Wissenswertes über Spinosauroidea

Suchomimus tenerensis (© N. Tamura)

Suchomimus tenerensis (© N. Tamura)

Die Spinosauroidea (auch Megalosauroidea oder Torvosauroidea) sind eine Gruppe theropoder Dinosaurier. Sie fassen die Familien der Megalosauridae und Spinosauridae zusammen. Eine kladistische Beschreibung des Taxons erfolge durch Paul C. Sereno 1998 und 2005. Die Spinosauroidea werden in einer stammlinienbasierten Definition (stem-based definition) beschrieben als „Spinosaurus aegyptiacus und alle Taxa, die einen jüngeren Vorfahren mit ihm teilen als mit Passer domesticus (dem Haussperling)“.
Die Monophylie dieser Gruppe wird durch Merkmale im Bau des Schädels und des Humerus bestätigt. Während die Megalosauridae eher im Jura lebten, waren die Spinosauridae vorwiegend Bewohner der Kreidezeit.
Zwar ist die Bezeichnung Megalosauroidea älter, bezeichnete aber lange Zeit eine nach heutigen Erkenntnissen paraphyletische Gruppe, weswegen die Bezeichnung Spinosauroidea heute den Vorzug genießt.
Innerhalb der Theropoda gehören die Spinosauroidea zu den Tetanurae („Steifschwänze“, aufgrund der durch Knochenstäbe verbunden und damit versteiften Schwanzwirbel) und sind die Schwestergruppe der Avetheropoda, die in die Carnosauria und die fortschrittlichen Coelurosauria unterteilt werden.

Die Spinosauridae („Stachelechsen“) sind eine Gruppe großer fleischfressender Dinosaurier. Gefunden wurden die verschiedenen Arten in Australien, Europa, Nordafrika und Nordamerika. Die Typusart, der 1915 beschriebene Spinosaurus, zeichnet sich durch lange Stacheln auf dem Rücken aus, die Fortsätze der Wirbel sind und wahrscheinlich ein Rückensegel zu tragen hatten; diesem Merkmal verdankt die gesamte Familie ihren Namen. Heute werden verschiedene Fossilien aus Afrika, Asien, Europa und Südamerika den Spinosauridae zugeordnet.
Ein besonderes Merkmal dieser Gruppe sind die stachelartigen Fortsätze der Rückenwirbel, die wahrscheinlich mit Haut umgeben waren, wie etwa bei Dimetrodon. Diese Hautsegel wurden bis zu 1,5 Meter hoch. Des Weiteren wiesen diese Dinosaurier einen krokodilähnlichen Kopf und einen länglichen Körperbau auf. Die Zähne waren schmal, spitz und wenig gezackt und die Schnauze lang und flach.
Bezüglich der Funktion der Rückenwirbelfortsätze gibt es verschiedene Meinungen. Häufig wird ein Zusammenhang mit der Wärmeregulation angenommen. Man geht davon aus, dass die Fortsätze von einem mit Blutgefäßen durchzogenen Hautsegel umgeben waren. Mit dessen Hilfe konnten die Spinosauridae möglicherweise ihre Körpertemperatur regulieren und wären damit Kaltblüter gewesen. Die Spinosauridae könnten jedoch auch zu den Warmblütern zählen; in diesem Falle hätte das Segel vor einer Überhitzung geschützt. Ähnlich wie Afrikanische Elefanten über ihre Ohren könnten die Spinosauridae über das Segel überschüssige Wärme abgegeben haben.
Als weitere mögliche Funktion des Segels hätten sie es vor Feinden, Nebenbuhlern oder potentiellen Sexualpartnern präsentieren können und somit eine abschreckende bzw. stimulierende Wirkung auf diese haben können.
Sereno et al. stellten 1998 bei der Erstbeschreibung des Suchomimus tenerensis einen phylogenetischen Stammbaum der Spinosauridae vor, der diese in die zwei Unterfamilien Spinosaurinae und Baryonychinae aufteilte. Demnach stellen Irritator und Spinosaurus Schwestertaxa dar. Bestätigt wurde diese Darstellung von dal Sasso et al. 2006.
Demnach stellen Suchomimus und Baryonyx, dessen einziger Vertreter Baronyx walkeri 1986 in England beschrieben wurde, die Barynoychinae dar, während Irritator und Spinosaurus als Spinosaurinae diesen gegenübergestellt wurden. Sasso et al. fügen den Baryonychinae zudem den 1998 beschriebenen Cristatusaurus lapparenti hinzu, der in der ursprünglichen Darstellung von Sereno et al. noch nicht beschrieben war. Als Schwestergruppe der gesamten Spinosauridae werden die Torvosauridae mit den Gattungen Torvosaurus und Eustreptospondylus benannt, die jedoch heute den Megalosauridae zugerechnet werden.

Eustreptospondylus oxoniensis (Dmitry Bogdanov)

Eustreptospondylus oxoniensis (Dmitry Bogdanov)

Der Name der Megalosauridae geht auf den ersten wissenschaftlich beschriebenen Dinosaurier Megalosaurus zurück. Die Megalosauriden waren lange Zeit eine „Mülleimergruppe“, in die sämtliche Theropoden gestellt wurden, die sich nicht eindeutig anderen Familien zuordnen ließen. Mit zunehmender Kenntnis der Theropoden wurden mehr und mehr Gattungen anderen Gruppen zugeordnet.
Heute wird der Name Megalosauridae in der wissenschaftlichen Literatur nur noch selten verwendet und wird dann meist auf wenige Gattungen massiv gebauter Theropoden aus dem Mitteljura von Europa beschränkt. Eines der Probleme ist die fragmentarische Kenntnis der Gattung Megalosaurus selbst, die keine befriedigende Diagnose dieser Familie zulässt.
Die meisten „klassischen“ Megalosaurier, darunter vermutlich auch Megalosaurus selbst, werden heute zu den Spinosauroidea gezählt. In der populären Literatur findet sich der Name Megalosauridae allerdings noch häufig in seiner früheren Form als die größte Familie der Carnosauria, die vom Mitteljura bis zum Oberjura vorkam.

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