Vertreter der Cynodontia

Die einzigen noch lebenden Vertreter der Cynodontia sind die Säugetiere.

Procynosuchus delaharpeae (© N. Tamura)

Procynosuchus delaharpeae (© N. Tamura)

Procynosuchus (gr. „Vor-Hundekrokodil“) ist eine Gattung ursprünglicher Therapsiden innerhalb der Cynodontia. Fossilien dieses „säugetierähnlichen Reptils“ wurden im Mittel- und Oberperm (270 bis 251 mya) in Südafrika, Sambia und in der nordhessischen Korbacher Spalte („Korbacher Dackel“) gefunden.
Procynosuchus war etwa 60 Zentimeter lang und wies im Gegensatz zu anderen Therapsiden Anpassungen an ein Leben im Wasser auf, insbesondere einen außergewöhnlich beweglichen Hinterkörper mit seitlich abgeplattetem Schwanz, der wahrscheinlich ein Schwimmen ähnlich dem von Krokodilen oder Ottern erlaubte. Es wird daher angenommen, dass Procynosuchus ähnlich wie diese Tiere semi-aquatisch lebte und sich von Fischen oder anderen Wassertieren ernährte.

Thrinaxodon ist eine Gattung ausgestorbener Therapsiden, die vor 245 bis 230 Millionen Jahren zur Zeit der Mitteltrias lebte. Fossile Überreste der einzig bekannten Art Thrinaxodon liorhinus fand man in Südafrika in derselben Formation, in der auch Lystrosaurus gefunden wurde, und in der Antarktis.
Thrinaxodon war ein Fleischfresser und wurde etwa einen halben Meter lang, die Beine befanden sich unter dem Körper und der Schwanz war ziemlich kurz. Die Tiere waren kleine Fleischfresser mit scharfen Zähnen. Sie hatten kräftige Hinterbeine, was darauf hinweist, dass sie schnelle Läufer waren. An den Schädeln wurden kleine Vertiefungen entdeckt, die auf Schnurrhaare hindeuten. Das muss aber nicht unbedingt als Beleg dafür gesehen werden, dass Thrinaxodon ein Fell hatte. Die Schnurrhaare dienten vermutlich der Orientierung im Dunklen.
Die Brustregion war deutlich von der Lendenregion getrennt. Das Tier besaß somit vermutlich ein Zwerchfell, das schnelles Aus- und Einatmen ermöglichte. Dies erlaubt eine Regulierung der Körpertemperatur durch Hecheln. Außerdem besaß es ein sekundäres Munddach, wodurch es gleichzeitig atmen und kauen konnte. Im Vergleich zu seinen Vorfahren war das Dentale, bei Reptilien einer von mehreren Knochen des Unterkiefers (Mandibula), vergrößert und trug alle Zähne.

Cynognathus crateronotus (© N. Tamura)

Cynognathus crateronotus (© N. Tamura)

Cynognathus war ein großer Fleischfresser mit massigem Körper. Mit einer Schädellänge von 30 bis 40 cm war er eines der größten Raubtiere der Trias. Die starke Hinterhauptregion lässt eine kräftige Nackenmuskulatur vermuten. Die Schnauze war lang, hinter den großen Eckzähnen wurde sie etwas schmaler. Die Backenzähne waren seitlich abgeflacht und grob gesägt. Zwischen den Zähnen der Ober- und des Unterkiefers kam es nicht zu einer präzisen Okklusion.
Das Dentale, bei den Säugetieren der einzige Knochen des Unterkiefers, war im Verhältnis zu den anderen Unterkieferknochen ursprünglicher Synapsiden schon sehr stark vergrößert. Die anderen Unterkieferknochen (Articulare, Praearticulare, Surangulare und Angulare) bildeten ein stabförmiges Element, das in einer Rinne an der Innenseite des Dentale eingebettet war. Das Kiefergelenk wurde noch von Quadratum und Articulare gebildet.
Das synapside Schädelfenster war klein. Seine begrenzenden Knochen im Vergleich zu Thrinaxodon sehr kräftig, so dass sie einen breiten Ansatz für kräftige Kiefermuskeln bildeten.
Die Tiere dieser Gattung lebten vor 245 bis 237 Millionen Jahren zur Zeit der Unter- und Mitteltrias auf Gondwana. Die einzige beschriebene Art von Cynognathus ist Cynognathus crateronotus.
Fossilien von Cynognathus wurden in Karoo, Südafrika, Lesotho, Argentinien, China und der Antarktis gefunden.

Tritylodon longaevus (© N. Tamura)

Tritylodon longaevus (© N. Tamura)

Die Tritylodontidae waren eine Gruppe pflanzenfressender Cynodonten. Sie lebten von der Obertrias wahrscheinlich bis zur Unterkreide, zumindest aber bis in den Mitteljura. Sie sind damit die am längsten überlebenden Therapsiden, die keine Säugetiere sind (wenn man von einem Reliktvorkommen der Dicynodontia in Australien, bis in die Unterkreide, absieht).
Die ersten tritylodontiden Zähne wurden schon 1847 und 1866 in Schichten des oberen Keuper von Württemberg gemacht und als älteste Fossilien von Säugetieren gedeutet. Die Funde wurden unter den Namen Microlestes und Triglyphus beschrieben. Wahrscheinlich sind sie mit Tritylodon identisch, dessen Zähne und Schädelfragmente in der südafrikanischen Karoo gefunden wurden und 1884 von Richard Owen beschrieben wurden.
Fossilien verschiedener, weiterer Gattungen wurden im südlichen Afrika, Europa und Nordamerika gefunden. Aus Südamerika, China und vom Mount Kirkpatrick in der Antarktis stammen Fossilien unsicherer Zuordnung. Isolierte tritylodontide Zähne aus Russland stammen aus der Unterkreide.
Der Schädel der Tritylodontidae ist sehr säugerähnlich. Die Schädelfenster sind groß und gehen, wegen der fehlenden Knochenspange (Postorbitalspange), direkt in die knöcherne Augenhöhle (Orbita) über.
Das Gebiss ähnelt oberflächlich dem der Nagetiere und der Multituberculata und ist für eine pflanzliche Kost spezialisiert. Die Ähnlichkeit ist allerdings konvergent durch eine wahrscheinlich ähnliche Ernährungsweise entstanden und beruht nicht auf näherer Verwandtschaft. Eckzähne fehlen und wurden funktionell durch ein Paar vergrößerte Schneidezähne ersetzt. Zwischen Schneide- und den komplexen, molarähnlichen Backenzähnen gibt es in Ober- und Unterkiefer ein deutliches Diastema (griechisch für „Zwischenraum“). Die Backenzähnen haben zwei Wurzeln. Im Oberkiefer tragen sie drei, im Unterkiefer zwei Längsreihen von Höckern, die bei geschlossenem Maul in die Reihen des Oberkiefers greifen. Tritylodontidae hatten zwei Dentitionen (Diphyodontie).
Primitive Merkmale sind das Unterkiefergelenk, das nicht, wie bei den Säugetieren von Dentale und Squamosum, sondern wie bei den Reptilien von Quadratum und Articulare gebildet wird. Die Gehörknöchelchen sind noch einfach gebaut. Am Schultergürtel ist noch ein Zwischenschlüsselbein (Interclavicula) sowie ein Rabenbein (Coracoid) vorhanden.
Die Schädel sind fünf (Bocatherium) bis 25 Zentimeter (Kayentatherium und Tritylodon) lang. Auch das übrige Skelett, das hauptsächlich durch Oligokyphus bekannt ist, ist sehr säugerähnlich.
Im 19. Jahrhundert wurden die Tritylodontidae zu den Säugetieren gerechnet und auch heute wird noch die Ansicht vertreten, dass sie von allen Therapsiden den Säugern am nächsten stehen. Wegen ihrer Gebissspezialisierungen (Verlust des Eckzahns, Höckerstruktur) kommen sie allerdings nicht als direkte Vorfahren der Säugetiere in Frage.

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