Vertreter der Pachycephalosaurier

Ferganocephale ist eine nur durch einzelne Zähne bekannte Gattung aus der Gruppe der Pachycephalosauria. Einzige beschriebene Art ist F. adenticulatum.
Die Zähne zeigen starke Abnutzungsspuren und sind darum nicht leicht zu deuten. Die Erstbeschreiber identifizierten Ferganocephale als Pachycephalosaurier, unter anderem aufgrund des Cingulums (ein am Zahnhals gelegener Wulst aus Zahnschmelz), asymmetrischer Zahnkronen und unterschiedlicher Zahntypen (Heterodontie). Andere Autoren wie Robert Sullivan bezweifeln diese Zugehörigkeit, halten die Funde aber für zu spärlich für eine systematische Zuordnung und führen sie als nomen dubium.
Die Funde wurden in der Balabansai-Formation im kirgisischen Teil des Ferghanatales entdeckt und 2005 erstbeschrieben. Der Gattungsname leitet sich vom Fundort und dem griechischen kephale (=„Kopf“), einem häufigen Namensbestandteil bei Pachycephalosauriern, ab. Einzig bekannte Art ist F. adenticulatum. Die Funde werden in den Mittleren Jura (Callovium), auf ein Alter von rund 166 bis 163 Millionen Jahre datiert.
Wenn Ferganocephale zu den Pachycephalosauria zählt, ist er der einzige aus dem Jura bekannte und somit älteste Vertreter dieser Gruppe. Abgesehen von ebenfalls umstrittenen Funden (Stenopelix und Yaverlandia) aus der Unterkreide, sind diese Dinosaurier ansonsten nur aus der Oberkreide belegt.

Yaverlandia ist eine nur durch spärliche Funde bekannte Gattung von Vogelbeckensauriern (Ornithischia) aus der Gruppe der Pachycephalosauria. Einzige beschriebene Art ist Y. bitholus.
Von Yaverlandia wurde bislang nur der Teil des Schädels gefunden. Das Stirnbein weist die für die Pachycephalosaurier übliche Verdickung auf, aber keine Aufwölbung, sodass er zu den flachköpfigen Vertretern gehört haben könnte. Ansonsten ist über den Körperbau dieses Dinosauriers nichts bekannt. Andere Forscher wie Robert Sullivan bezweifeln die Zugehörigkeit von Yaverlandia zu den Pachycephalosauriern, er zitiert laufende Untersuchungen, nach denen es sich dabei um einen Theropoden handeln könnte.
Die fossilen Überreste von Yaverlandia wurden auf der englischen Isle of Wight gefunden und 1971 erstbeschrieben. Der Name leitet sich von der Ortschaft Yaverland ab, einzige Art ist Y. bitholus. Die Funde werden in die Unterkreide (Barremium) auf ein Alter von ca. 131 bis 126 Millionen Jahre datiert.
Yaverlandia zählt mit Stenopelix (ebenfalls aus der Unterkreide) und Ferganocephale (aus dem Mittleren Jura) zu den älteren, aber allesamt umstrittenen Funden von Pachycephalosauriern. Diese Gruppe ist ansonsten nur aus der Oberkreide aus Ostasien und Nordamerika bekannt.

Stenopelix (übersetzt „enges Becken“) ist eine nur durch spärliche Funde bekannte Gattung von Vogelbeckensauriern (Ornithischia) aus der Gruppe der Pachycephalosauria oder Ceratopsia. Einzig bekannte Art ist S. valdensis (der Zuname bezeichnet die Formation, das Wealden).
Von Stenopelix wurde bislang nur ein Exemplar, und von diesem nur Teile des Rumpfskelettes gefunden. Der Schädel, der zweifellos eine genaue Systematisierung ermöglichen würde, ist nicht bekannt.
Stenopelix war mit rund 1,5 bis 2 m Länge relativ klein. In dem einzigen gefundenen Exemplar – das von einem fast vollständig ausgewachsenen Tier stammte – ist der erhaltene Teil der Wirbelsäule 97 cm lang und der Schwanz 55 cm, der Hals fehlte. Er lief biped auf den Hinterbeinen. Er wird häufig in Anlehnung an Psittacosaurier oder Pachycephalosaurier rekonstruiert.
Die fossilen Überreste von Stenopelix wurden 1855 bei Obernkirchen in Niedersachsen gefunden, bekannt durch seinen Bau-Sandstein. Die Fundstelle waren die Sandsteinbrüche des Harrl, einem westlichen Ausläufer der Bückeberge, in dem kurz zuvor schon Krokodilfossilien (und Schildkrötenpanzer) gefunden worden waren und später Dinosaurierfährten.
1857 wurde Stenopelix vom Frankfurter Paläontologen Hermann von Meyer (1801–1869) erstbeschrieben.
Die Einordnung als Dinosaurier erfolgte durch Ernst Koken 1887. Seine Fossilien wird in die Unterkreide (spätes Berriasium) auf ein Alter von 142 bis 139 Millionen Jahre datiert. Damals waren dort Sümpfe eines großen Flussmündungsdeltas ins nördlich gelegene Unterkreidemeer, die auch Kohleablagerungen hinterließen.

Von Wannanosaurus wurden bislang die Überreste von zwei Tieren gefunden, bekannt sind Teile des Schädeldachs, der Unterkiefer, Teile des Beckens sowie einzelne Gliedmaßenknochen. Das Schädeldach war flach und die Fenestra supratemporalis (das obere Schädelfenster der Schläfengegend) stark ausgeprägt, wodurch dieser Dinosaurier anderen flachköpfigen Pachycephalosauriern wie Homalocephale ähnelt. Charakteristisch für Wannanosaurus sind die niedrigen, fächerförmigen Zahnkronen und die starke Krümmung des Oberschenkelknochens. Die Funde lassen auf ein sehr kleines Tier schließen, das vermutlich nur rund 0,6 Meter Länge erreichte, möglicherweise handelte es sich dabei aber um Jungtiere. Vermutlich war Wannanosaurus wie alle Pachycephalosaurier ein zweibeiniger, vermutlich eher pflanzenfressender Dinosaurier. Zur Funktion des verdickten Schädeldachs siehe Funktion des Schädeldachs bei den Pachycephalosauria.
Die fossilen Überreste von Wannanosaurus wurden in der Xiaoyan-Formation in der chinesischen Provinz Anhui gefunden und im Jahr 1977 erstmals beschrieben. Der Gattungsname leitet sich vom Fundort ab, einzig bekannte Art und damit Typusart ist W. yansiensis. Die 72 bis 69 Millionen Jahre datiert.
Wannanosaurus gilt als urtümlicher Vertreter der Pachycephalosauria. Eine kladistische Untersuchung von T. Maryańska et al. sah in ihm die Schwestergruppe aller übrigen, als Goyocephala zusammengefassten Pachycephalosauria. Aufgrund der spärlichen Überreste sind solche Ergebnisse allerdings umstritten.

Goyocephale war wie alle Pachycephalosaurier durch das verdickte Schädeldach charakterisiert, das aus dem Stirnbein (Frontale) und dem Scheitelbein (Parietale) gebildet wurde. Er zählt dabei zu den flachköpfigen Vertretern dieser Gruppe, bei denen das Schädeldach nicht aufgewölbt und das obere Schädelfenster der Schläfenregion gut entwickelt war. Zu Vermutungen über die Funktion dieses Schädeldaches siehe Funktion des Schädeldachs bei den Pachycephalosauria.
Wie viele andere Pachycephalosauria besaß Goyocephale unterschiedliche Typen von Zähnen (Heterodontie). Am Praemaxillare, dem vordersten Teil des Oberkiefers, saßen drei eckzahnähnliche Zähne, von denen der hinterste der größte war. Dahinter klaffte eine große Lücke, die dahinterliegenden Zähne des Oberkiefers waren klein und trugen dreieckige Kronen. Der vorderste Zahn des Unterkiefers war ebenfalls eckzahnähnlich und deutlich vergrößert; er wies einen vieleckigen Querschnitt und am äußeren Rand eine scharfe Kante auf. Die übrigen Zähne des Unterkiefers glichen den hinteren des Oberkiefers. Die genaue Funktion dieser Zähne ist nicht bekannt, wie alle Pachycephalosaurier dürfte sich Goyocephale vorwiegend pflanzlich ernährt haben, möglicherweise ergänzt durch Insekten.
Der Rumpf war eher stämmig gebaut, die Rückenwirbel waren durch ineinandergreifende Verbindungen verstärkt und das Becken sehr breit. Die Vordergliedmaßen waren kurz und erreichten nur rund ein Viertel der Länge der Hintergliedmaßen. Die Unterschenkel waren länger als die Oberschenkel, was dafür spricht, dass diese Tiere hohe Geschwindigkeiten erreichten. Sie bewegten sich biped (auf den Hinterbeinen) fort.
Die fossilen Überreste von Goyocephale wurden in der mongolischen Provinz Öwörchangai-Aimag entdeckt und 1982 erstbeschrieben. Der Gattungsname leitet sich vom mongolischen goyo (=„verziert“) und dem griechischen kephalē (=„Kopf“), einem häufigen Namensbestandteil von Pachycephalosauriern, ab. Typusart und einzig bekannte Art ist G. lattimorei, das Artepitheton ehrt Owen Lattimore, einen in der McCarthy-Ära als Spion bezichtigten US-amerikanischen Professor und Mongoleireisenden. Die Funde werden in die Oberkreide (mittleres Campanium) auf ein Alter von ca. 80 bis 76 Millionen Jahre datiert.

Micropachycephalosaurus ist eine wenig bekannte Gattung aus der Gruppe der Pachycephalosauria.
Mit einer geschätzten Länge von 0,5 bis 1 Meter zählte Micropachycephalosaurus zu den kleinsten Pachycephalosauriern. Allerdings sind bislang nur Teile des Unterkiefers sowie einzelne Knochen des Körperskelettes bekannt. Diese spärlichen Funde lassen zwar eine Zugehörigkeit zu den Pachycephalosauriern erkennen, eine genauere Einordnung ist nicht möglich. Deshalb wird er als Pachycephalosauria incertae sedis oder gar als nomen dubium gelistet.
Die Funde stammen aus der Wangshi-Gruppe in der chinesischen Provinz Shandong und wurden 1978 erstmals beschrieben. Der Gattungsname – einer der längsten aller Dinosaurier – leitet sich von den Wörtern mikros (=„klein“), pachys (=„dick“), kephale (=„Kopf“) und sauros (=„Echse“) ab und bedeutet dementsprechend „kleine Dickkopfechse“. Typusart und einzig bekannte Art ist M. hongtuyanensis. Die Funde wurden chronostratigraphisch auf die Oberkreide (spätes Campanium) datiert, das geochronologisch dem Zeitraum von etwa 76 bis 72 Millionen Jahren entspricht.

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