Wissenswertes über den Dingo

Portrait: Dingo
Der Dingo in Brehms Tierleben

Zuverlässige Daten über die exakten ökologischen, ökonomischen und sozialen Auswirkungen von wilden Hunden gibt es bisher nicht. Zudem hängt die Bedeutung von wilden Hunden von verschiedenen Faktoren ab und eine Trennung zwischen Dingos und anderen Haushunden wird nicht zwangsläufig getätigt.

Dingo (The Cambridge Natural History, Volume X—Mammalia)

Dingo (The Cambridge Natural History, Volume X—Mammalia)

Es wird vermutet, dass der Dingo für das Aussterben des Beutelwolfes, des Tasmanischen Teufels und des Tasmanischen Pfuhlhuhns auf dem australischen Festland verantwortlich ist, da die Ankunft des Dingos und das Aussterben dieser Arten zeitlich zusammenfallen. Abgesehen davon scheinen Dingos aber nicht den gleichen Einfluss auf die heimische Fauna gehabt zu haben, wie ihn beispielsweise später Rotfüchse hatten. Dies könnte mit ihrer Jagdweise und der Größe der bevorzugten Beute, sowie der geringeren Zahl an Dingos in der Zeit vor der europäischen Kolonialisierung zusammenhängen.
Beutelwolf und Dingo zeigen Überschneidungen im Aktivitätsmuster und damit wohl auch im Beutespektrum. Auf Neuguinea, wo statt des Dingos der Hallstrom-Hund vorkommt, starb der Beutelwolf ebenfalls aus. Dingos und Beutelwölfe lebten nachweislich eine Zeit lang nebeneinander auf dem Festland. Eine Verdrängung durch Konkurrenzunterlegenheit des Beutelwolfs wurde daher von Heinz Möller als wenig wahrscheinlich angesehen. Auch von anderer Seite wurde diese Ansicht bisweilen kritisiert und argumentiert, dass das Aussterben des Beutelwolfes auf dem Festland lediglich Teil eines bereits länger andauernden ökologischen Zerfalls war, welcher schon Jahrtausende vorher durch das Eintreffen des Menschen ausgelöst wurde.
Die Annahme, der Dingo hätte den Beutelwolf verdrängt, wurde zuerst im Jahr 1837 vorgetragen, fand aber wenig Zustimmung. Es wurde stattdessen angenommen, dass der Beutelwolf den Dingo von Tasmanien verdrängt hätte. Erst in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde diese Annahme unter Wissenschaftlern populär.
Die Annahme, dass Dingo und Beutelwolf Nahrungskonkurrenten waren, beruht auf der äußerlichen Ähnlichkeit der beiden Arten. Der Beutelwolf hatte einen stärkeren und effizienteren Biss, war aber wohl darauf angewiesen, relativ kleine Beute zu erlegen, während der stärkere Schädel und Hals dem Dingo erlauben, auch große Beute zu erlegen.Der Dingo wäre dabei der überlegene Räuber, da er koordiniert in Rudeln jagen und Ressourcen besser verteidigen konnte, während der Beutelwolf vermutlich einzelgängerischer war. Zudem könnten wilde Populationen von Dingos Unterstützung durch Artgenossen aus der Nähe des Menschen gehabt oder einige Krankheiten eingeschleppt haben, für die der Beutelwolf anfällig war. Das Aussterben des Beutelwolfes auf dem Kontinent vor etwa 2000 Jahren wurde auch mit Veränderungen des Klimas und der Landnutzung durch die Ureinwohner in Verbindung gebracht. Den Dingo als Ursache zu benennen, ist zwar plausibel, es gibt aber deutliche morphologische Unterschiede zwischen beiden, was darauf hindeutet, dass die ökologische Überlappung beider Arten übertrieben sein könnte. Der Dingo hat eher das Gebiss eines Generalisten, während der Beutelwolf das eines Fleischspezialisten (ohne Merkmale für den Verzehr von Aas und Knochen) hat. Ebenso wurde argumentiert, dass der Beutelwolf ein flexibler Räuber war, der der Konkurrenz durch den Dingo hätte widerstehen müssen, und stattdessen durch menschliche Verfolgung ausgestorben sei.
Ebenso hat diese Theorie die Frage zu erklären, warum der Dingo und der Tasmanische Teufel bis vor etwa 430 Jahren auf demselben Kontinent existiert haben, wenn der Dingo dessen Aussterben bewirkt haben soll. Eigentlich hätte die Gruppendynamik der Dingos den Teufel erfolgreich von Aas fernhalten können, und da Dingos Knochen knacken können, wäre für den Teufel nicht viel übrig geblieben. Zudem sind Teufel auch erfolgreiche Jäger von kleiner bis mittlerer Beute, und es hätte daher ebenso eine Überschneidung bei lebender Beute gegeben. Zudem stehen die Argumente, dass der Dingo das Aussterben des Beutelwolfes, des Teufels und des Pfuhlhuhn ausgelöst haben soll, im Gegensatz zueinander. Wenn der Dingo in seiner ökologischen Rolle dem Teufel und dem Beutelwolf ähnlich genug gewesen sein soll, um beide zu verdrängen, ist es eigenartig, dass das Pfuhlhuhn so lange mit beiden koexistieren konnte. Dies ist zwar möglich, die Hinweise darauf werden aber von Kritikern als schwach angesehen.
Untersuchungen aus dem Jahre 2013 legen jedoch den Schluss nahe, dass das Aussterben von Tasmanischem Teufel und Beutelwolf eher der zur gleichen Zeit stattfindenden Bevölkerungsexplosion vor etwa 5000 Jahren geschuldet ist.

Heute wird der Dingo sowohl von vielen Biologen als auch Umweltschützern als Teil der australischen Fauna angesehen, vor allem weil diese Hunde schon vor Ankunft der Europäer dort existierten und eine gegenseitige Anpassung von Dingo und Ökosystem stattgefunden hat. Es gibt aber auch die gegenteilige Ansicht, dass der Dingo nur ein weiteres eingeschlepptes Raubtier beziehungsweise nur in Thailand heimisch sei.
Vieles zur heutigen Stellung der wilden Hunde in den australischen Ökosystemen und speziell im urbanen Raum ist noch ungeklärt (es wurde aber nachgewiesen, dass Dingos zu einer ganzjährigen Fortpflanzung bei Sumpfwallabys führen[109]). Zwar versteht man die ökologische Rolle von Dingos in Nord- und Zentralaustralien, die von wilden Hunden im Osten des Kontinents aber weit weniger. Entgegen einigen Behauptungen ist aber klar widerlegt worden, dass Dingos generell schädlich für das australische Ökosystem sind. Es wird meist angenommen, dass sie einen positiven Effekt haben.
Dingos gelten als Hauptbeutegreifer und üben womöglich generell eine ökologische Schlüsselfunktion aus. Daher gilt es als wahrscheinlich (mit zunehmenden Hinweisen aus der wissenschaftlichen Forschung), dass sie die Vielfalt innerhalb der Ökosysteme kontrollieren, indem sie die Zahl der Beutetiere und Konkurrenten in Grenzen halten. Wilde Hunde jagen verwildertes Nutzvieh wie Ziegen und Schweine (sie gelten als einzige potentielle Beutegreifer von Kamelen[29]); sowie heimische Beutetiere und eingeschleppte Wildtiere (z. B. Rothirsche). Eventuell beruht die geringere Verbreitung von wilden Ziegen in Nordaustralien auf der Anwesenheit der Dingos, ob sie deren Populationen wirklich regulieren, ist nach wie vor diskussionswürdig. Auch könnten wilde Hunde ein Faktor sein, der die Ausbreitung verwilderter Pferde einschränkt.
Untersuchungen aus dem Jahr 1995 in den nördlichen Feuchttropen Australiens kamen zu dem Schluss, dass Dingos die Zahl der verwilderten Schweine dort nicht verringerten, sondern ihre Raubzüge lediglich zusammen mit dem Vorkommen von Wasserbüffeln (die den Schweinen Zugang zu Nahrung erschweren) einen Einfluss auf die Schweinepopulation haben.Die Auswertung von Daten über die Beziehung von Dingos und verwilderten Hausschweinen in Queensland von 1945 bis 1976 deutete allerdings darauf hin, dass Dingos dort bedeutende Beutegreifer von Hausschweinen waren.
Es gab Beobachtungen zur gegenseitigen Beeinflussung von Dingos und Fuchs- und Katzenpopulationen und Hinweise, dass Dingos Rotfüchsen und Hauskatzen den Zugang zu bestimmten Ressourcen versperren. Daher wird angenommen, dass ein Verschwinden der Dingos zu einem Anstieg der Populationen von Rotfüchsen und verwilderten Katzen und damit einem erhöhten Druck auf kleinere heimische Tiere führen kann. Bei Untersuchungen konnte festgestellt werden, dass die Anwesenheit von Dingos einer der Faktoren ist, der die Zahl der Rotfüchse in einem Gebiet niedrig hält, wodurch der Druck auf andere heimische Arten abnimmt und diese aus betroffenen Gebieten nicht verschwinden. Ebenso konnte nachgewiesen werden, dass landesweit die Fuchspopulation dort besonders hoch ist, wo Dingozahlen niedrig sind, allerdings wurde in Betracht gezogen, dass je nach Gebiet auch andere Faktoren dafür verantwortlich sein könnten.Ebenso wurde aus Teilen Australiens berichtet, dass die Zahl der verwilderten Hauskatzen zunahm, nachdem die Zahl der Dingos durch Kontrollmaßnahmen abgenommen hatte. Tatsächlich wurde bei einem Experiment in Süd-Australien direktes Töten von Rotfüchsen durch Dingos nachgewiesen, wobei anscheinend alle Versuchsfüchse von Dingos getötet wurden. Im gleichen Experiment konnte auch nachgewiesen werden, dass Dingos 2 von 5 Hauskatzen töteten und am Ende des Experiments als einzige der drei Beutegreiferarten übrig blieben. Bei Untersuchungen in den Gebieten der Blue Mountains in New South Wales fand man Hinweise auf eine Konkurrenz zwischen wilden Hunden und Rotfüchsen, da es viele Überschneidungen im Beutespektrum gab. Allerdings fanden sich nur Hinweise auf lokale Konkurrenz, nicht im großen Maßstab. Untersuchungen, die im Jahr 2011 veröffentlicht wurden, ergaben ebenfalls ein großes Potential für zwischenartliche Konkurrenz, wiesen Tötungen von Füchsen durch Dingos nach und kamen zu dem Schluss, dass das Vorhandensein von Dingos kleineren Beutearten zum Vorteil gereichen könnte. Es ist aber auch möglich, dass Dingos in Gebieten mit ausreichend Nahrung (beispielsweise hoher Kaninchenzahl) und Versteckmöglichkeiten Seite an Seite mit Rotfüchsen und Hauskatzen vorkommen können, ohne dass die Zahl der Katzen und Rotfüchse abnehmen würde. Über die Beziehung von wilden Hunden und verwilderten Hauskatzen (beide existieren in den meisten Gebieten gemeinsam) ist fast nichts bekannt. Zwar fressen wilde Hunde auch Katzen, inwieweit das die Population aber beeinflusst, ist unbekannt. Wilde Hunde leben in vielen Gebieten gemeinsam mit allen Beutelmarderarten, außer dem östlichen Beutelmarder, der wohl auf dem Kontinent ausgestorben ist, und gelten daher nicht als Bedrohung für diese.
Ebenso könnte ein Verschwinden der Dingos ein Überhandnehmen von Roten Riesenkängurus und Kaninchen bewirken. In den Gebieten, die nicht vom Dingozaun eingeschlossen sind, ist die Zahl der Kängurus und Emus niedriger als innerhalb, wobei die Zahl je nach Gebiet und Zeit wechselte. Da die Umwelt auf beiden Seiten des Zauns gleich ist, gilt der Dingo als starker Faktor in der Regulation dieser Tiere. Deshalb wird von einigen Seiten gefordert, Dingopopulationen in Gebieten mit geringer Dichte ansteigen zu lassen oder sie wieder einzuführen, um den Druck auf bedrohte Populationen heimischer Arten zu mindern und sie in bestimmten Gebieten wieder ansiedeln zu können. Bei einer Studie aus dem Jahr 2009 fand man Hinweise, dass bestimmte bedrohte Arten dort in stabilen Populationen vorkommen, wo es auch stabile Dingopopulationen gibt. Die Ergebnisse einer anderen Studie (veröffentlicht im selben Jahr) brachten die Forscher zu dem Schluss, dass eine Wiedereinführung des Dingos in derzeit hundefreie Gebiete die dortigen Ökosysteme durch Unterdrücken eingeführter Arten wieder restaurieren würde.
Hierbei gibt es aber auch kritische Stimmen, die darauf hinweisen, dass aufgrund der starken Veränderungen in der australischen Landschaft seit der Ankunft der Europäer ein positives Management von Dingos nicht zwangsläufig ein Erholen von gefährdeten Arten zur Folge hat und diese Hunde auf lokaler Ebene sogar bereits gefährdete Arten bedrohen.

Das Aussehen eines wilden Hundes ist für seine ökologische Bedeutung wohl unbedeutend. Hierbei kommt es eher darauf an, was ein Hund tut, sprich welchen Platz im Ökosystem er einnimmt und welche Auswirkungen er hat. Im Gegensatz dazu ist das Aussehen eines wilden Hundes in Hinsicht auf seine kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung mitunter sehr wichtig. Hier wird oft verlangt, dass der wilde Hund äußerlich dem entspricht, was erwartet wird, also entweder ein Dingo („reiner“ Dingo) ist oder wie einer aussieht. Bei der wirtschaftlichen Bedeutung bezieht sich das bisher aber wohl nur auf die Fälle wo der „reine“ Dingo beispielsweise als Touristenattraktion gilt. Wo wilde Hunde als Schädlinge angesehen werden, spielt das Aussehen (wenn überhaupt) wohl nur eine sehr untergeordnete Rolle.
Welche Bedeutung wilde Hunde im urbanen Bereich haben und ob sie eine Gefahr für Menschen (direkte Angriffe, Krankheiten und weiteres) sind, ist noch nicht geklärt.
Ansichten über den Dingo beruhten oft auf seiner wahrgenommenen „Schläue“ und dass er auf dem Punkt zwischen wild und zivilisiert sitzt.
Einige der frühen europäischen Siedler verglichen Dingos mit Haushunden und sahen sie als solche an, andere verglichen sie dagegen mit Wölfen. Als Dingos mit der Zeit begannen, Schafe zu reißen, veränderte sich die Haltung der Einwanderer zu ihnen sehr schnell: Man sah sie als verschlagen und feige an, da sie sich nach Ansicht der Europäer nicht einem Kampf stellen und einfach im Busch verschwinden würden. Dingos würden nicht aus Hunger töten, sondern aus Boshaftigkeit (ähnliches wird heute auch von Dingomischlingen behauptet). Ebenso wurden sie bald als promisk oder Teufel, mit einem giftigen Biss oder Speichel ausgestattet bezeichnet und Vorbehalte, sie zu töten, waren nicht notwendig. Mit der Zeit bekamen Fallensteller ein bestimmtes Prestige für ihre Arbeit, vor allem wenn die Dingos, die sie erlegten, besonders schwer zu fangen waren. Dingos wurden somit schnell mit Dieben, Vagabunden, Buschläufern und den Gegnern im Parlament gleichgesetzt. Der älteste Hinweis darauf, dass Politiker ihre Gegner als Dingos (damit als feige und verräterisch) bezeichneten, stammt aus den 1960er Jahren und wurde danach sehr populär.Bis heute steht das Wort Dingo im australischen Slang für Feigling und Betrüger und Verb- und Adjektivform haben die entsprechende Bedeutung.

Im heutigen Australien ist die Identität des Dingos komplex und ambivalent. Und wenn es sich auch nicht um das einzige australische Lebewesen handelt welches auf dramatisch unterschiedliche Art und Weise wahrgenommen wird, so ist der Dingo vermutlich von allen das Lebewesen mit der meisten Ambivalenz in der öffentlichen Wahrnehmung. Das Bild vom Dingo reicht von einer romantischen Verklärung als völlig harmlos, Maskulinisierung bis zur Dämonisierung als grundsätzliche Gefahr für die Menschen und die Umwelt. Für die einen ist der Dingo ein „lebendes Fossil“ oder ein „wunderschönes, einzigartiges Tier“ und gilt bei manchen auch nicht als Haushund, sondern als Wolf. Dingos werden als Ikone Australiens bezeichnet, die erhalten werden soll (zumindest in „reiner“ Form) und ihr mögliches „Aussterben“ wird auch mit der des Beutelwolfes verglichen. Wo Dingos trotz dieser „Rehabilitation“ als Schädlinge gesehen werden, kann dies bis zu Hass ausarten. Dabei wird mitunter gesagt, dass Dingos die Gesellschaft und das Ökosystem schädigen würden (beispielsweise dass sie grundsätzlich für das Aussterben von heimischer Fauna verantwortlich seien). Dingos (egal ob „rein“ oder nicht) werden dann als Geißel angesehen, die ausgerottet werden muss. In solchen Fällen wird es auch als akzeptabel betrachtet, wenn alle wilden Hunde ausgerottet werden müssen, um ein Menschenleben zu retten. Dabei gibt es auch unter den Bürokraten die Ansicht, dass wilde Hunde grausam gegenüber Schafen und Rindern seien und somit Grausamkeit gegen sie selbst gerechtfertigt sei.

Hunde haben traditionell eine privilegierte Stellung in der indigenen Kultur Australiens (die der Dingo vielleicht vom Beutelwolf übernommen hat) und der Dingo ist ein bekanntes Element von Felsenbildern und Höhlenmalereien. Es gibt Zeremonien (wie die Totenklage am Kap York in Form von Geheul) und Traumzeitgeschichten in Bezug auf den Dingo, die über die Generationen weitergegeben wurden; es existieren starke Gefühle in der Gesellschaft der Aborigines, dass Dingos nicht getötet werden sollten und in einigen Gebieten legen sich Frauen junge Dingos an die Brust. Meistens werden sie mit erstaunlicher Nachsicht behandelt, wobei auch hier die Gründe nicht unbedingt in einer Freundlichkeit liegen müssen, da mitunter auch sehr brutal gegen Hunde vorgegangen wird. Ein großes Zugehörigkeitsgefühl scheint aber dennoch zu bestehen, auch wenn die Gründe nicht immer klar sind. Ebenso wie sich viele Kolonialisten Dingos als Haushunde besorgten, so besorgten sich auch viele Ureinwohner schnell Hunde der Einwanderer. Dieser Prozess ging so schnell voran, dass Francis Barrallier (der erste Europäer, der das australische Inland erforschte) im Jahr 1802 entdeckte, dass ihm bereits fünf Haushunde europäischer Abstammung zuvorgekommen waren. Von mancher Seite wird die Theorie geäußert, dass andere Haushunde die Rolle der „reinen“ Dingos übernehmen werden. Tatsächlich bezeichnet die Mehrzahl der Mythen über Dingos sie einfach als Hunde (ob diese Rolle von anderen Haushunden übernommen wurde oder für die Erzähler kein Unterschied besteht, ist nicht klar) und auch andere eingeführte Lebewesen wie Wasserbüffel und Hauskatzen wurden in einigen Gebieten bereits in die Kultur der Ureinwohner in Form von Ritualen, traditionellen Zeichnungen und Traumzeitgeschichten aufgenommen.

Der Dingo steht in Verbindung mit heiligen Orten, Totems, Ritualen und Charakteren der Traumzeit. Es gibt Geschichten, die besagen, dass Hunde das Übernatürliche sehen können, Wachhunde sind und vor bösen Mächten warnen. Es gibt Hinweise darauf, dass Hunde mit ihren Besitzern bestattet wurden, um sie auch nach dem Tod vor bösen Einflüssen zu beschützen. Die meisten veröffentlichten Mythen über Dingos stammen von Gruppen aus der Westlichen Wüste und zeigen eine erstaunliche Komplexität. In einigen Geschichten spielen Dingos die Hauptrolle, in anderen Nebenrollen. Einmal ist er ein Vorfahre der Traumzeit, der Menschen und andere Dingos erschafft beziehungsweise ihnen ihre Gestalt gibt. Dann gibt es Erklärungen über die Schöpfung, darüber wie gewisse Dinge sind und was man tun sollte. Es gibt Mythen von Gestaltwandlern (Mensch zu Dingo oder Dingo zu Mensch), „Dingomenschen“ und über die Erschaffung bestimmter Landschaften oder Elemente der Landschaft, wie Wasserstellen oder Berge. Ebenso ist er in anderen für den Tod verantwortlich. In anderen Mythen wird Auskunft über soziales Verhalten und Warnungen an die, die sich nicht an die Regeln der Gruppe halten wollen gegeben. Geschichten können Territoriumsgrenzen anzeigen oder Dingos selbst für bestimmte Mitglieder der Gesellschaft stehen, zum Beispiel aufmüpfige Dingos als Warnung für „wilde“ Mitglieder des Stammes. Der Dingo hat in anderen Geschichten auch eine wilde und unkontrollierbare Seite und es existieren viele Geschichten von Dingos, die Menschen töten und fressen (beispielsweise über den Mamu, der den Geist jedes Kindes fängt und frisst, das sich vom Lagerfeuer entfernt). Andere Geschichten erzählen von einem riesigen menschenfressenden Teufels-Dingo, aus dem später die eigentlichen Dingos entstanden. Der Hund erscheint dabei als eine mörderische, bösartige Kreatur, die – von der Abwesenheit von subtilem Verstand abgesehen – einem Trickster ähnelt, da er die Rolle eines spitzbübischen Gegenspielers für ändere mythische Figuren darstellt. Viele mythologische Wesen fallen blutrünstigen Hunden zum Opfer oder entkommen ihnen. Auch hier haben die einzelnen Figuren eine bestimmte Bedeutung und werden mitunter zu Bestandteilen der Landschaft. Auch die Aktionen der Hunde selbst führen beispielsweise dazu, dass aus herumfliegenden Knochen und Fleischstücken Steine und Bäume oder Blut zu rotem Ocker werden.

Wilde Hunde sind für eine Reihe von negativen und unerwünschten Einflüssen auf die Viehwirtschaft in ganz Australien bekannt und gelten in Australien als Schädlinge seit dem Beginn der europäischen Viehwirtschaft. Dabei sind die Schafe die häufigsten Beutetiere, gefolgt von Rindern und Ziegen. Es wurde aber erst vor verhältnismäßig kurzer Zeit damit begonnen, zu erforschen wie groß die Schäden tatsächlich sind und warum das Problem existiert. Es gibt viele Ursachen für den Tod eines Nutztieres und beim Auffinden kann es oft zu spät sein, um sicher sagen zu können, woran das Tier gestorben ist. Da der Ausgang eines Angriffs auf Nutztiere zu einem großen Teil von dem Verhalten und der Erfahrung des Angreifers und der Beute abhängen, gibt es (außer vielleicht direkte Beobachtungen) keinen sicheren Weg, um zu bestimmen, ob ein Angriff von Dingos oder anderen Haushunden ausgeführt wurde. Auch die Überreste von Nutzvieh im Kot von wilden Hunden weist sie nicht zwangsläufig als Schädlinge aus, da sich wilde Hunde auch von Aas ernähren. Genaue Zahlen oder verlässliche Schätzungen zu Schäden durch wilde Hunde sind daher schwer zu bekommen und selten verlässlich. Auch wenn Nutztiere keinen großen Teil der Nahrung der Dingos ausmachen sollten, so sagen diese Beobachtungen nichts über das Ausmaß des Schadens aus, den Dingos der Viehwirtschaft zufügen können.
Die Bedeutung des Dingos als Schädling geht hauptsächlich auf dessen Beutezüge auf Schafe und zu einem geringeren Anteil auf Rinder zurück und hängt nicht allein mit dem direkten Verlust von Nutzvieh zusammen. Schafe jeden Alters sind für Angriffe von Dingos empfänglich, bei Rindern besteht diese Gefahr nur für Kälber. Belästigung von Schafen kann zu weniger optimalen Nutzung des Weidelands und Fehlgeburten führen.

Die Rinderwirtschaft kann niedrige bis mittlere Grade und mitunter sogar hohe Grade an wilden Hunden tolerieren (weshalb Dingos dort nicht so schnell als Schädlinge gelten), bei Schafen und Ziegen besteht eine Null-Toleranz-Haltung. Die größte Gefahr geht dabei von Hunden aus, die innerhalb oder nahe den Koppelgebieten leben. Das Ausmaß an Schafsverlusten ist aufgrund von weiten Weidegebieten in einigen Teilen Australiens nur schwer zu ermitteln. Bei Rindern sind die Verluste weit variabler und nicht so gut dokumentiert. Zwar kann der Verlust an Kälbern bis auf 30 % steigen, der normale Verlust liegt aber bei null bis zehn Prozent. Dabei sind Faktoren wie das Vorkommen heimischer Beute als auch das Abwehrverhalten und die Gesundheit der Rinder bestimmend für die Höhe der Verluste. Eine Studie in Zentralaustralien aus dem Jahre 2003 bestätigte, dass Dingos, wenn genügend andere Beute wie Kaninchen und Kängurus vorhanden sind, nur geringen Einfluss auf die Rinderbestände haben. In einigen Gebieten Australiens geht man davon aus, dass die Schäden für die Rinderwirtschaft minimiert werden können, wenn man Mutterkühe mit Hörnern anstelle von hornlosen einsetzt. Die genaue wirtschaftliche Bedeutung ist in diesem Fall nicht bekannt und es gilt als unwahrscheinlich, dass bei einzelnen Besitzern die Rettung einiger Kälber die Kosten für die Eindämmungsmaßnahmen aufwiegen würden. Kälber erleiden meistens weniger tödliche Verletzungen als Schafe aufgrund ihrer Größe und dem Schutz durch die erwachsenen Rinder und haben eine höhere Chance, Angriffe zu überleben. So kann es vorkommen, dass Hinweise auf Hundeangriffe erst bemerkt werden, wenn die Rinder eingezäunt sind und Spuren wie zerbissene Ohren, Schwänze und andere Wunden entdeckt werden. Die Ansichten von Rinderwirten gegenüber Dingos sind weit variabler als die der Schafwirtschaft und einige Landbesitzer sind der Ansicht, dass es in Dürreperioden besser für die geschwächten Mutterkühe ist, wenn sie ihre Kälber verlieren (und diese dann nicht mehr versorgen müssen) und daher werden Dingos dort selten getötet. Diese Theorie wurde auch von Laurie Corbett vertreten. Ebenso profitiert die Rinderwirtschaft womöglich von den Raubzügen der Dingos auf Kaninchen, Ratten und Kängurus. Zudem hat die Sterblichkeitsrate unter Kälbern viele mögliche Gründe und es ist schwierig zwischen ihnen zu unterscheiden. Als einzig verlässliche Methode, um den Schaden zu erfassen, müssten alle trächtigen Kühe erfasst und das spätere Schicksal der Mutterkühe und der Kälber beobachtet werden. Der Verlust an Kälbern war bei Untersuchungen in Gebieten, in denen der Dingo bekämpft wurde, höher als in anderen. Verluste an Nutzvieh sind somit nicht zwangsläufig auf das Vorhandensein von Dingos zurückzuführen und sind von wilden Hunden unabhängig.

Haushunde sind in Australien die einzigen Landraubtiere, die groß genug sind, um erwachsene Schafe zu reißen und wenige Schafe erholen sich von schweren Verletzungen. Viele Lämmer sterben durch andere Ursachen als Angriffe von Raubtieren, welche jedoch oft verdächtigt werden, weil sie vom Kadaver gefressen haben. Rotfuchsangriffe sind zwar seltener als zuerst angenommen, kommen aber dennoch vor. Dass die Schaf- und Ziegenwirtschaft für Schäden durch wilde Hunde wesentlich anfälliger sind als Rinderwirtschaft, liegt hauptsächlich an zwei Faktoren:
das Fluchtverhalten der Schafe und ihre Eigenart, sich bei Gefahr zusammenzurotten
die Jagdmethoden der wilden Hunde und die Effizienz, mit der sie mit Schafen und Ziegen umgehen
Dadurch ist der Schaden für die Viehwirtschaft hier nicht in Bezug zu setzen zur Dichte des Bestandes an wilden Hunden (außer dass es keine gibt, wo keine Hunde vorhanden sind). Auch wenn es in einem Gebiet nur wenige wilde Hunde gibt, kann der Verlust an Schafen sehr hoch sein, da es zu übermäßigen Tötungen kommen kann. Mitunter wird von extremen Verlusten, die immer größer werden, gesprochen (einmal von 2000 toten Schafen in einer Nacht).

Laut einem Bericht der Regierung von Queensland kosten wilde Hunde den Staat jährlich ungefähr 30 Millionen Dollar aufgrund von Viehverlusten, Verbreitung von Krankheiten und Eindämmungsmaßnahmen. Verluste für die Viehwirtschaft alleine wurden auf 18 Millionen Dollar geschätzt. Laut einer Befragung von Viehwirten im Jahre 1995, durchgeführt vom Park and Wildlife Service, schätzten die Wirte ihre jährlichen Verluste aufgrund wilder Hunde (je nach Distrikt) auf 1,6 % bis 7,1 %. Trotz der Vielfältigkeit der Schätzungen besteht kaum Zweifel darüber, dass Raubzüge durch Dingos enorme wirtschaftliche Schäden anrichten können, besonders in der ersten Zeit einer Dürreperiode, wenn heimische Beute knapp, aber die Dingoanzahl noch relativ hoch ist. Weiterhin sind wilde Hunde an der Verbreitung von Echinokokkose bei Rindern und Schafen sowie Herzwürmern und Parvoviren bei Haushunden in Menschenhand beteiligt. Eine Infektion mit Echinokokkose führt zu der Beschlagnahme der Innereien von 90 % der geschlachteten Rinder in befallenen Gebieten, was zu einem Wertabfall des Fleisches und hohen wirtschaftlichen Verlusten führt. Zudem kann gebissenes Vieh nur für geringere Preise verkauft werden.

Dingo (Tierpark Halberstadt)

Dingo (Tierpark Halberstadt)

In Ostasien und Ozeanien gelten Haushunde als Delikatesse und werden regelmäßig zum Verzehr getötet. Im Nordosten Thailands werden pro Woche mindestens 200 Dingos getötet und ihr Fleisch auf den Märkten zum Verzehr angeboten. Vor dem Beginn des 20. Jahrhunderts dienten sie auch australischen Ureinwohnern als Nahrung, in der jüngsten Zeit gibt es aber keine Berichte mehr über diese Praktik. Bei den australischen Ureinwohnern galten Dingos daneben als Jagdgefährten (laut Untersuchungen aber nur in bestimmten Regionen, in der Regel erscheinen sie dafür unbrauchbar), lebende Wärmflaschen, Lagerhunde und deren Kopfhäute als eine Form der Währung. Dies schließt den traditionellen Gebrauch von Zähnen als Halsketten und ihrer Haare für traditionelle Kostüme mit ein. In einigen Teilen Australiens werden Prämien für Dingofelle und Kopfhäute gezahlt. Pelz von Dingos hat aber meist nur einen geringen Wert und eine Ausfuhr dieser Pelze ist in Staaten, wo sie geschützt sind, verboten. Auch ein großflächiges kommerzielles Fangen und Töten von Dingos zum Erbeuten der Felle gibt es nicht. Mitunter haben „reine“ Dingos eine Bedeutung für den Tourismus, wenn sie zum Anlocken von Besuchern genutzt werden. So werden auf Fraser Island Bilder und Symbole von Dingos aktiv von der Tourismusindustrie genutzt, um die Insel den Besuchern schmackhaft zu machen. Dingoprofile und Pfotenabdrücke werden in den Logos mehrerer Wandergruppen verwendet und sind häufig auf Werbematerial und Touristenwaren zu finden. In diesem Zusammenhang haben Dingos einen sichtbaren und geschätzten Platz, allerdings müssen sie gewisse Erwartungen erfüllen, um diesen zu behalten. Das Erlebnis der persönlichen Interaktion mit Dingos scheint für Touristen dabei besonders wichtig zu sein und zur Erfahrung dazuzugehören, die die Insel vermittelt. Bilder von Dingos tauchen auf dem Großteil der Broschüren und vielen Internetseiten und Postkarten auf, die für die Insel werben. Eine Nutzung von Dingo-Urin zur Abschreckung von Kängurus und Wallabys wurde in Betracht gezogen, aber bisher nicht wirtschaftlich umgesetzt.

International wurde der Dingo 2004 auf der Roten Liste der gefährdeten Arten als gefährdet eingestuft. Diese Einstufung wurde vorgenommen, da die Zahl der „reinen“ Dingos aufgrund der Vermischung mit anderen Haushunden in der letzten Generation um 30 % abgenommen hat. Im Commonwealth gilt der Dingo als regulierte einheimische Art unter dem Environment Protection and Biodiversity Conservation Act (1999) und wird daher in den Nationalparks des Commonwealth sowie in Gebieten des Weltnaturerbes und anderen Schutzgebieten unter Schutz gestellt. Das Gesetz erlaubt aber auch, dass Dingos in Gebieten, in denen sie nachweislich einen Einfluss auf die heimische Ökologie haben, bekämpft werden. Das Gesetz verbietet den Export von Dingos oder deren Körperteilen aus Australien, außer in den Fällen, in denen dies durch das Gesetz geregelt ist. Der Dingo gilt hierbei nicht als bedroht. In Australien variiert der rechtliche Status von Dingos und anderen wilden Hunden zwischen den Bundesstaaten und Territorien:
Northern Territory: Der Dingo gilt als geschützt unter dem Territory Parks and Wildlife Conservation Act (2000), nicht bedroht und aufgrund seiner ökologischen Bedeutung als einheimisch. Da die Vermischung mit anderen Haushunden im Northern Territory relativ gering ist, wird ihnen ein bedeutender Schutzwert zugestanden. In agrarwirtschaftlichen Gebieten dürfen Dingos allerdings bejagt werden, wenn sie eine Gefahr für die Viehwirtschaft darstellen.
Western Australia: Dingos und Mischlinge gelten als „ausgewiesene Tiere“ unter dem Agriculture and Related Resources Protection Act (1976). Populationen müssen kontrolliert werden und können nur unter bestimmten Bedingungen in Gefangenschaft gehalten werden. Eindämmungsmaßnahmen werden strikt auf viehwirtschaftliche Gebiete begrenzt; andere Haushunde werden grundsätzlich bekämpft. Dingos gelten ebenfalls als „ungeschützte heimische Fauna“ unter dem Western Australian Wildlife Conservation Act (1950). Obwohl nicht geschützt, werden sie in der Regel in Schutzgebieten nicht ohne Erlaubnis bejagt.
South Australia: Dingos und Mischlinge sind in den Schafgebieten südlich des Hundezauns „ernannte“ Schädlinge unter dem Animal and Plant Control Board (Agricultural Protection and Other Purposes) Act (1986). Sie müssen dort bekämpft werden und können nur in autorisierten Zoos und Wildparks gehalten werden. Nördlich des Hundezauns gelten Dingos als legitime Wildart und auch wenn sie ungeschützt sind, wird ihnen ein gewisser Schutz außerhalb einer 35 Kilometer Puffer-Zone nördlich des Zauns gewährt.
Queensland: Dingos und Mischlinge gelten als Schädlinge unter dem Land Protection (Pest and Stock Route Management) Act 2002. Alle Landverwalter haben die legale Verpflichtung die Zahlen aller wilden Hunde auf ihren Ländern zu reduzieren. Der Dingo gilt als „Wildart“ und „heimische Wildart“ unter dem Nature Conservation Act (1992) und ist eine natürliche Ressource (und daher geschützt) in Schutzgebieten. Außerhalb geschützter Gebiete gilt der Dingo nicht als „heimisch in Australien“ und wird nicht geschützt. Dingos und Mischlinge dürfen nur mit ministerialem Einverständnis in Zoos und Wildparks gehalten werden.
New South Wales: Der Rural Lands Protection Act (1998) teilt wilden Hunden den Status von Schädlingen zu und verlangt von Landbesitzern, sie zu dezimieren oder auszurotten. Obgleich der Dingo unter dem National Parks and Wildlife Act (1974) nicht als geschützt gilt, wird ihnen in Nationalparks Vollschutz gewährt. Der Dingo gilt als einheimische Art unter dem Threatened Species Conservation Act (1995), da diese Hunde sich bereits vor der europäischen Besiedlung etabliert hatten. Der Wild Dog Destruction Act (1921) beinhaltet Dingos in seiner Definition von wilden Hunden. Dieses Gesetz betrifft nur den westlichen Teil des Bundesstaates, wo Landbesitzer verpflichtet sind, wilde Hunde zu bekämpfen. Das Gesetz verbietet ebenso den Besitz von Dingos in dieser Region, es sei denn, man hat eine gesetzliche Erlaubnis dazu. Anderswo im Bundesstaat können Dingos durch den Companion Animals Act (1998) als Haustiere gehalten werden.
Australian Capital Territory: Dingos gelten als geschützt unter dem Nature Conservation Act (1980). Auf privatem Land ist eine Tötung wilder Hunde mit staatlicher Genehmigung erlaubt.
Victoria: Wilde Hunde gelten als „etablierte Schädlinge“ unter dem Catchment and Land Protection Act (1994), und Landbesitzer (außer dem Commonwealth) haben auf dem eigenen Land die legale Pflicht, deren Ausbreitung zu verhindern und sie so weit wie möglich auszurotten. Als wilde Hunde gelten dabei alle Dingos, verwilderte Haushunde, „wildgewordene“ Hunde und Mischlinge (ausgenommen sind anerkannte Mischlingsrassen wie der Australian Cattle Dog). Der Domestic (Feral and Nuisance) Animal Act (1994) legt Hundebesitzern die Pflicht auf, diese ständig unter Kontrolle zu haben. Dingos wird ein gewisser Schutz auf Gebieten, die unter die Verwaltung des National Parks Act (1975) fallen, gewährt. Seit 1998 ist es dort möglich, registrierte Dingos zu besitzen. Zurzeit besteht die Möglichkeit, dass der „reine“ Dingo dort offiziell als geschützte Art klassifiziert werden könnte, dies soll laut offiziellen Angaben nicht mit den Bekämpfungsmaßnahmen gegen wilde Hunde in Konflikt stehen.[139]
Tasmanien: Die Einfuhr von Dingos nach Tasmanien ist unter dem National Parks and Wildlife Act (1970) verboten. Die Bekämpfung von Hunden, die Nutzvieh angreifen, wird unter dem Dog Control Act (1987) behandelt.
Bekämpfungsmaßnahmen
„Dingokontrollen“ wurden schon so lange vorgenommen, wie Dingos in Konflikt mit Europäern gerieten, und dieser Euphemismus wird nach wie vor benutzt, um die Ausrottung des Dingos über weite Teile Australiens zu beschreiben.

Angriffe von Dingos auf Nutztiere führten zu großflächigen Bemühungen, sie von Gebieten mit intensiver landwirtschaftlicher Produktion fernzuhalten. In den späten 1800er Jahren hatten alle Staaten und Territorien Gesetze zur Bekämpfung der Dingos erlassen.[12] In den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts wurden Zäune errichtet, um Dingos von den Schafzuchtgebieten fernzuhalten. Viehwirte begannen damit, Dingos routinemäßig auszurotten. In Gebieten der Schafindustrie wurden sogenannte Dogger beschäftigt, speziell um die Anzahl der Dingos durch den Einsatz von Fallen mit Stahlkiefern, Fleischködern, Schusswaffen oder anderen Mitteln zu reduzieren. Die Verantwortung für die Bekämpfung der Hunde lag bei den Landbesitzern. Zur gleichen Zeit war die Regierung gezwungen, die Dingos zu dezimieren, die aus nicht besetztem Land oder Reservaten kamen und eventuell in Industriegebiete eindringen könnten. Da Dingos über weite Strecken zu Gebieten mit reicherem Beutevorkommen wandern, wurde die Bekämpfung besonders an „Pfaden“ oder „Wegen“ auch in weit entfernten Gebieten konzentriert. Jeder Dingo wurde als potentielle Gefahr angesehen und gejagt.

In den 1920er Jahren wurde auf Grundlage des Wild dog act (1921) der Dingozaun gebaut, und bis 1931 wurden tausende Meilen an Hundezäunen in mehreren Gebieten in South Australia errichtet. Im Jahr 1946 wurde diesen Bemühungen ein gemeinsames Ziel gegeben und der Dingozaun wurde endgültig fertiggestellt. Dieser Zaun vereinigte sich mit anderen Zäunen in New South Wales und Queensland. Die Hauptverantwortung für die Instandhaltung des Hundezaunes liegt noch heute bei den Landbesitzern, deren Besitztümer an den Zaun grenzen und die vom Staat Unterstützung bekommen können.

Ein Prämiensystem (sowohl lokal als auch von Seiten der Regierung) war zwar von 1836 bis zum Ende des 20. Jahrhunderts in Kraft, dennoch gibt es – trotz der Milliarden von gezahlten Dollars – keine Hinweise darauf, dass es jemals eine effektive Methode zur Eingrenzung war, und die Prämien nahmen mit der Zeit ab.

Die Ausrottung von Dingos aufgrund von Nutzviehschäden nahm gemeinsam mit der Bedeutung der Schafindustrie und dem Einsatz von Strychnin (zuvor 100 Jahre lang genutzt) seit den Siebzigern ab. Ebenso nahm die Anzahl der Dogger ab und die der staatlichen Vergiftungsaktionen mit aus der Luft abgeworfenen Ködern zu. In dieser Zeit gingen viele Farmer in Westaustralien zur Rinderwirtschaft über, und Erkenntnisse auf dem Gebiet der Biologie ermöglichten effizientere und kostengünstigere Bekämpfungsstrategien und -techniken, beispielsweise die Verwendung von Natriumfluoracetat (kurz 1080). Das führte zu ersten Befürchtungen, Dingos könnten lokal aussterben. Umweltschützer wandten sich gegen eine wahllose Tötung von Dingos und forderten auch die Wirkung auf andere Lebewesen zu berücksichtigen. Untersuchungen über die Lebensweise der Dingos führten dann zu der Praxis, Köder in der Nähe von Wasserstellen, Verstecken und konzentriertem Beutevorkommen auszulegen.

Ständige Populationsreduktionen gelten heute als notwendig, um einerseits den Einfluss wilder Hunde, egal welcher Art, zu beschränken und andererseits das langfristige Überleben der „reinen“ Dingos in der Wildnis zu gewährleisten.
Besitzer von Dingos und anderen Haushunden werden mitunter dazu aufgefordert, diese zu sterilisieren und unter Beobachtung zu halten, um die Zahl streunender und verwilderter Haushunde zu reduzieren und eine Vermischung mit Dingos zu verhindern (beispielsweise unter dem Territory Parks and Wildlife Conservation Act (2000)).Zumindest in einigen Gebieten gilt heute bei der Bekämpfung von Dingos das Vorsichtsprinzip, da sie dort voll geschützt, für die Aborigines kulturell wichtig sind und noch viele Daten über die ökologische Bedeutung der Dingos und die Auswirkungen der Bekämpfungsmaßnahmen auf andere Spezies fehlen. Historisch gesehen wurden bei der Bekämpfung von Dingos die Ansichten und Bedürfnisse der Einheimischen und deren Kultur nicht zur Kenntnis genommen. Als mögliche Lösung für dieses Problem wird die Einrichtung so genannter „Dingoschutzzonen“ gesehen, die hauptsächlich auf bekannten heiligen Dingostätten und „Traumzeit“-pfaden beruhen. Berücksichtigt werden der genetische Status (der Grad der Vermischung) der Dingos in diesen Gebieten, die Besitzverhältnisse und die Nutzung des Landes. Tötungsaktionen sollten nur außerhalb dieser Zonen durchgeführt werden. Landbesitzer werden dazu aufgefordert, regelmäßig aufzuzeichnen, wo einzelne Dingos und deren Spuren am häufigsten auftreten und den meisten Schaden anrichten. Ebenso sollten Geburten-, Schaden- und Sterblichkeitsraten von Nutzvieh erfasst werden. Die Kontrollen und Untersuchungen zielen darauf ab, Verluste an Nutzvieh zu minimieren, und nicht darauf, Dingos zu schützen. In Rindergebieten gibt es weniger oder keine Bekämpfungsmaßnahmen und die Bemühungen beschränken sich dort meist auf gelegentliche Abschüsse und Vergiftungsmaßnahmen. Regierungsüberwachter Einsatz von 1080 wird dort nur im Durchschnitt alle drei Jahre durchgeführt, wenn Feldbeobachtungen die Meldungen der Landbesitzer große Verluste und hohe Dingozahlen belegen.

Fleischköder mit 1080 gelten als schnellste und sicherste Methode zur Bekämpfung von Hunden, da sie extrem anfällig dafür sind und schon kleine Mengen des Giftes pro Hund ausreichen (0,3 mg pro kg). Der Einsatz aus der Luft wird innerhalb des Commonwealth durch den Civil Aviation Regulations (1988) geregelt. Die Annahme, dass Riesenbeutelmarder durch Giftköder Schaden nehmen könnten, führte dazu, dass die Gebiete, in denen man Giftköder aus der Luft abwerfen durfte, kleiner wurden. In den Gebieten, wo das Abwerfen von Giftködern aus der Luft nicht mehr möglich ist, ist es notwendig, Fallen zu stellen und Giftköder am Boden auszulegen. Wo Stahlfallen oder Giftköder nicht eingesetzt werden können oder dürfen (beispielsweise in Wohngebieten), werden Käfigfallen eingesetzt.

Mit Ausnahme der Einführung von 1080, das 40 Jahre lang extensiv eingesetzt wurde und auch als „Doggone“ (deutsch: Hunde-weg) bekannt wurde, haben sich die Mittel und Strategien zur Dezimierung von wilden Hunden mit der Zeit aber nur wenig verändert. Strychnin wird nach wie vor in ganz Australien eingesetzt. Fallenstellen zum Abtransport ist ein essentieller Bestandteil der Bekämpfungsmaßnahmen in den Hochebenen von Südost-New South Wales und Nord-Victoria. Es kommt auch vor, dass Dingos vom Pferderücken aus gejagt und geschossen oder dass Prämien für den Abschuss gezahlt werden. Eine Methode, die allerdings keinen nachweislichen Nutzen hat, ist es, die Leichen von erlegten Hunden entlang der Grenze des eigenen Gebietes aufzuhängen in dem Glauben, dass dies andere wilde Hunde abschrecken würde. Zum Schutz von Viehherden werden Hunde (Maremmas, Anatolische Hirtenhunde und Pyrenäenberghunde), Esel, Alpakas und Lamas eingesetzt. In den letzten Jahren wurden auch Zyanid-Auswerfer und Schutzhalsbänder (die an bestimmten Stellen mit 1080 gefüllt sind) getestet. Um wilde Hunde von Gebieten fernzuhalten, werden auch Bestrebungen unternommen, diese Gebiete für wilde Hunde unattraktiv zu machen, beispielsweise durch eine Entfernung von Essensresten. Eine Bekämpfung über das bewusste Verbreiten von Krankheiten wird in der Regel nicht in Betracht gezogen. Da typische Hundekrankheiten bereits in der Population vorhanden sind, wären solche Versuche vermutlich nicht erfolgreich, und Hunde in Menschenhand wären ebenso für diese Krankheiten anfällig. Andere biologische Bekämpfungsmethoden gelten bisher als nicht machbar, da sie mit hohem Risiko auch Hunde in Menschenhand dezimieren würden.

Die Effektivität von Bekämpfungsmaßnahmen wurde und wird häufig angezweifelt, ebenso, ob sie in einem guten Kosten-Nutzen-Verhältnis stehen. Das Prämiensystem erwies sich als anfällig für Betrug sowie im großen Maßstab als nutzlos und kann daher höchstens zur gezielten Eliminierung von „Problemhunden“ eingesetzt werden. Tierfallen werden als inhuman und im großen Maßstab, beispielsweise aufgrund der begrenzten Wirksamkeit der Lockmittel, als ineffizient angesehen. Aufgrund von Untersuchungen vermutet man, dass ohnehin nur Hunde gefangen werden, die auch sonst gestorben wären. Zudem sind wilde Hunde sehr lernfähig und können mitunter Fallen gut entdecken und umgehen. Es gibt einen bekannten Fall, in dem eine Dingohündin einen Dogger verfolgte und dessen Fallen nacheinander auslöste, indem sie vorsichtig ihre Vorderpfote durch den Sand schob, unter dem die Falle lag. Giftköder können bei entsprechend guter Fleischqualität sehr effektiv sein, sie wirken jedoch nicht lange vor und werden nachweislich auch von Rotfüchsen, Riesenbeutelmardern, Ameisen und Vögeln angenommen. Beuteltiere haben zwar eine höhere Toleranz gegen 1080, bei vielen wird der Vorteil dieser Resistenz aber aufgrund ihrer geringen Größe wieder verringert. Bezüglich der Anfälligkeit von Riesenbeutelmardern konnten bei Studien in New South Wales keine Auswirkungen von mit 1080 präparierten Ködern auf deren Populationen beobachtet werden. Nach Untersuchungen bezüglich zweier anderer Arten halten Forscher es für unwahrscheinlich, dass Bekämpfungsmaßnahmen mit Giftködern auf jene Arten Auswirkungen haben.

Zwar werden die meisten Köder innerhalb weniger Tage aufgenommen, es gibt aber auch Berichte von Ködern, die noch nach Monaten ihre Giftigkeit nicht verloren hatten und eine Gefahrenquelle darstellten. Das Auslegen von Ködern aus der Luft kann aber zu einem fast völligen Erlöschen einer Dingopopulation führen. Herdenschutzhunde können zwar Schäden erfolgreich minimieren, sind aber auf großen Gebieten mit weit verteilten Viehbeständen weniger effektiv und können aufgrund von Nachlässigkeit der Besitzer selbst zur Gefahr für das Nutzvieh werden oder selbst Tötungsmaßnahmen zum Opfer fallen. Zäune können zuverlässig wilde Hunde davon abhalten, bestimmte Gebiete zu betreten, sie sind jedoch teuer im Bau und benötigen ständige Reparaturen. Zudem bewirken Zäune lediglich, dass das Problem verlagert wird.

Laut Untersuchungen können Bekämpfungsmaßnahmen zwar eine Population von wild lebenden Hunden um 66 bis 84 % reduzieren, die Population kann allerdings innerhalb eines Jahres und je nach Jahreszeit schnell, beispielsweise durch Zuwanderung, wieder die alte Stärke erreichen. Wenn überhaupt, wäre nur eine zusammenhängende koordinierte Bekämpfung in allen Gebieten auf Dauer effizient. Bekämpfungsmaßnahmen resultieren hauptsächlich in kleineren Rudeln beziehungsweise in der Sprengung der Rudelstruktur. Die Maßnahmen scheinen sogar für die Viehwirtschaft eher schädlich zu sein, weil die leeren Gebiete von jungen Hunden besetzt werden und die Raubzüge so zunehmen. Laut Untersuchungen an wilden Hunden in den Siedlungsbereichen des Südostens von Queensland würde eine gezielte Bekämpfung von Junghunden mit gleichzeitiger Verschonung der Leithunde mehr bringen, da die entsprechenden Gebiete von den Leithunden besetzt bleiben und keine neuen Hunde zuwandern könnten. Zudem gibt es Hinweise, dass instabile Dingopopulationen auch instabile Populationen anderer heimischer Arten zur Folge haben. Trotz allem gilt als unwahrscheinlich, dass der Dingo in Zentralaustralien jemals durch Bekämpfungsmaßnahmen ganz ausgerottet werden kann oder dass die Auslöschung aller wilden Hunde eine realistische Option sei.

Als Hauptbedrohung für den Dingo gelten Habitatzerstückelung, Habitatveränderung und die Vermischung mit anderen Haushunden.
Einen offiziellen Schutz und Schutzgebiete für „reine“ Dingos gibt es nur in Australien. Alle anderen wilden Hunde gelten als Schädlinge. Allerdings wird allen wildlebenden Hunden in Schutzzonen derselbe Schutz gewährt, da eine separate Handhabe nicht möglich ist. Als „gesetzlich geschützt“ gelten australische Dingos dort nur in Nationalparks, Naturreservaten, im Arnhemland Aborigine Reservat und Naturparks im Northern Territory, Nationalparks und Reservaten in New South Wales, Nationalparks in Victoria und im ganzen Australian Capital Territory. Obgleich sie dort und in Gebieten des UNESCO-Welterbes und in Aborigine-Reservaten geschützt sind, gelten Dingos als „ausgewiesene“ Schädlinge im Großteil ihres verbliebenen Verbreitungsgebietes, und Landbesitzer sind verpflichtet, die dortigen Populationen zu bekämpfen. Dieser Zustand ist allerdings noch relativ neu. Vor den 1970er Jahren wurden Dingos fast ausschließlich als Schädlinge angesehen.

Die Dingos der Insel Fraser Island gelten als sehr wichtig für den Schutz der Dingos, da sie aufgrund ihrer geographischen und genetischen Isolation oft als die „reinste“ Population und damit als den ursprünglichen Dingos am ähnlichsten gelten. Angeblich sollen die Dingos dort nicht von Vermischung mit anderen Haushunden „bedroht“ sein.
Gruppen, die sich dem Erhalt der „reinen“ Dingos durch Zuchtprogramme verschrieben haben, sind zum Beispiel die Australian Native Dog Conservation Society und die Australian Dingo Conservation Association. Die Bemühungen der Dingo-Erhaltungs-Vereine in Australien gelten zurzeit aber als ineffektiv, da die meisten ihrer Hunde nicht getestet wurden oder als Mischlinge bekannt sind.
Das Hauptaugenmerk beim Schutz der Dingos liegt beim Aufhalten der Vermischung mit anderen Haushunden. Der Schutz vor Vermischung ist extrem schwierig und kostenintensiv und Schutzbemühungen werden dadurch erschwert, dass nicht genau bekannt ist, wie viele „reine“ Dingos es in Australien noch gibt und dass die Schutzbemühungen mit Bekämpfungsmaßnahmen in Konflikt treten. Schritte, um „reine“ Dingos zu erhalten, können nur wirksam sein, wenn auch zuverlässig zwischen Dingos und anderen Haushunden (speziell bei lebenden Individuen) unterschieden werden kann. Ein Schutz von „reinen“ und überlebensfähigen Dingopopulationen gilt als vielversprechend in abgelegenen Gebieten, wo der Kontakt zu Menschen und vor allem zu anderen Haushunden selten ist. In Parks, Reservaten und anderen nicht landwirtschaftlich genutzten Gebieten sollen diese Populationen nur bekämpft werden, wenn sie eine Gefahr für das Überleben anderer heimischer Fauna darstellen. Als realistisch gilt die Einrichtung von „hundefreien“ Pufferzonen um Gebiete mit „reinen“ Dingopopulationen, um eine Vermischung zu verhindern. Im Moment wird dies dadurch umgesetzt, dass alle wilden Hunde außerhalb von Schutzgebieten getötet werden können. Untersuchungen aus dem Jahr 2007 deuten allerdings darauf hin, dass selbst eine intensive Kontrolle von Kerngebieten den Prozess der Vermischung wahrscheinlich nicht aufhalten kann.

Über die Haltung von Dingos als Haustier gibt es unterschiedliche Meinungen: Kritiker halten den Dingo auf keinen Fall für geeignet, Befürworter sehen keinen Unterschied zu anderen Haushunden. Dingos könnten demnach als Hunderasse anerkannt werden und die Domestikation wäre ein Weg, den „reinen“ Dingo zu erhalten.
Dingos können bei häufigem Kontakt mit Menschen sehr zahm werden und zeigen weniger Scheu als Wölfe. Zudem lebten und leben Menschen mit Dingos zusammen. Bereits australische Ureinwohnern und die ersten Kolonialisten legten sich Dingos zu, jedoch ohne sie im großen Stil zu züchten oder abzurichten. Alfred Brehm berichtete einerseits von völlig zahmen Dingos, die sich im Verhalten nicht von anderen Haushunden unterschieden und sogar erfolgreich zum Hüten von Großvieh eingesetzt wurden. Andererseits beschreibt er Dingos, die wild und scheu blieben. Zu Berichten über völlig unkontrollierbare und aggressive Dingos meinte er, dass man ihnen nicht mehr „Beachtung schenken darf als sie verdienen“, da es darauf ankomme, wie ein Dingo von frühester Jugend an gehalten wird. Er war auch der Ansicht, dass sich aus diesen Hunden sehr ansehnliche Haustiere machen ließen.
Laut Eberhard Trumler sind Dingos sehr klug und anhänglich. Er rät von der Haltung ab, wenn kein ausreichend großes und ausbruchssicheres Gehege und kein Partner des anderen Geschlechts zur Verfügung gestellt werden kann. Dingos seien ungern alleine und ließen sich während der Läufigkeit noch schwieriger halten als andere Haushunde. Ihre Anhänglichkeit schaffe Probleme, da sie einem überall hin folgen würden. Die Ausbildungsfähigkeit sei mit hoher Lernfreudigkeit und Auffassungsgabe verbunden, höre aber beim geringsten Zwang auf. Ebenso könnten sie wie andere Haushunde stubenrein werden. Weiterhin haben sie einen enormen Bewegungsdrang. Er nahm an, dass es nur in Ausnahmefällen gelänge, „haushundähnliches Verhalten“ aufzubauen, und berichtete auch von sehr enger Bindung und Gefolgstreue bei guter Erziehung.
1976 wurde die „Australische Naturhund-Ausbildungs-Gesellschaft von New South Wales e. V.“ (Australian Native Dog Training Society of N.S.W. Ltd.) gegründet. Sie galt damals als illegal, weil die Haltung von Dingos verboten war. Offiziell als Australiens nationale Rasse anerkannt wurde der Dingo Mitte 1994 vom Australian National Kennel Council, ein Zuchtstandard wurde ein Jahr später herausgegeben. Dies berechtigt aber nicht zum Besitz von Dingos in Staaten, in denen Besitz, Zucht oder Verkauf dieser Hunde verboten ist.

Es ist von Land zu Land, innerhalb Australiens auch von Staat zu Staat, unterschiedlich, ob Dingos als Haustiere gehalten werden dürfen oder nicht. In Südaustralien zum Beispiel dürfen Dingos nur in speziell autorisierten Zoos, Zirkussen und Forschungsinstituten gehalten werden. Besitz, geplante Domestikation oder kommerzielle Nutzung der Dingos gilt dort als nicht akzeptabel, da dies zur Wiedereinführung von Dingos in Schafgebieten und damit zu Gefahren für Schafe führen würde.
Der Dingo wird von der internationalen Zuchtorganisation für Haushunde (FCI) nicht als Hunderasse anerkannt. Anders wird der Dingo dagegen von der American Rare Breed Association (ARBA) bewertet, wo er in der Gruppe „Spitze und Primitive“ (Spitz and Primitive Group) geführt wird. Ebenso wird der Dingo auch vom australischen Hundezüchterverband Australian National Kennel Council (ANKC) in der Gruppe 4 gelistet.
Zuchtprogramme gelten als beste Möglichkeit, um eine langfristige Existenz des Australischen Dingos in seiner „reinen“ Form zu gewährleisten, mitunter mit dem Ziel, sie später wieder auszuwildern. Ziel der Reklassifizierung zum Haustier in New South Wales im Jahr 1998 war ursprünglich, Dingos vor dem Aussterben zu bewahren.
Daneben sollen durch die Zucht aber auch Dingos produziert werden, um sie zu verkaufen beziehungsweise später als Arbeitshunde einzusetzen. Erste Bemühungen, Dingos beim Zoll einzusetzen, gab es schon 1976 in Victoria. Kritiker halten es für möglich, dass diese Hunde Mischlinge aus Dingo und Schäferhund waren.

Dingo (Parc Merveilleux)

Dingo (Parc Merveilleux)

Die Haltung der Dingos als Haustier und die daraus resultierende Zucht wird von mehreren Seiten kritisiert.
Ein Kritikpunkt ist, dass Dingo-Erhaltungs-Vereine, Dingo-„Farmen“ und Gesetzgebung zum legalen Besitz von Dingos für Menschen in der Öffentlichkeit den Fortbestand der „reinen“ Dingos bedrohen: Die meisten dieser Zuchten würden den Vermischungsprozess effektiv vorantreiben, wenn die Bestimmungen eines „reinen“ Dingos nicht absolut korrekt sind oder Mischlinge als „reine“ Dingos verkauft würden.
Auch Befürworter sehen die Zucht zur Erhaltung des „reinen“ Dingos skeptisch. Der Erhalt einer Population, die für eine spätere Auswilderung geeignet ist, ist mit Schwierigkeiten verbunden. Laut David Jenkins sei die Zucht und Wiedereinführung „reiner“ Dingos aufgrund ihrer starken territorialen Natur schwierig. Es gäbe keine Untersuchungen zu diesem Thema, insbesondere bei existierenden Dingo-Populationen.
Weiterer Kritikpunkt ist die Gefahr, dass Züchter mit Individuen züchten, die leichter zu handhaben sind. Dadurch kann eine zahmere Population entstehen, die für das Leben in der Wildnis weniger geeignet ist als ihre Vorfahren. Ebenso kann es aufgrund einer anfänglich kleinen Population zum Verlust genetischer Variabilität und damit zu einer höheren Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten kommen. Ebenso können negative Veränderungen allein aufgrund der Haltung in Gefangenschaft auftreten. Zudem können in der Wildnis überlebenswichtige Merkmale unter Domestikationsbedingungen nicht mehr ausreichend eingeübt werden und „nachlassen“, zum Beispiel beispielsweise Fertigkeiten zur Jagd.
Kritiker sind der Ansicht, dass sich erwachsene Dingos nicht als Haustiere wie andere Haushunde eignen würden. Dingos dächten selbstständiger und die Domestikation sei schwieriger. Dingos seien scheu, mit steigendem Alter würden ihre aggressiven Instinkte die Oberhand gewinnen, Angriffe auf Menschen wahrscheinlicher werden und sie würden meist weglaufen. Zudem könnten die meisten Halter die Bedürfnisse von Dingos nicht erfüllen und Dingos reagierten nicht gut auf Domestikation und Training. Nur wenige Dingos und Dingomischlinge erreichten ein hohes Alter, da die Besitzer nicht wüssten, wie mit ihnen umzugehen sei. Ein nicht sozialisierter Dingo sei schwer zu kontrollieren. Um Dingos als Haustier „passender“ zu machen, würden sie mit anderen Haushunden gekreuzt.
Auch die Zucht von Dingos selbst steht in der Kritik. Laurie Corbett argumentierte, wenn für Dingos Rassestandards und typische Merkmale festgelegt und sie auf diese gezüchtet werden, würden sie keine Dingos bleiben, sondern zu einer neuen Hunderasse werden. Weiterhin wird befürchtet, dass Dingos, die zum Gegenstand von Hundeausstellungen werden, mit den gleichen Gesundheitsproblemen konfrontiert würden wie andere Hunden der Ausstellungslinien. Bereits in den 1970er Jahren äußerte Eberhard Trumler seine Bedenken gegenüber der Klassifizierung des Dingos als Rassehund und dem Aufstellen eines Rassestandards. Er fürchtete, dass die Australische Regierung den wildlebenden Dingos nicht mehr den notwendigen Schutz zukommen lassen würde, wenn sie weltweit als Hunderasse anerkannt würden. Zudem wisse er aus eigenen Versuchen, wie schnell mangelnde Zuchtauslese auch beim Dingo zu degenerativen Ansätzen führt (z. B. Rutenverkürzungen, erhöhte Welpensterblichkeit und Schwächung der Ohrknorpel nach fünf Generationen von Geschwisterverpaarung).

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