Neues aus Wissenschaft und Technik

20.06.2016, Goethe-Universität Frankfurt am Main
Stadt-Kaninchen grenzen sich stärker vom Nachbarn ab
Was macht der Nachbar? Europäische Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus) erkennen das am Geruch der Latrinen, die wie ein Zaun die Grenze des Territoriums markieren. Latrinen in der Nähe des eigenen Baus dienen dagegen dem Informationsaustausch in der eigenen Gruppe. Wie eine Forschergruppe der Goethe-Universität jetzt herausgefunden hat, benutzen Stadt-Kaninchen häufiger die Latrinen an der Territoriumsgrenze und zeigen damit ein stärkeres Bedürfnis, sich von ihren Nachbarn abzugrenzen.
Kaninchen kommunizieren über Duftstoffe miteinander, die sich im Urin beziehungsweise im Kot befinden. Beim Schnuppern an der Latrine erfahren sie alles über das Alter, Geschlecht oder den sozialen Status der anderen Benutzer. Doch Stadt-Kaninchen zeigen bei der Benutzung der Latrinen ein ganz anderes Verhalten als ihre Artgenossen auf dem Land, wie Madlen Ziege, Doktorandin der Arbeitsgruppe Ökologie und Evolution der Goethe-Universität, in der aktuellen Ausgabe des online Journals „BMC Ecology“ berichtet.
Während Wildkaninchen auf dem Land mehr Latrinen in direkter Nähe zum Bau anlegen und diese auch häufiger nutzen, verhält es sich bei ihren städtischen Artgenossen ganz anders. Mit zunehmender Urbanisierung fanden die Forscher nicht nur besonders viele Latrinen an den Territoriumsgrenzen, d.h. weiter vom Bau entfernt, sondern auch Anzeichen dafür, dass sie regelmäßiger genutzt wurden als solche direkt am Bau. „Die Anlage von Latrinen zur Kommunikation zwischen benachbarten sozialen Gruppen, zum Beispiel um das Territorium eindeutig abzugrenzen, ist somit bei Wildkaninchen in der Frankfurter Innenstadt von besonderer Bedeutung“ so Madlen Ziege.
Erkenntnisse aus früheren Studien liefern eine gute Erklärung für diese Beobachtungen: In der Frankfurter Innenstadt leben nur wenige Tiere – oft sogar nur Pärchen oder einzelne Wildkaninchen – in einem Bau. Die Bauten- und Kaninchendichten sind hier jedoch sehr hoch und somit auch die Konkurrenz um Ressourcen. Eine klare Abgrenzung zum Nachbarn scheint hier von besonders großer Bedeutung zu sein, während die „interne“ Kommunikation in einer ohnehin kleinen sozialen Gruppe weniger wichtig ist. Im ländlichen Umland Frankfurts hingegen bewohnen große soziale Kaninchengruppen weitläufige Bautensysteme; die Dichte an Bauten und Kaninchen ist hier vergleichsweise gering. Folglich ist die Kommunikation innerhalb derselben sozialen Gruppe von größerer Wichtigkeit.
Publikation: Ziege M, Bierbach D, Bischoff S, Brandt A–L, Brix M, Greshake B, Merker S, Wenninger S, Wronski T, Plath M (2016) Importance of latrine communication in European rabbits shifts along a rural–to–urban gradient. BMC Ecology, http://bmcecol.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12898-016-0083-y Weiterlesen

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Neu entdeckte Tiere (2016) 25. Woche

Inaechelys pernambucensis
Zootaxa, Vol 4126, No 4: 21 Jun. 2016
A new side-neck turtle (Pelomedusoides: Bothremydidae) from the Early Paleocene (Danian) Maria Farinha Formation, Paraíba Basin, Brazil
ANNY RAFAELA DE ARAÚJO CARVALHO, ALINE MARCELE GHILARDI, ALCINA MAGNÓLIA FRANCA BARRETO
Limestone and marl from Maria Farinha Formation (Paraíba Basin, NE Brazil) accumulated in a shallow continental shelf environment during the expansion of the Atlantic Ocean in early Paleocene (Danian). It contains a rich paleontological record, which comprises many marine invertebrates, several species of bony and cartilaginous fishes, a crocodyliform and turtle remains. Here, we describe a new genus and species of pleurodire turtle from Maria Farinha Formation, based on a nearly complete plastron, an incomplete left pelvic girdle, and four dermal plates of the carapace. We tested the phylogenetic position of Inaechelys pernambucensis gen. et sp. nov. by including it in a comprehensive cladistic analysis of pleurodires. The new species is included within Botrhemydidae, with affinities to Bothremydini, positioned as sister group of Rosasia soutoi. Inaechelys pernambucensis gen. et sp. nov. differs from R. soutoi for the almost straight anterior lobe cranial edge of its plastron, as well as for its pentagonal shaped entoplastron and its abdominal shield midline, which is considerably smaller than the respective femoral shield midline. Inaechelys pernambucensis is the first turtle species formally described from Brazilian Paleocene strata. Within Bothremydidae, it is also the first conclusively fully marine species described for this country. This new record contributes to the understanding of the ecology and paleobiogeographical distribution of Bothremydidae family.

Narcine baliensis
Zootaxa, Vol 4127, No 1, 22 Jun. 2016
Narcine baliensis, a new species of electric ray from southeast Asia (Chondrichthyes: Torpediniformes)
MARCELO R. DE CARVALHO, WILLIAM T. WHITE
A new species of numbfish, Narcine baliensis, sp. nov., is described from the tropical eastern Indian Ocean from Indonesia. It is superficially similar to N. brevilabiata and N. atzi in aspects of its color pattern, but is distinguished from both congeners in details of its color pattern, in tooth band morphology, and in proportions of its dorsal fins, among other features. Narcine baliensis, sp. nov., is unique in having a dorsal color pattern composed of large, circular, ovoid or elongate dark brown spots or blotches on dorsal disc along with more numerous small (about eye-sized or slightly greater) brownish, subcircular spots, with large blotches and small spots surrounded by a very slender creamy-white pattern, as well as in having broadly circular upper and lower tooth bands of about the same width and shape. The genus Narcine is now composed of 20 valid species, but uncertainty remains concerning the identification and morphological variation of some of its species in the tropical Indo-West Pacific region.

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Portrait: Borneo-Orang-Utan

Borneo.Orang-Utan (Zoo Dvur Kralove)

Borneo.Orang-Utan (Zoo Dvur Kralove)

Borneo-Orang-Utans teilen mit ihren sumatranischen Verwandten den an eine baumbewohnende Lebensweise angepassten Körperbau: die Arme sind sehr lang, die Hände hakenförmig, der Daumen kurz und nahe an der Handwurzel lokalisiert, die Beine kurz und beweglich und die Füße handähnlich. Sie sind allerdings etwas stämmiger gebaut und schwerer als die Sumatra-Orang-Utans. Weitere Unterschiede liegen im längeren Fell, das dunkler und bräunlicher gefärbt ist, und in den Backenwülsten insbesondere der älteren Männchen: Diese wachsen nach außen und sind nahezu unbehaart. Darüber hinaus ist der Bart meist kürzer und der Kehlsack der älteren Männchen größer. Mit bis zu 90 Kilogramm sind die Männchen deutlich schwerer als die Weibchen, die bis zu 50 Kilogramm erreichen. Weiterlesen

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Portrait: Dorfweber

Dorfweber (Tiergarten Straubing)

Dorfweber (Tiergarten Straubing)

Der Dorf- oder Textorweber erreicht eine Körpergröße von 15 bis 18 Zentimeter. Die Männchen tragen während der Balzzeit ein leuchtend gelbes Gefieder. Kopf und Flügel sind dagegen schwarz befiedert. Außerhalb der Balzzeit ähnelt das Gefieder der Männchen dem der Weibchen. Es ist dann von grünlicher Färbung mit einer feinen Strichelung. Weiterlesen

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Portrait: Stachelschwanzwaran

Stachelschwanzwaran (Vivarium Darmstadt)

Stachelschwanzwaran (Vivarium Darmstadt)

Der Stachelschwanzwaran erreicht eine Gesamtlänge von maximal 70 cm, wobei die Schwanzlänge dem 1,3–2,3fachen der Kopf-Rumpf-Länge entspricht. Auf der Körperoberseite ist die Art meist dunkelbraun und mit hellen Flecken gezeichnet, die oft einige dunklere Schuppen einschließen und somit Augenflecken bilden. Der Schwanz hat eine sehr stachelige Beschuppung und ist im Querschnitt rund. Um die Körpermitte sind 70–115 Reihen von glatten Schuppen angeordnet. Von den ähnlichen Arten Varanus baritji und V. primordius kann der Stachelschwanzwaran abgegrenzt werden, weil er am Hals helle Längsstreifen aufweist. Weiterlesen

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Abenteuer Aquarium

Tropenaquarium Hagenbeck

Tropenaquarium Hagenbeck

Der ursprünglich geplante Beitrag sollte die besuchten Aquarien meiner letzten Zooreise näher beleuchten. Dann habe ich aber zufällig ein paar andere Dinge entdeckt (auch wenn nicht alles davon wirklich super aktuell ist und ich vermutlich der letzte in der Aquaristikszene bin, der darüber berichtet), die es ebenfalls wert sind, erwähnt zu werden.
Zusammen mit den Aquarienbeschreibungen würde das allerdings den Rahmen dieses Artikels sprengen, also habe ich die Aquarienbeschreibungen auf nächste Woche verschoben. Bis dahin habe ich auch mehr Zoovorstellungen veröffentlicht. Als Vorgeschmack gibt es einen Einblick in ein kleines Meeresaquarium aus dem Tropenaquarium Hagenbeck (welches ich mit freundlicher Genehmigung des Tropenaquarium Hagebeck auch verwenden darf).
Zu meinen Vasen und ihren Bewohnern gibt es nicht viel zu sagen, noch wuchert alles und bis auf eine Napfschnecke habe ich keine erwähnenswerten Todesfälle zu vermerken. Auch das Algen- und weitere Futterexperimente, die schon länger angekündigt wurden, harren ihrer Durchführung. Weiterlesen

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4. Zooreise 2016: Tag 7 – Löwen und anderes Getier in der Lüneburger Heide

Der Tag der Abreise war gekommen. Wir verließen Hamburg Richtung Hannover. Unterwegs waren Besuche im Serengetipark Hodenhagen und im Weltvogelpark Walsrode geplant.
In Hodenhagen sind wir mit dem Bus durch den Park gefahren, allerdings kam die Überlegung auf, vielleicht beim nächsten Mal mit dem Auto zu fahren…so hoch scheint das Risko der Zerstörung nicht zu sein, die Paviane (und andere Affen) haben keinen Zugriff auf die Straßen und somit auch keinen auf die Autos…und die Katzen habe ich auch noch nicht wirklich nahe der Straße gesehen …Und so informativ war die Busfahrt für uns auch nicht (und die ständige Erwähnung wie süß diverse Tierkinder sind, war eher nervig). Bei unserem ersten Besuch war einiges anders (liegt auch schon lange zurück). Weiterlesen

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Was sich seit letzter Woche verändert hat

Während meines Urlaubs und den Tagen danach habe ich mich nicht um ältere Beiträge im Blog gekümmert. Nachdem aber alle Fotos bearbeitet waren, konnte ich mich auch um die Vergangenheit des Blogs kümmern. Und das hat sich verändert:

Tauben: Das Bild der Glanzkäfertaube stellt eigentlich eine Purpurbrust-Fruchttaube dar. Die Änderung in der Bildbeschreibung wurde vorgenommen.
Abenteuer Zoo – Ein Absatz wurde entfernt und die Links der einzelnen Reisetage hinzugefügt.

Auch an der Fischkategorie wurde weitergearbeitet und noch fehlende Zusammenführungen wurden vorgenommen (wann das wohl ein Ende haben wird?): Pythons, Schlangenhalsschildkröten, Neuwelt-Sumpfschildkröten, Chamäleons, Corytophanidae, Echte Eidechsen, Geckos, Giftnattern, Gürtelschweife, Leguane, Skinke

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Neues aus Augsburg

Seit dem letzten Newsletter haben drei weitere Steinbock-Kitze das Licht der Welt erblickt. Sehr produktiv waren auch wieder die chinesischen Muntjaks mit zwei Jungtieren und im Reptilienhaus sind gleich 14 Baumpythons und 5 Zwerggürtelschweife geschlüpft. Bei den Letztgenannten war das erstmalig der Fall.
Bei den Straußwachteln sind es derzeit sechs Küken und erstmalig in der Geschichte des Augsburger Zoos gab es Nachwuchs bei den Coscorobaschwänen. Nachdem in der Vergangenheit die Krähen immer schneller als die Pfleger waren, konnten in diesem Jahr gleich mehrere Eier gesammelt und in den Inkubator eingelegt werden. Ein Küken ist bereits geschlüpft!
Dieses Jahr gab es auch Nachwuchs bei den Magellan-Pinguine. Leider verstarb das Küken am 13.Tag. Der Pathologiebefund ist noch ausständig. Weiterlesen

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Zoo Heidelberg

Besuch 2011
Besuch 2012
Besuch 2013
Besuch 2014
Besuch 2015

Neuntöteranlage (Zoo Heidelberg)

Neuntöteranlage (Zoo Heidelberg)

Manchmal dar ich mir durchaus erlauben den Sinn und Zweck dieses Blogs zu hinterfragen. Den Heidelberger Zoo besuche ich jetzt regelmäßig einmal im Jahr. Manche Veränderungen (vor allem im Tierbestand) fallen nicht unbedingt sofort ins Gewicht, vor allem was Kleinigkeiten (auch im Tierbestand) anbelangt. Die neuen Nerze sind mir in der Pressemitteilung aufgefallen, gesehen habe ich sie nicht (und mit einer Sichtung habe ich auch nicht gerechnet, dazu kenne ich mein Glück mit den Nerzen). Auch die Kattas habe ich als Neulinge zur Kenntnis genommen (ebenso das Fehlen des Weißbauchigels). Aber dass ich die Bauarbeiten zur Anlage der Syrischen Braunbären und Korsaks vollkommen ignoriert habe ist schon kein Leichtsinnsfehler mehr. SO blind kann man nicht sein. Jedenfalls sind die Bauarbeiten fertig und die Korsaks und Braunbären haben jetzt ein größeres Gehege. Das kann man auch hier nachlesen. Die Sanierung des Robbenbeckens ist abgeschlossen, während unseres Besuchs konnte man die Mähnenrobben deswegen nicht sehen. Ob deswegen die zweite begehbare Voliere ebenfalls für Besucher nicht zugänglich war, oder ob das andere Gründe hatte, kann ich nicht sagen. Und für einen kurze Kontrollbesuch ist Heidelberg dann doch zu weit.

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