Fossile Fundgrube Bernstein

von Robert B.

Vor allem Insekten, Kleingetier und Pflanzenteile

Bernstein wird den meisten als fossiles Baumharz bekannt sein. Es entstand vor Millionen von Jahren in den „Bernsteinwäldern“ und wurde als ausgehärtete Harztropfen innerhalb weniger Jahrtausende von Sedimenten eingeschlossen. Das war notwendig, um dieses ausgehärtete Baumharz vor Sauerstoff abzuschirmen. In einem feuchten Boden würde es sich ansonsten zersetzen. Über viele Millionen Jahre ruhen Bernsteinvorkommen, die bis in die Dinosaurierzeiten zurück gehen können. Es werden weltweit viele Tonnen Bernstein gefördert, einzelne Klumpen können mehrere Kilo schwer sein. Sie werden für Schmuck, Verzierungen oder auch als Räuchermaterial verwendet. Bernstein ist entzündlich und beim Verbrennen aromatisch. Bislang ist es noch nicht möglich, zu ermitteln, welche Baumart das Harz von einem Bernstein ursprünglich produzierte. Da Bernstein verteilt über viele Millionen Jahre an verschiedenen Orten der Welt entstand und vermutlich noch entsteht, kann vermutet werden, dass Bernstein aus ganz unterschiedlichen, stark harzenden Baumarten entstehen kann.

Für Beutelwolf-Leser wird es jedoch an der Stelle interessant, an der Bernstein als kleines fossiles Artefakt Abdrücke oder Teile von Tieren und Pflanzen in die Gegenwart transportiert. Das frische Harz ist sehr klebrig und hält Tiere oder Pflanzenteile fest. Das Harz, aus dem Bernstein überwiegend entstand oder entsteht, ist vermutlich zähflüssig und schnell aushärtend. Wird z.B. ein Käfer eingeschlossen, dann gibt es um dessen Körper Trübungen, da enthaltene Flüssigkeiten oder Gase mit dem Bernstein reagieren. Aufgrund der Beobachtungen wird gefolgert, dass vom Einschließen bis zum Aushärten nicht viel Zeit vergehen kann. Es wäre nicht unlogisch, dass es Bäume gibt, an deren Wunden viel Harz austritt und von einer Beschaffenheit ist, dass es schnell härtet. Wenn die Bestandteile, die es flüssig halten, sich schnell verflüchtigen, dann härtet es immerhin schnell aus.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Einschlüsse. Es kann sein, dass ein Insekt auf dem frischen Harz landet und darin versinkt. Es kann sein, dass das fließende Harz das ruhende Insekt erfasst und nach und nach verschlingt. Wenn ein einzelner Bernstein mehrere Kilo schwer sein kann, so wird auch ein großer und harzreicher Baum diese Masse nicht innerhalb von zwei Minuten austreten lassen. Es ist sogar ganz normal, dass die Wunde immer wieder einreißt und neues Harz austritt.

Eine andere Möglichkeit für Artefakte besteht darin, dass nur ein Abdruck im Bernstein bleibt oder das Insekt nur teilweise im Bernstein eintauchte. Das liegt auch daran, dass gefangene Tierchen gerne von anderen Tieren abgefressen werden.

Neben kleinen oder größeren Insekten sind auch Haare, in seltenen Fällen auch kleine Wirbeltiere oder Federn als tierische Artefakte in Bernstein zu finden. Auch Pflanzenteile sind häufig im Bernstein eingetaucht. Im baltischen Bernstein dominiert die Bernsteinsorte Succinit. Auch in anderen Abbauregionen ist im Succinit fast immer das „Sternhaar“ enthalten, wenn der Bernstein als sogenannte „Schlaube“ entstand. Es handelt sich um Trichome-Härchen, die vermutlich von Eichenbäumen stammen. Diese harmonierten möglicherweise mit anderen Bäumen, die zu einer häufigen und starken Harzbildung neigten.

Dinosaurier nachzüchten?

Jurassic Park hat die Idee aufgegriffen, die bereits aufgrund der Mammut-Funde in Sibirien diskutiert wird: Kann mit fossiler DNA das einstige Leben künstlich reanimiert werden? Zum einen ist das alles andere als leicht, da man nicht Körperzellen, sondern Stamm- oder Keimzellen braucht, die sich automatisch in benötigte Körperzellen wandeln. Zum anderen müssten diese nötigen Spenderzellen wenigstens so intakt sein, dass man sie auslesen und nachbilden kann. Auch das wäre bei einem komplexen Lebewesen ein unvorstellbarer Aufwand. Aber genau diese komplett erhaltene und intakte DNA eines Lebewesens wird man kaum aus einem millionen Jahre altem Fossil gewinnen können. Beim Bernstein kommt erschwerend hinzu, dass dieser eingeschlossene Insekten oder Pflanzen nicht vor Sauerstoff abschirmt. Bernstein ist als Substanz nicht luftdicht. Sollte die DNA erhalten bleiben, müsste das Insekt im Bernstein direkt nach dem Aushärten in einer Sedimentschicht vom Sauerstoff abgeschlossen und nach dem ausgraben direkt gesichert werden. Auch dann würde die DNA mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit in dieser „Zeitreise“ beträchtlichen Schaden nehmen.

Es lässt sich also erklären, dass nach dem heutigen Stand der Technik oder Forschung vermutlich niemals ein jahrmillionenaltes Tier aus einem Bernstein- oder sonstigem Fund wieder zum Leben erweckt werden kann.

Sauerstoffabschluss

Der Bernstein schirmt seine Einschlüsse also nicht von Sauerstoff ab und muss selber in einer Sedimentschicht vor dem Sauerstoff geschützt werden, damit er die Zeit überdauert. Bis der ausgehärtete Bernstein jedoch genügend vor Sauerstoff abgeschirmt wird, vergehen praktisch immer Jahre, eher Jahrhunderte. Die Einschlüsse im Bernstein sind damit häufig nur noch als Hohlräume vorhanden, die auch ein paar fossile Reste von den Tierchen oder Pflanzen enthalten können. Die Tierchen oder Pflanzenteile vergehen im Normalfall zum Großteil. Dennoch können selbst diese Abdrücke und Reste sehr interessant sein. In vielen Abbauregionen kommen auf eine Tonnen Bernstein mehrere tausend Einschlüsse. Die meisten dieser Einschlüsse sind unbedeutend oder in ihrer Art häufig. Dennoch gibt es laufend interessante Einschlüsse, die sich dank der modernen Technik inzwischen sogar in dunklem Bernstein genau erfassen lassen. Die Kleintierchen werden wie auf einem Foto festgehalten, oft sogar noch im Todeskampf. Damit kann sich die Wissenschaft ein sehr genaues Bild von diesen Tierchen machen.

Oft kann nicht einmal mehr festgestellt werden, wann oder wo der Bernstein genau entstand, da er in der Erdgeschichte bewegt und umgebettet wurde. Wenn jedoch zwei oder noch mehr verschiedene Einschlüsse in einem Bernstein auftreten, gibt das wichtige Hinweise. Diese Lebewesen müssen damit zur gleichen Zeit gelebt haben. Kann eines dieser Lebewesen bereits einer Zeit und Region zugeordnet werden, so ermöglicht das Rückschlüsse auf die anderen Lebewesen. Auch deswegen ist Bernstein eine sehr wichtige fossile Fundgrube, auch für die Pflanzenwelt.

Wer sich als Beutelwolf-Leser eher für die Gegenwart interessiert: Viele Informationen zu heutigen Pflanzen, die in heimischen Gärten typisch sind, gibt es hier: https://www.garten-wissen.com/

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