Hauskaninchen

von Robert B.

Die domestizierte Form der Wildkaninchen

Das Hauskaninchen wurde aus dem Wildkaninchen „Oryctolagus cuniculus“ domestiziert. Es heißt damit „Oryctolagus cuniculus forma domestica“ und gehört wie das Wildkaninchen zur Familie der Hasen. Das Wildkaninchen bringt im Gegensatz zum Echten Hasen die nötigen Eigenschaften mit, um es zu domestizieren. Bereits im römischen Imperium um Christi Geburt wurde mit dem Domestizieren vom Wildkaninchen begonnen. Dieses lebte anfangs nur auf der Iberischen Halbinsel und Nordafrika sowie Teilen von Frankreich.

Zu Beginn wurden Wildkaninchen in Gehegen gehalten, wobei Masttiere in gesonderten Bereichen gemästet wurden. Um 550 n. Chr. kam die Käfig- und Stallhaltung auf. Das Hauskaninchen entstand also über Jahrhunderte hinweg und wurde zuerst lediglich domestiziert, aber noch nicht gezielt gezüchtet. Heutige Hauskaninchen können sehr klein sein und als Zwergkaninchen bezeichnet werden, obwohl sie nicht mit diesen verwandt sind. Es kann sich aber auch um Riesenkaninchen handeln, die in freier Natur keine Chance mehr gegen harte Winter oder ihre Feinde hätten.

Das Kaninchen als Plage

Bereits auf der Iberischen Halbinsel als ihrem Ursprungsort galten Wildkaninchen immer wieder als Plage, da sie sich rasend schnell vermehren können. Das wurde aber auch als Vorteil für die Fleisch- und Fellproduktion gesehen. Zugleich handelt es sich bei den fruchtbaren Kaninchen um zahlreiche Beute für Jäger.

Wildkaninchen wurden bereits um 1235 auf England ausgesetzt. Hier und an anderen Orten, wo die Wildkaninchen erfolgreich Fuß fassten, dauerte es nur Jahre, bis die Einwohner von einer Kaninchenplage sprachen. Bei günstigen Witterungsbedingungen kann der Kaninchenbestand in „guten“ Jahren explodieren, womit viele Bauern Ernteeinbußen beklagen.

Inzwischen leben Wildkaninchen in Nord- und Südamerika, Afrika, ganz Europa und Australien. Gerade in Australien wurden Wildkaninchen schnell zur Plage, die sie dort noch heute immer wieder sind. Es wurden sogar die Viruserkrankung Myxomatose aus Südamerika eingeschleppt, um die Kaninchenbestände zu reduzieren.

Ob es sich bei den eingebürgerten Kaninchen um die Wild- oder bereits Hauskaninchen handelte, lässt sich nicht klar definieren, da die Halter in den Anfangszeiten zwischen der Wildform und den Hauskaninchen gewiss keinen großen Unterschied machten. Mit der Zeit wurden aber immer mehr Hauskaninchen-Rassen (Übersicht Kaninchenrassen) erzüchtet, die mit dem Wildkaninchen kaum noch vergleichbar sind.

Fruchtbarkeit als Segen und Fluch

Kaninchen können mehrfach im Jahr zwischen vier bis zwölf Jungtiere zur Welt bringen. Selbst in freier Natur kann in guten Jahren ein Großteil dieser Kaninchen das Erwachsenenalter erreichen und teils noch im gleichen Jahr eigene Jungtiere zur Welt bringen. Fressfeinde oder Jäger können gegen solche Kaninchenmassen kaum ankommen. Eine Überpopulation wird deswegen meist durch Suchen oder harte Winter dezimiert.

Genau diese Fruchtbarkeit macht das Hauskaninchen zum interessanten Wirtschaftstier. Nur deswegen wurde es einst auch Domestiziert, da die Menschen Kaninchen mit geringem Aufwand halten können und beim Schlachten kleine Fleischmengen für den Alltag erhalten. Man muss nur einige Tiere über den Winter bringen und ab dem Frühjahr die Wiesen zu ernten, schon hat man Fleisch bis in den Winter hinein.

Wer hingegen Gemüse oder andere Früchte auf den Feldern anbaut und massive Fraßschäden durch Wildkaninchen oder verwilderte Hauskaninchen hat, wird fluchen. Wenn die Wildkaninchen zahlreich sind und die Hauskaninchen mit Krankheiten anstecken, ist auch der Kaninchenhalter am Fluchen.

Artgerechte Haltung

Das domestizierte Hauskaninchen wurde aus verschiedenen Gründen in kleinen Käfigen gehalten: Zum einen kann Platz gespart werden, womit die Kaninchenhaltung auch in der Siedlung oder Stadt zur privaten Fleischproduktion möglich wird. Zum anderen sind die Kaninchen im kleinen Kaninchenstall vor Fressfeinden geschützt. Würde man sie im offenen Gehege halten, hätten es Greifvögel, Füchse, Marder, Katzen, Hunde oder andere Räuber leicht, sich die Hauskaninchen der Reihe nach zu holen.

Diese Haltung der Hauskaninchen in kleinen Käfigen ist nicht artgerecht, da Kaninchen Fluchttiere sind, die hohe Geschwindigkeiten von bis 40 km/h erreichen können. Damit sie lange gesund bleiben, ist es notwendig, dass sie wenigstens einige Meter am Stück laufen und auch Haken schlagen können. Zugleich wollen Kaninchen Tunnel bauen, da sie im Freien in Tunneln leben. Weiterhin möchten Kaninchen in Gruppen leben, es handelt sich um soziale Tiere. Sie brauchen ständig Frischfutter. Heu und Kraftfutter allein ist nicht artgerecht. Infos zur artgerechten Ernährung findet man hier.  Kraftfutter ist sogar schädlich, da es zu viel Energie enthält. Es soll also nur für die Mast eingesetzt werden.

Ein kleiner Kaninchenstall ist ein Gefängnis und kein Lebensraum. Pro Kaninchen soll der Freilauf mehrere m² groß sein. Damit die Fruchtbarkeit der Tiere nicht zum Problem wird, sollen die Rammler kastriert werden, dann werden sie sich untereinander auch besser verstehen.

Wer seine Hauskaninchen lange behalten und ihnen ein gutes Leben bieten möchte, der muss nicht einen kleinen Kaninchenstall, sondern auch ein ganzes Gehege drum herum anlegen und alles gegen Fressfeinde sichern. Weiterhin ist auf die Hygiene, die Besonderheiten vom Gehege und die richtige Fütterung zu achten. All das soll sich der Kaninchenhalter bereits vor dem Kaninchenkauf überlegen. Grundlegende Informationen zur artgerechten Haltung der Hauskaninchen gibt es auf https://www.kaninchen-haltung.com. Wer wenig Platz hat, soll kleine Zuchtrassen wählen. Wer nicht die Möglichkeiten hat, seine Tiere gut zu versorgen, der soll auf leichter zu haltende Haustiere ausweichen oder auf die Tierhaltung verzichten. Nicht nur Kaninchen können rund zehn Jahre alt werden, solange wäre man als Halter für sie auch verantwortlich.

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