darauffolgenden Jahr nahmen sie Monitoring-Arbeiten in der Nordeifel auf.
Zusammen mit der Universität Gent fanden sie heraus, dass Bsal seit mindestens 2004 in diesem Gebiet verbreitet ist und damit der Ursprungsherd in Deutschland und nicht in den Niederlanden liegen könnte.
Die Forscher der Universität Trier schätzen die Bedrohungslage als sehr ernst ein, weil es bisher kein bekanntes Mittel gibt, die Seuche im Freiland einzudämmen. „Wir können zwar Einzelindividuen im Labor behandeln, aber Bsal verbreitet sich im Freiland nicht nur über freischwimmende Zoosporen, sondern auch über bestimmte Froschlurche und manche Molche. Diese erkranken nicht selbst, stellen aber Reservoire und Überträger dar. Zudem bildet der Pilz Zysten, die monatelang beispielsweise im feuchten Waldboden überdauern können“, erläutert Dr. Norman Wagner.
Als eine Möglichkeit zur Erhaltung der Populationen und der genetischen Diversität gilt die Zucht mit gesunden Tieren. Um Grundlagen für solche Erhaltungszuchten zu schaffen, forschen Dr. Norman Wagner und sein Kollege Dr. Joscha Beninde seit vergangenem Jahr in einem weiteren Projekt zur Genetik der regionalen Molchbestände.
Die gemeinsame Forschungsarbeit der an dem Verbundprojekt beteiligten Partner von Braunschweig bis Trier soll letztlich Grundlage eines bundesweiten Managements im Umgang mit Bsal sein und zu seiner Eindämmung beitragen. Eine weitere Ausbreitung des Pilzes bis in die Alpen oder sogar in den Mittelmeerraum würde die dortige große Artenvielfalt gefährden und wäre nicht nur für die Wissenschaftler ein schlimmes Szenario.

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