Vertreter der Pachycephalosaurier 2

Bislang ist von Pachycephalosaurus nur der Schädel bekannt. Charakteristisch war wie bei allen Pachycephalosauriern das stark verdickte Schädeldach, das aus dem Stirnbein (Frontale) und dem Scheitelbein (Parietale) gebildet wurde. Es war kuppelartig aufgewölbt und bis zu 25 Zentimeter dick. Seitlich und hinten auf dem Schädel befanden sich knöcherne Höcker, auch das Nasenbein wies einige nach oben ragende höckerartige Auswüchse auf. Die Zähne waren – soweit bekannt – sehr klein und wiesen dreieckige, leicht gezackte Kronen auf. Möglicherweise besaß Pachycephalosaurus wie andere Pachycephalosaurier unterschiedliche Zahntypen.
Der übrige Körperbau dieses Dinosauriers ist nicht bekannt. Vermutlich bewegte er sich wie die anderen Pachycephalosaurier biped (auf den verlängerten Hinterbeinen) fort. Gregory S. Paul schätzte ihn im Jahr 2010 auf 4,5 Meter Länge und ein Gewicht von 450 Kilogramm.
Der Bau der Zähne lässt auf eine vorwiegend pflanzliche Ernährung schließen, möglicherweise ergänzt durch Insekten. Meistdiskutierte Frage der Paläobiologie von Pachycephalosaurus ist wohl die Funktion des verdickten Schädeldaches. Seit den 1950er-Jahren ist die These populär, diese seien für Rammstöße – etwa bei Kämpfen um das Paarungsvorrecht – verwendet worden, ähnlich wie bei den heutigen Dickhornschafen. Andere Meinungen besagen, diese Tiere hätten damit Stöße auf die Flanken des Gegners durchgeführt oder die auffälligen Schädelstrukturen seien nur zur Zurschaustellung oder zur Identifikation verwendet worden. Näheres dazu siehe bei Funktion des Schädeldachs bei den Pachycephalosauria.
Fossile Überreste von Pachycephalosaurus wurden in Wyoming, South Dakota und Montana in den USA gefunden. Neben einem fast vollständigen Schädel sind auch einige isolierte Schädeldächer bekannt. Zunächst wurden die Funde 1931 von Charles W. Gilmore in die Gattung Troodon eingeordnet. Erst 1943 erkannten Barnum Brown und Erich Schlaikjer, dass es sich dabei um eine neue Gattung handelte, für die sie den Namen Pachycephalosaurus prägten.
Der Name leitet sich von den Wörtern pachys (=„dick“), kephale (=„Kopf“) und saurus (=„Echse“) ab. Sämtliche Funde werden auf die Oberkreide (spätes Maastrichtium) vor ca. 69 bis 66 Millionen Jahren datiert, damit zählt Pachycephalosaurus zu den jüngsten bekannten Dinosauriern.
Heute wird mit P. wyomingensis nur eine Art in der Gattung Pachycephalosaurus anerkannt. Brown und Schlaikjer hatten noch zwei weitere Arten, P. grangeri und P. reinheimeri, beschrieben. Auch die bereits 1872 von Joseph Leidy anhand eines Schuppenbeins beschriebene Gattung Tylosteus gilt heute als Synonym von Pachycephalosaurus.
Die systematische Stellung innerhalb der Pachycephalosauria ist nicht restlos geklärt. Traditionell wurde Pachycephalosaurus der Gruppe mit kuppelförmigem Schädel („Pachycephalosauridae“) zugeordnet, seit der Entdeckung des flachköpfigen, aber möglicherweise eng mit Pachycephalosaurus verwandtem Dracorex ist diese Sichtweise ins Wanken geraten. Nach Meinung von R. Sullivan bildet Pachycephalosaurus zusammen mit Dracorex und Stygimoloch eine Gruppe eng verwandter Dinosaurier, die Pachycephalosaurini. John Horner und Mark Goodwin nehmen an, dass Dracorex und Stygimoloch jüngere Wachstumsstadien von Pachycephalosaurus darstellen und weisen für die Gattung eine extreme Änderung der Schädelform im Laufe des Wachstums nach.

Von Alaskacephale ist bislang nur ein nahezu komplettes linkes Schuppenbein (Squamosum) – ein Schädelknochen – bekannt. Dieses weist wie bei allen Pachycephalosauriern kleine knöcherne Höcker auf. Von anderen Dinosauriern dieser Gruppe unterscheidet es sich aber darin, dass zwei leicht auseinandergehende Höckerreihen vorhanden sind, und die Höcker eine vieleckige Basis sowie eine deutliche Spitze aufweisen. Ansonsten ist über diesen Dinosaurier nichts bekannt.
Die fossilen Überreste von Alaskacephale wurden in der Prince-Creek-Formation im US-Bundesstaat Alaska gefunden und von Roland Gangloff et al. 2005 zunächst als namenloser Pachycephalosaurier beschrieben. 2006 prägte Robert Sullivan den Gattungsnamen Alaskacephale, der sich vom Fundort und dem griechischen kephalē (=„Kopf“), einem häufigen Namensbestandteil von Pachycephalosauriern, ableitet. Typusart ist A. gangloffi. Die Funde werden in die Oberkreide (oberes Campanium) auf ein Alter von ca. 76 bis 72 Millionen Jahre datiert.

Von Colepiocephale sind bislang nur Teile des Schädels bekannt. Das Schädeldach setzt sich aus dem zusammengewachsenen Stirn- und Scheitelbein (Frontoparietale) zusammen und ist wie bei allen Pachycephalosauriern auffallend verdickt. Es ist gewölbt, die Schädelfenster der Schläfenregion sind geschlossen, womit dieser Dinosaurier zu den kuppelköpfigen Pachycephalosauriern zählt. Charakteristisch für Colepiocephale ist die starke Abwärtsbiegung des Scheitelbeins sowie Merkmale im Bau des Schuppenbeins (Squamosum). Die Funktion des verdickten Schädeldachs ist wie bei allen Pachycephalosauriern umstritten (siehe dazu Funktion des Schädeldachs bei den Pachycephalosauria). Ebenso ist nichts über den sonstigen Körperbau dieses Dinosauriers bekannt.
Die fossilen Überreste von Colepiocephale wurden in der Foremost-Formation in der kanadischen Provinz Alberta gefunden und 1945 von Sternberg erstbeschrieben, allerdings noch unter der Bezeichnung Stegoceras lambei. Später wurde bezweifelt, ob es sich überhaupt um eine gültige Art handelt, doch Robert Sullivan hielt 2003 nicht nur die Art für gültig, sondern auch die Unterschiede für bedeutsam genug, um die Funde in eine neue Gattung Colepiocephale zu stellen.
Die Überreste von Colepiocephale werden in die Oberkreide (mittleres Campanium) auf ein Alter von etwa 80 bis 76 Millionen Jahre datiert. Damit zählt diese Gattung zu den ältesten zweifelsfrei den Pachycephalosauriern zugehörigen Dinosauriern. Umstrittene Funde dieser Dinosauriergruppe sind allerdings weit älter.

Dracorex hogwartsia ist bislang nur durch einen Fossilfund dokumentiert, der hauptsächlich aus einem nahezu vollständigen fossilisierten Schädel mit Zähnen besteht. Die anatomischen Merkmale des etwa 45 Zentimeter lange Schädels von Dracorex erlauben eine eindeutige Zuordnung des Dinosauriers zu den Pachycephalosauriden. Der Schädel zeigt ein Nebeneinander von ursprünglichen und modernen, abgeleiteten Merkmalen. Ein solches abgeleitetes und für die Gattung charakteristisches Merkmal ist das Fehlen einer Schneidekante an der Spitze des Oberkiefers. Der Knochen ähnelt an dieser Stelle der rauen Kauplatte der Rundschwanzseekühe in verkleinerter Form. Ungewöhnlich für einen Pachycephalosauriden der ausgehenden Kreidezeit ist das flache Schädeldach, also das Fehlen des durch extreme Verdickung der Schädelknochen gebildeten Knochendoms, wie er für die bislang bekannten Vertretern dieser Untergruppe typisch ist. Der Pachycephalosaurier-Spezialist Robert Sullivan hat daher die These entwickelt, dass – anders als in den Lehrbüchern beschrieben – die Entwicklung nicht von den flachschädeligen zu den kuppelschädeligen Formen verlief, sondern umgekehrt, also ein flacher Schädel das abgeleitete Merkmal ist. Andere Wissenschaftler vertreten hingegen die These, dass es sich bei Dracorax lediglich um ein juveniles Exemplar von Pachycephalosaurus handelt, da die starke osteodermale Skulpturierung aus Buckeln, Stacheln, Hörnern und Kämmen auf Schädeldach und Oberkiefer von Dracorex der von Pachycephalosaurus nicht unähnlich sei.
Das Aussehen des Postkranialskeletts, der Teil des Skeletts ohne den Schädel, wird größtenteils nach Stegoceras rekonstruiert, da von dieser verwandten Gattung entsprechende Funde vorliegen. Einige Partien orientieren sich an dem flachschädeligen Homalocephale. Dracorex dürfte einschließlich des Schwanzes eine Länge von etwa vier Metern erreicht und sein Gewicht dem eines großen Pferdes entsprochen haben.
Die Hautknochenelemente verleihen dem Tier in Verbindung mit der flachen Schädelkalotte und der langen Schnauze eine gewisse Ähnlichkeit mit den Drachen aus Mythen und Märchen.
Mehr über Dracorex hogwartsia gibt es hier.

Die fossilen Überreste von Gravitholus wurden in der Dinosaur-Park-Formation in der kanadischen Provinz Alberta gefunden und 1979 erstbeschrieben. Der Name leitet sich vom lateinischen gravis (=„schwer“) und dem griechischen tholos (=„Kuppel“) ab und spielt auf das gewölbte Schädeldach an. Typusart und einzig beschriebene Art ist G. albertae. Die Funde werden in die Oberkreide (spätes Campanium), auf ein Alter von rund 75 Millionen Jahre, datiert.
Bislang wurden von Gravitholus nur Teile des Schädeldaches gefunden. Dieses setzt sich wie bei allen Pachycephalosauriern aus dem Stirnbein (Frontale) und dem Scheitelbein (Parietale) zusammen und weist die für diese Dinosauriergruppe typische Verdickung auf. Das Schädeldach dieses Dinosauriers war auffallend hoch und weit, charakteristisch war eine Einbuchtung des Scheitelbeins. Dies ließ dem Gehirn weniger Platz als bei anderen Pachycephalosauriern vergleichbarer Größe, es könnte sich bei dem Fund allerdings auch um ein krankhaft missgebildetes Tier gehandelt haben. Ansonsten ist über diesen Dinosaurier nichts bekannt, seine Länge wird anhand von Vergleichen mit anderen Pachycephalosauriern auf rund 3 Meter geschätzt.
Es ist umstritten, ob es sich bei Gravitholus um eine gültige Gattungsbezeichnung handelt. Manche Forscher wie R. Sullivan sehen die Funde als zu spärlich für eine genaue Beschreibung an und führen diesen Dinosaurier als nomen dubium, andere sehen sie als Synonym von Stegoceras. Die Form des Schädeldaches ist allerdings einzigartig innerhalb der Pachycephalosauria, aufgrund des schlechten Erhaltungszustandes und der möglichen pathologischen Veränderung lässt sich derzeit kein endgültiges Urteil über die systematische Stellung von Gravitholus machen.

Von Hanssuesia sind bislang nur Teile des Schädels bekannt. Das Schädeldach war wie bei allen Pachycephalosauriern verdickt und bestand aus dem zusammengewachsenen Stirn- und Scheitelbein (Frontoparietale). Dieses bildete eine breite, kuppelförmige Struktur. Charakteristisch für diesen Dinosauriern sind außerdem ein eingedrücktes Scheitelbein, ein breiter Vorsprung des Stirnbeins sowie weitere Merkmale im Bau der Schädelknochen. Ansonsten ist über den Körperbau dieses Dinosaurier nichts bekannt.
Die fossilen Überreste von Hanssuesia stammen aus der kanadischen Provinz Alberta und dem US-Bundesstaat Montana. Sie werden in die Oberkreide (spätes Campanium) auf ein Alter von rund 76 bis 72 Millionen Jahre datiert.
Die Funde wurden 1943 unter der heute ungültigen Bezeichnung Troodon sternbergi von Brown und Schlaikjer erstbeschrieben (Troodon gilt heute als theropoder Dinosaurier). Später wurde die Gültigkeit der Art angezweifelt und die Funde in Stegoceras eingeordnet. Robert Sullivan hielt 2003 bei einer Untersuchung von Stegoceras-Überresten die Unterschiede für bedeutend genug, um sie in eine neue Gattung, Hanssuesia, einzuordnen. Der Gattungsname ehrt den US-amerikanischen Paläontologen Hans-Dieter Sues.

Von Prenocephale sind ein kompletter Schädel und Teile des Körperskeletts bekannt, er zählt also zu den besser erhaltenen Pachycephalosauriern. Mit geschätzten 2,4 Metern Länge gehört er zu den kleineren Vertretern dieser Gruppe. Charakteristisch war wie bei allen Pachycephalosauriern das verdickte Schädeldach. Dieses bestand aus den zum Frontoparietale zusammengewachsenen Stirn- und Scheitelbein. Das Schädeldach war aufgewölbt, Prenocephale zählt somit zu den kuppelköpfigen Pachycephalosauriern, die oberen Schädelfenster der Schläfenregion waren geschlossen. Seitlich und hinten auf dem Schuppenbein (Squamosum) war eine Reihe knöcherner Höcker, auch im Bereich der Augenhöhle und am Nasenbein befanden sich Knochenhöcker. Die Funktion dieses verdickten Schädeldachs ist immer noch umstritten, unklar ist, ob damit Rammstöße gegen den Kopf oder den Rumpf des Gegners durchgeführt wurden oder ob es nur der Zurschaustellung diente. (Siehe dazu Funktion des Schädeldachs bei den Pachycephalosauria.)
Am Zwischenkieferknochen (Praemaxillare, dem vordersten Teil des Oberkiefers) befanden sich drei eckzahnähnliche, leicht gebogene Zähne, von denen der dritte der größte war. Dahinter klaffte eine Lücke, die Zähne des Oberkiefers trugen dreieckige, leicht gezackte Kronen. Wie alle Pachycephalosaurier dürfte sich Prenocephale vorwiegend pflanzlich ernährt haben, möglicherweise ergänzt durch Insekten.
Dieser Dinosaurier bewegte sich biped (zweifüßig) fort, die Hinterbeine waren deutlich länger als die Vorderbeine. Das Becken war wie bei allen Pachycephalosauriern sehr breit gebaut.
Fossile Überreste von Prenocephale stammen aus der Provinz Ömnö-Gobi-Aimag in der Mongolei und wurden 1974 von Maryańska und Osmólska erstbeschrieben. Der Name leitet sich von den griechischen Wörtern prenes (=„geneigt, schief“) und kephale (=„Kopf“), einem häufigen Namensbestandteil von Pachycephalosauriern, ab. Typusart ist P. prenes. Der Fund wird in die Oberkreide (spätes Campanium bis frühes Maastrichtium) auf ein Alter von ca. 76 bis 69 Millionen Jahren datiert.
Während viele Werke mit P. prenes nur eine Art anerkennen, schließt R. Sullivan drei weitere Arten in die Gattung Prenocephale ein: P. brevis und P. edmontonensis (die üblicherweise in Stegoceras eingerechnet werden) und P. goodwini (der üblicherweise in einer eigenen Gattung Sphaerotholus geführt wird). Damit kämen auch drei nordamerikanische Taxa zu dieser Gattung hinzu, was die geographische und zeitliche Ausbreitung von Prenocephale erweitern würde.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen