Zoonose: Toxocariasis und andere über Hunde übertragene (Wurm)Krankheiten

Lebenszyklus der Spulwürmer (CDC/Alexander J. da Silva, PhD/Melanie Moser)

Lebenszyklus der Spulwürmer (CDC/Alexander J. da Silva, PhD/Melanie Moser)

Die Toxocariasis ist eine Zoonose des Menschen als Fehlwirt, die durch den Hundespulwurm Toxocara canis oder den Katzenspulwurm Toxocara mystax ausgelöst wird. Die Infektion erfolgt durch orale Aufnahme von Wurmeiern, die aus dem Kot infizierter Hunde und Katzen stammen und vor der Aufnahme temperatur- und feuchtigkeitsabhängig für drei bis vier Wochen an der Umwelt reifen müssen, um infektiös zu sein. Insbesondere können die inneren Organe (viszerale Larva migrans) oder die Augen (okulären Larva migrans) betroffen sein.
Toxocara canis und Toxocara mystax sind bei Hunden und Katzen weltweit verbreitet. Beinahe alle Welpen sind infiziert. Als Infektionsquelle für Kinder besonders erwähnenswert sind Sandkästen. Rollstuhlfahrer sind, da sie über die Hände die Eier aufnehmen, häufiger betroffen.
Nach der Aufnahme der Eier schlüpfen die Larven im Dünndarm des Menschen und durchdringen die Schleimhaut. Anschließend gelangen sie durch hämatogene (über die Blutgefäße) oder lymphogene (über die Lymphgefäße) Streuung in verschiedene Organe. In den Organen zerstören sie Zellen und Gewebe und lösen eine Entzündungsreaktion des Wirtes aus. Symptome entwickeln sich nur bei einem Massenbefall. Die Toxocara-Larven wandern überwiegend zum Auge und Gehirn, können jedoch prinzipiell jedes Organ befallen. Die Inkubationszeit beträgt in der Regel Wochen bis Monate. Asymptomatische bzw. ruhende Infektionen sind häufig und können auch nach zehn Jahren in eine viszerale oder okuläre Larva migrans übergehen. Häufige Differentialdiagnosen der okulären Larva migrans sind eine Toxoplasmose, Morbus Coats, eine Makuladegeneration, eine hämorrhagische Chorioretinitis und ein Retinoblastom.
Da der Entwicklungszyklus im Menschen nicht vollständig abläuft, gelangen keine adulten Würmer in den Darm. Somit können auch keine Wurmeier, Larven oder adulte Würmer im Stuhl nachgewiesen werden. Der Nachweis der Infektion kann mittels ELISA erfolgen. Bei Patienten mit symptomatischer Toxocariasis sind die IgE-Spiegel signifikant erhöht. Des Weiteren kommt es zu einer Eosinophilie und Leukozytose.
Zur Vermeidung der Infektion des Menschen sollten Hunde und Katzen regelmäßig entwurmt werden, vor allem bei Jungtieren ist aufgrund der starken Durchseuchung darauf zu achten. Ebenso sollten nach Kontakt mit Tieren die Hände gewaschen werden, da die Eier auch im Fell haften. Die Kontamination von Sandkästen mit Hunde- bzw. Katzenkot sollte vermieden oder zumindest der Sand regelmäßig gewechselt werden.
Die Behandlung erfolgt mit Thiabendazol oder Diethylcarbamazin. Aufgrund der therapiebedingten massiven Freisetzung von Zerfallsprodukten der Larven ist der Einsatz von Anthelminthika umstritten. Bei okulärer Larva migrans kann auch eine Photoagglutination der Larven mittels Laser durchgeführt werden.

Schwerer Befall von Larva Migrans Cutanea

Schwerer Befall von Larva Migrans Cutanea

Die Larven des Hundehakenwurms Ancylostoma caninum können beim Barfußlaufen über mit Hundekot verschmutzten Böden durch die Haut eindringen. Dort rufen sie als Wanderlarven (Larva migrans cutanea, „Hautmaulwurf“) stark juckende Hautrötungen hervor. Die durch die Larven gebohrten Gänge sind oft mit bloßem Auge erkennbar. Die Erkrankung heilt meist spontan aus, was allerdings Monate dauern kann. Infektionen dieser Art sind in Mitteleuropa aber selten, in tropischen und subtropischen Regionen aber eine der häufigsten Hauterkrankungen. Darüber hinaus kann A. caninum auch eine Darmentzündung mit Anzeichen eines akuten Bauchs auslösen.
Von den Filarien sind der Herzwurm (Dirofilaria immitis) und Dirofilaria repens Zoonoseerreger. D. immitis ist für den Menschen nur selten krankheitsauslösend, obwohl etwa 20 % der Bevölkerung in Endemiegebieten Antikörper aufweisen. Zumeist kommt es zu einer Abkapselung der Larven in der Lunge. Für D. repens sind mehr als 400 Fälle beschrieben, in Europa vor allem in Italien und Frankreich. Die Seroprävalenz beim Menschen liegt in Italien bei 68 %, in Frankreich bei 22 %. Die adulten Würmer wandern vor allem in die Unterhaut, können sich aber in alle möglichen Organe einnisten.
Der Hund stellt für die Verbreitung der Trichinellose nur in wenigen Regionen der Welt eine Rolle. In China ist der Verzehr von Hundefleisch eine wichtige Infektionsquelle für den Menschen. Für den Befall mit dem Augenwurm (Thelaziose) sind bislang vier Fälle beim Menschen in Italien und Frankreich beschrieben, insbesondere unter der ärmeren Bevölkerung in Asien ist die Erkrankung aber weit verbreitet. Darüber hinaus können Hunde zur Verbreitung von nicht wirtsspezifischen Parasiten wie dem Riesennieren- oder Medinawurm beitragen. Die epidemiologische Bedeutung des Haushundes für Infektionen des Menschen ist für diese Parasiten allerdings bislang nicht untersucht.

Bandwurmerkrankungen beim Hund

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